Er, der King Of Pop, wird am 29. August 50 Jahre. Wen interessiert dieses Ereignis heute noch? Eine handvoll Fans? Mag sein, aber die große Mehrheit der Musikwelt wird diese Tatsache vermutlich vollkommen kalt lassen oder anders gesagt: Das mediale Interesse hält sich in Grenzen. Dies war mal vollkommen anders. In den 80ern schien es wirklich nur einen ungekrönten King Of Pop zu geben und das war eben Michael Jackson, da konnte selbst ein Prince nicht mithalten. Als weiblicher Gegenpart war Madonna noch von ähnlichem Interesse. Mittlerweile haben sich diese beiden Karrieren aber komplett in eine andere Richtung entwickelt. Madonna ist immer noch ein Markenname und auch wenn sie künstlerisch nur marginal zu überzeugen weiß, ist sie immer noch das Maß aller Dinge. Michael Jackson hat sich hingegen selber ins Abseits manövriert.
Das Hitalbum „Thriller“ braucht man sicher keinem mehr näher vorzustellen, es setzte Maßstäbe in allen Belangen und fuhr eine Auszeichnung nach der anderen ein. Auch das folgende Werk „Bad“ war noch recht erfolgreich - ebenso wie die dazugehörige Tour. Spätestens danach begann der Abstieg. Das musikalische Schaffen von Michael Jackson war fortan alles andere als relevant. Er machte mehr durch Schönheitsoperationen und einem immer bizarrer werdendem Aussehen von sich reden, sah sich Vorwürfen und Prozessen wegen Kindesmissbrauchs (Freispruch) ausgesetzt und letztlich kursierten sogar noch Gerüchte, dass er komplett Pleite sei. Ob an dem ein oder anderen Vorwurf oder Gerücht nicht auch ein Funken Wahrheit dran ist, muss jeder für sich selber beantworten. Fakt ist, dass der Künstler Michael Jackson völlig uninteressant geworden war. Seine Selbstinszenierungen interessieren heute auch kaum noch, die musikalische Welt hat sich längst weitergedreht, nur bei Michael Jackson ist das anscheinend nicht angekommen. Was immer Michael Jackson in Wirklichkeit auch sein mag, es ist nicht von dieser Welt. Und mal ehrlich, wenn man dies alles mal ausblendet, dann war er eine zeitlang auch künstlerisch nicht von dieser Welt. Ob man sein musikalisches Schaffen nun mag oder nicht, Anerkennung verdient er dafür auf jeden Fall. Schon als Mitglied der Jackson Five begeisterte er in ganz jungen Jahren die RnB-Welt. Auch sein Solo-Debütalbum „Off The Wall“ war für viele eine Offenbarung und danach begann der Wahnsinn erst richtig.
„King Of Pop“ ist nun eine 32 Song starke Zusammenstellung – eine „Best Of“ Scheibe. Eine Besonderheit gibt es allerdings: Die Plattenfirma und Michael Jackson haben in jedem Land die Fans die Songs aussuchen lassen. Es kann also sein, dass die Trackliste von Land zu Land differiert. Dass Michael Jackson mal eine Klasse für sich war hat er aber auch der Tatsache zu verdanken, dass er mit Quincy Jones einen kongenialen Partner an seiner Seite hatte. Dies kann man alles hier noch mal nachhören. Natürlich fängt die Scheibe mit drei Songs aus „Thriller“ an. „Billie Jean“, „Beat It“ (mit Eddie van Halen) und „Thriller“ bilden den Auftakt und zeigen einen Künstler auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Perfekter konnte Pop in den 80ern nicht sein und so nebenbei bemerkt – das gilt heute auch immer noch. So nebenbei setzte er mit dem 18 Minuten Video zu „Thriller“ weitere Maßstäbe. Ein Video, welches auch heute noch so ziemlich jeder Musikinteressierte kennen dürfte.
Die beiden CDs sind übrigens nicht chronologisch angeordnet. Sicher nicht die schlechteste Entscheidung, denn sonst würde noch mehr auffallen, dass die künstlerische Relevanz zusehends weniger wurde. So folgen dann zwar nach den „Thriller“-Tracks mit „Smooth Criminal“, „Bad“ und „Dirty Diana“ drei weitere von Bad, aber danach wird alles bunt gemischt. „Black Or White“ geht sicher auch noch in Ordnung, aber spätestens bei „Heal The World“ bekommt man doch ein komisches Gefühl in der Magengegend. Für viele war auch die Zusammenarbeit mit Paul McCartney immer zweifelhaft und nicht wenige fragten sich, warum Macca dieser Konstellation zugesagt hatte. Ich für meinen Teil fand „Say Say Say“ immer recht nett – ebenso wie das dazugehörige Video. Zudem gehört die Nummer auf jeden Fall zu einer Michael Jackson Werkschau dazu. Die Nummer ist natürlich auch hier enthalten, wie auch weitere Duette. „I Just Can´t Stop Loving You“ mit Siedah Garrett oder „Scream“ mit seiner Schwester Janet Jackson dürften ja auch noch viele auf dem musikalischen Radar haben. Und dann wäre da natürlich noch Slash, der auch schon bei Michael Jackson gniedeln durfte und so ist folgerichtig „Give In To Me“ hier vertreten. Dies unterstreicht zudem, dass Michael Jackson vielleicht gar nicht so sehr in einem festgezurrten und sehr eng bemessenen musikalischen Umfeld gefangen war und hier und da auch in der Lage war über den Tellerrand hinauszublicken. Keine Zusammenstellung ohne die obligatorischen Bonustracks. „Got The Hots“ von den Thriller-Sessions und den „Thriller Megamix“ kann man allerdings getrost vernachlässigen.
Fazit: „King Of Pop“ ist natürlich eine umfangreiche Werkschau von Michael Jackson. Wer sich über sein Schaffen einen Überblick machen möchte, ist mit der Doppel-CD sicher gut bedient. Wer allerdings das ultimative Statement von Michael Jackson im Schrank stehen haben möchte, der wird an „Thriller“ sicher nicht vorbeikommen. Das Booklet hätte ruhig etwas üppiger ausfallen dürfen, dies ist doch etwas spärlich an Informationen. CD1 geizt als sog. Opendisc dafür nicht mit zusätzlichen Inhalten, die mittels Software noch weiteren exklusiven Inhalt für den geneigten Hörer und Fan bereithält.