Mittlerweile ist Mary J Blige schon aufgerückt zu den großen Damen der Soul- und R´n´B Musik. Die 36 jährige hat so gut wie sämtliche Höhen und Tiefen des Musikgeschäfts mitgemacht und prägt nun schon seit 15 Jahren ein Genre mit. Stetig konnte sie ihre Fangemeinde vergrößern und somit auch den kommerziellen Erfolg steigern. Sie wäre aber sicherlich nicht schon so lange dabei, wenn sie musikalisch nicht überzeugen könnte. Und das konnte sie bisher durchaus. Auf Mary J Blige konnten sich zeitweise so ziemlich alle einigen und so wippte auch der Rock- und Indiehörer bei dem ein oder anderen Track mit. Ein Kunststück, was sicher nicht vielen gelingt. Ob dies auch wieder mit „Growing Pains“ klappen wird?
Nein! Mit dem neuen Album werden wieder vermehrt die Fans des gepflegten R´n´B und des Pop angesprochen werden. Gemeinsam mit einer Reihe von Produzenten, u.a. Tricky und Dream, Ne-Yo und Stargate, The Neptunes, Dre & Vidal, Jazze Pha und Sean Garrett, sowie mit der Unterstützung von Vokalgrößen wie Ludacris und Usher hat sie das Album eingespielt. In den USA verkauft sich die Scheibe aus dem Stand heraus auch sehr gut und dürfte wieder als eins der erfolgreichsten R´n´B Alben in die Geschichte eingehen. Soweit so gut, aber es ist nicht alles Gold was glänzt. Die sechzehn Songs können nicht allesamt überzeugen und insgesamt ist das Album einfach zu lang geraten, da wären zehn bis zwölf Nummern durchaus ausreichend gewesen. So hat man an der ein oder anderen Stelle dann den Eindruck, dass zu viel Füllmaterial letztlich den Weg auf „Growing Pains“ gefunden hat.
Im digitalen Zeitalter ist das auf der anderen Seite (leider) egal, da sich ja jeder das Album noch mal neu zusammenstellen kann und wozu gibt es die Skip-Taste? Natürlich gibt es auch wieder jede Menge qualitätsmäßig gute Songs auf die Ohren. Die fette Produktion trägt dazu natürlich bei. Das frühe Duett „Grown Woman“ mit Ludacris ist schon eine sehr überzeugende Nummer, ebenso wie „Shake Down“ mit dem Kollegen Usher. „Just Fine“ mit seinen angesagten und zeitgemäßen Beats hinterlässt ebenfalls einen bleibenden Eindruck und setzt ein dickes Ausrufezeichen. Auch „Talk To Me“ mit der Bläsersektion und den Gospelanleihen ist ein weiterer Höhepunkt der Platte. Was bei der Scheibe noch ins Ohr sticht ist die Retroschiene. Trotz oder gerade wegen der ganzen angesagten Gaststars und Produzenten durchzieht die Scheibe bisweilen ein Flair, welches ebenso in der Popmusik der 80er zu finden war. Ein Aspekt, der in dieser geballten Form durchaus eine neue musikalische Seite von Mary J Blige präsentiert und die ihre Musik geschickt um neue Nuancen anreichert.
Fazit: Mit „Growing Pains“ legt Mary J Blige ein Album vor, welches hier und da ein paar Längen offenbart, aber auch sehr viele überzeugende Momente zu bieten hat. Mit dieser Scheibe festigt sie ihren Platz an der Spitze des R´n´B-Genres. Sie braucht sich ganz sicher nicht hinter ihren jungen Kolleginnen verstecken und da ist es auch egal, wenn sie nicht mehr alle Musikhörer dieser Welt anspricht. Die Stimme ist sowieso immer noch einzigartig.