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Massive Attack: Heligoland
(EMI)


Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Massive Attack feiern Jubiläum. Mittlerweile blicken die beiden Gründungsmitglieder Robert „3D“ Del Naja und Grant „Daddy G“ Marshall auf zwanzig Jahre zurück, die so manche Perle elektronischer Musik hervorgebracht hat. Bahnbrechende Werke sind dabei entstanden. Fließbandarbeit war allerdings nicht das vorherrschende Motto, denn „Heligoland“ ist erst das fünfte Studioalbum von Massive Attack. Ein Album, welches mit viel Spannung erwartet wird und so einige Fragen im Vorfeld aufwirft. Schaffen sie es noch, ein ganzes Genre zu definieren? Haben nicht andere links und rechts zum Überholvorgang angesetzt? Sind Innovation und Ideen nicht den Jüngeren vorbehalten?

„Heligoland“ wird so einige verblüffen, denn Massive Attack haben es immer noch drauf und schaffen es den Zuhörer zu fesseln und immer weiter in ihren Strudel musikalischer Visionen zu ziehen – werden die einen sagen. Für wiederum andere wird das Album eine große Enttäuschung sein, da ihnen Neuerungen und der Spannungsbogen fehlen wird. Die Wahrheit? Liegt wie so oft in der Mitte! Aber Vorsicht! Massive Attack stellen jetzt nicht alles komplett auf den Kopf, sondern denken den eingeschlagenen Weg der bisherigen Alben konsequent fort. Musikalisch setzen sie auf Altbewährtes. Eine düstere Atmosphäre baut sich vom ersten Ton an auf – willkommen in der Apokalypse.

Dass sich die Scheibe nicht wie ein lauer Aufguss anhört und sogar zu überraschen vermag liegt mal wieder an der hervorragenden Auswahl der Gäste. Unterstützung holten sie sich von Portishead bis TV On The Radio. „Pray For Rain“ mit Tunde Adebimpe ist ja schon hinlänglich bekannt. Es ist trotzdem immer noch faszinierend, wie es Massive Attack und der TV On The Radio-Vordenker schaffen mit minimalistischen Mitteln zu begeistern und tonnenweise Schwermut aufzutürmen. Auch „Babel“ kennt man von den Liveauftritten ja bereits, die Studioversion ist aber um einiges besser und hier fühlt man sich sogar an Radiohead erinnert. Martina Topley-Bird ist mit ihrem unterkühlten Gesang genau die richtige Wahl für die Vocals gewesen. Das folgende „Splitting The Atom“ mit Grant Marshall und Horace Andy ist der unbestrittene Höhepunkt der Scheibe. Eine Mischung aus einem Leonard Cohen und Tom Waits Song der von einem Damon Albarn-Keyboardmotiv in die Welt hinausgetragen wird. Zwischen Himmel und Hölle ist hier alles drin! Dafür alleine lohnt sich die Anschaffung des Albums. „Girl I Love“ ist toll und hat die typischen Massive Attack-Elemente zu bieten – in erster Linie die markanten Bassläufe – aber man muss auch deutlich sagen, dass sich Massive Attack ganz gewaltig selber kopieren und wenn man es nicht besser wüsste und dies machbar wäre, würde man das für eine Coverversion des eigenen Backkatalogs halten.

Auf das nervige „Psyche“ folgt das noch nervigere „Flat Of The Blade“ und hier kann auch Guy Garvey von Elbow nichts mehr retten. Nach dieser kurzen Durststrecke wird man als Zuhörer anschließend aber von der bezaubernden Hope Sandoval und dem wunderbaren „Paradise Circus“ verzaubert. Betörend! „Rush Minute“ folgt dann den typischen Massive Attack Klangregeln: minimale Beats gleich maximale Wirkung, dazu eine düstere Atmosphäre und ein Gesang der fast geflüstert wird und dadurch noch mehr Spannung aufbaut. Pop gibt es auch noch. „Saturday Come Slow“ ist dann auch eher ein Track des Sängers, denn eine Massive Attack Nummer. Besagter Sänger ist übrigens Damon Albarn. Mich haut der Song jedenfalls nicht aus den Schuhen und wäre einer der verzichtbaren des Albums gewesen. „Atlas Air“ beschließt das Album als eine Art „Best Of“ der vorherigen neun Stücke und enthält viele Elemente die begeistern, aber auch nerven. Kurios.

Fazit: Die Punktevergabe für „Heligoland“ von Massive Attack ist nicht ganz einfach. Man findet hier drei herausragende Tracks vor, die derart überstrahlen und da ist man schnell geneigt, die Scheibe besser zu sehen, als sie wirklich ist. Oder doch nicht? Denn da hätten wir auch drei eher schwächere Songs und da könnte man doch glatt alles in der Luft zerreißen. Oder wie jetzt? Was ist denn mit den übrigen vier guten bis sehr guten Nummern? Aha, also doch eigentlich eine einfache Rechnung und da die starken Momente deutlich den schwächeren überlegen sind – und zwar so was von – passen neun Punkte dann doch ganz gut. Ein erster Höhepunkt des Jahres 2010 oder doch nicht….?

http://massiveattack.com/

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