Rezensionen > Musik

Metallica: Death Magnetic

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Und plötzlich ist es einfach so da, das neue Metallica-Werk. Nach all´ dem ganzen Firlefanz und den Gerüchten im Vorfeld, ist es fast schon unheimlich die Scheibe in den Händen zu halten. In den letzten Monaten hat vermutlich kaum ein anderer Veröffentlichungstermin für so viel Aufsehen gesorgt wie eben „Death Magnetic“. Die Herren wissen halt, wie man sich ins Gespräch bringt und die Promotionmaschine läuft seit einer gefühlten Ewigkeit auf Hochtouren. Allerdings muss man der Band auch attestieren, dass sie einige wirklich gelungene und gute Aktionen gefahren hat.

Ein zusätzliches Spannungsfeld wurde sicherlich aufgebaut, als bekannt wurde, dass Rick Rubin die Regler bedienen wird. Laut Lars Ulrich war die Beteiligung von Rubin aber eher gering. Er war anscheinend entweder erst gar nicht im Studio zugegen oder versuchte irgendwie auf der herumstehenden Couch ein Schlafdefizit auszugleichen. Und doch reicht dies um der Band wieder einen rohen, trockenen und druckvollen Sound zu verpassen. Das letzte Album „St. Anger“ war - was das betrifft - sicher keine Sternstunde.

Überhaupt „St. Anger“, gibt es in den Weiten des Universums überhaupt noch einen, der ein gutes Haar an dieser Scheibe lässt? Also jetzt außer mir natürlich. Mir gefallen große Teile von diesem eher ungeliebten Werk auch heute immer noch recht gut. Außerdem war „St. Anger“ in vielen Belangen eine richtige Überraschung. Dies kann man von „Death Magnetic“ nicht behaupten. Es ist noch keine Minute der zehn Songs, die sich auf eine Spielzeit von über siebzig Minuten verteilen, rum und man hat schon eine ungefähre Ahnung, was da auf einen zukommt – unverkennbar Metallica.

Ja, „Death Magnetic“ dürfte Fans der ersten Stunde erfreuen. Alles scheint wieder da zu sein. Gitarre und Schlagzeug geben die kompromisslose Richtung vor und erinnern sofort an die guten alten Zeiten. Jetzt werden einige vermutlich wieder voller Entzückung von einem neuen „Ride The Lightning“ oder „Master Of Puppets“ sprechen. Wiederum andere werden das Ding verächtlich in der Luft zerreißen. Die Wahrheit scheint, wie so oft, irgendwo in der Mitte zu liegen. Um es direkt zu sagen: „Death Magnetic“ ist wieder ein Brocken alter Metallica Schule und Prägung. An ihre Genremeilensteine kommt die Scheibe nicht ganz ran, aber muss sie das? Unter dem Strich ist es schön, dass sich die Band einfach wieder auf ihre Stärken besinnt und den ganzen unnötigen Ballast und Kitsch der 90er weitestgehend wieder über Bord geworfen hat.

Ein netter Nebeneffekt ergibt sich dadurch noch, dass Kirk Hammett wieder seine Finger das Brett rauf und runter fliegen lassen darf. Ja, es gibt sie wieder die geschätzten Hammett-Soli! Ansonsten ist der Aufbau der einzelnen Songs, wie auch der gesamten Scheibe,  vorhersehbar, was in der Endabrechnung allerdings nicht unbedingt als Minus zu verzeichnen ist. Schnell, Midtempo, Ballade und Instrumental ergibt „Death Magnetic“.

„That Was Just Your Life“ baut sich zwar langsam auf, entwickelt sich dann aber zu einem der besten Tracks von Metallica seit langem. Die schnellen Parts werden garantiert (endlich mal wieder) für Nackenschmerzen sorgen. Ulrich malträtiert seine Felle und Hammett haut ein wirklich hörenswertes, ultraschnelles Solo raus. Klasse Auftakt. Spätestens hier dürfte klar sein, dass Metallica wieder zur alten Stärke zurückgefunden haben und dem Hörer einen unglaublichen Brocken vor die Füße geworfen haben. „The End Of The Line“ klingt anschließend fast ein bisschen wie Metallica vom Reißbrett. Irgendwie sind alle Bandphasen in der Nummer zu finden. Großes Kino hat aber ausgerechnet der eher akustische Teil zu bieten, der sich dann auch als recht eingängig herausstellt und wodurch der Song mit seiner Vielfalt dann doch überzeugt. „Broken, Beat & Scarred“ fehlt irgendwie die zündende Idee und kommt nicht so recht aus dem Quark. Mit „The Day That Never Comes“ gibt es dann die erste - obligatorische - Ballade. Jaja, liebe Puristen, ihr mögt das nicht, aber mal ehrlich, insgesamt ist das schon großes Kino. Und wem das zu seicht ist, der hört halt erst ab Minute vier genauer hin. Welche andere Band schafft es außerdem so leicht von einer Ballade in ein Speedmonster überzugehen? Absolut Daumen hoch! Kalkül? Kann sein, spielt aber in dem Fall absolut keine Rolle! Warum „Death Magnetic“ in der Folgezeit immer mit den großen Bandklassikern der 80er in einem Atemzug genannt werden wird, kann man sich auf „All Nightmare Long“ anhören. „Cyanide“ wird sicher wieder die Lager spalten. Der Song hat fast alle Höhen und Tiefen des Metallica-Kosmos zu bieten und ist daher schon recht außergewöhnlich! „The Unforgiven III“ hätte nicht sein müssen! Punkt! Wer mit der Nummer in das Album unbedarft einsteigt wird bei dem anschließenden Gewitter von „The Judas Kiss“ einen Herzinfarkt erleiden. Jawohl, so will ich Metallica hören! Auch der instrumentale Höllenritt von „Suicide & Redemption“ erfreut einfach das Herz und die Nackenmuskulatur. Mit „My Apocalypse“ hat der Rausschmeißer mit dem Titel schon alles gesagt und entpuppt sich als heftiges Ausrufezeichen zum Schluss. Die Nummer ist prädestiniert für die Bühne und die bevorstehenden Konzerte!

Fazit: „Death Magnetic“ ist ein erstklassiges Album von Metallica geworden, welches zwar nicht komplett mit den ganz großen Bandklassikern mithalten kann, sich auf der anderen Seite aber auch nicht verstecken braucht. Wer ein solches Album noch von Metallica erwartet hätte - bitte mal aufstehen!

http://www.metallica.com

No Comments »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post.

Leave a comment

Verwandte Artikel

Weitere Artikel des Autors

Aktuelle News

Aktuelle Artikel

Navigation


© Dirk Janßen, Webdesign, Webanwendungen & Content Management Systeme.

Sound Base Online Magazin Powered by WordPress - Inhaltsverzeichnis