Die Melvins sind nun schon seit fast 25 Jahren die große Wundertüte der Indiemusik. Mittlerweile haben sie der Welt über 25 Alben geschenkt und genießen nicht nur einen Kultstatus, sondern auch Narrenfreiheit. Es soll sogar Menschen geben, die sehen in allem, was die Melvins irgendwie veröffentlichen, einen tieferen Sinn. Schlechte Platten von King Buzzo und Dale Crover werden auch gerne mal in das Reich der Fabel verwiesen. Mal ehrlich, dass gesammelte Werk dieser einzigartigen Band beinhaltet durchaus auch den ein oder anderen Ausfall. Und in den schlechtesten Momenten waren die Melvins sogar ein Stückchen langweilig. Auf der anderen Seite schafft es kaum eine andere Band so sehr die Gehirnwindungen des Zuhörers von rechts auf links zu drehen.
Mit „Nude With Boots“ hauen die beiden Hauptprotagonisten - zusammen mit dem Big Business Duo Jared Warren & Coady Willis - der Welt einen weiteren Brocken um die Ohren, der den kompletten Wahnsinn der Melvins beinhaltet. Fans werden hier voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Dies sind nämlich die Melvins in Reinkultur. Der Albumopener „The Kicking Machine“ gibt Anlass für das ein oder andere Freudentränchen. Für dieses Riff würden andere sicher weitaus mehr als die obligatorische Schwiegermutter verkaufen. „Billy Fish“ brüllt dem Zuhörer ebenfalls ein „Herzliches Willkommen“ in der Welt des Wahnsinns entgegen. Jawoll, das ist fast mehr Metal, Punk und Rock and Roll als bei so manchem bierernsten Gesellen.
Die Melvins wären nicht die Melvins, wenn dazwischen nicht auch so ein Stück wie „Dog Island“ wäre. Die Gitarren schleppen sich langsam durch das Stück, dass dies auch wiederum eine Kunst ist. „Dies Iraea“ bittet anschließend mal eben zur Apokalypse und kommt nebenbei völlig ohne Gesang aus. So eine Nummer dürfen auch nur die Melvins machen, bei allen anderen Bands auf diesem Planeten wäre das nämlich komplett für die Tonne. Das komplette Gegenteil hauen sie einem anschließend mit „Suicide In Progress“ raus. Die Stilbrüche lassen einem einfach den Mund auf die Tischkante klappen. Wie immer sollte man die Ernsthaftigkeit, die dahinter steht, nicht hinterfragen, sondern einfach nur genießen. Dies sind die Melvins so, wie sie sich eine große Fanschar erspielt haben. Brachial scheppern sie sich auch durch „The Smiling Cobra“ und kommen im anschließenden „Nude With Boots“ fast schon poppig um die Ecke. Richtig! Im Melvinskosmos ist einfach alles möglich. Wenn man das Blubbern von „Flush“ überstanden hat, dann bekommt der geneigte Zuhörer mit „The Stupid Creep“ und „The Savage Hippy“ den kompletten Wahnsinn, der diese Band antreibt, geboten. Auf die Abschlussnummer „It Tastes Better Than The Truth“ kann man getrost verzichten. Dies ist der übliche Quatsch, den die Melvins immer wieder auf ihren Platten unterbringen.
Fazit: „Nude With Boots“ hält wieder alles für den Melvins-Fan bereit. Die Drums scheppern, die Gitarren mäandern und Gesang gibt es nur bei Bedarf. Großartige Songs geben sich quasi mit verzichtbaren Blödeleien die Klinke in die Hand. Ganz so also, wie man sich die Melvins wünscht. Diese Scheibe ist ein weiteres Statement für Eigenständigkeit und ein Mittelfinger an all diejenigen, die Musik in irgendein Format pressen wollen!