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Martin Kilger: Glückstag (Single)/Wofür Ich Steh (Album)
(Kilger/New Music)


Autor: schlimm / Wertung: 7 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Wer? Martin, ähm? Kilger! Wer ist Martin Kilger und was macht er für Musik? Die Antwort gibt er mit seinem Album „Wofür ich steh“. Der Albumtitel ist Programm und hier erfährt man wirklich wofür der Mann musikalisch steht. Aus eben jener Scheibe wird nun die neue Single veröffentlicht: „Glückstag“.

„Glückstag“ ist per se allerdings keine gefühlige Nummer die nur auf gute Laune abzielt. Das komplette Gegenteil ist der Fall, denn nachdenklich, gar melancholisch wird die Musik präsentiert. Die Strophen werden in einer Art Sprechgesang vorgetragen. Zum Refrain hin öffnet sich allerdings die Instrumentierung zu einem Popsong, der alles mitbringt um die Radiostationen dieser Republik glücklich zu machen. Die Single hat zudem noch eine Pianoversion des Songs zu bieten. In diesem Gewand kommt die Phrasierung insgesamt sogar besser zur Geltung.

„Wofür ich steh“ ist randvoll gepackt und hat mit 15 Tracks eine Menge zu bieten. Martin Kilger hat hier auch hörbar sein Herzblut reingelegt, auch wenn die Scheibe in der letzten Konsequenz etwas zu lang ausgefallen ist. Und wofür steht der Mann nun? Für die kleinen und großen Alltagsbeobachtungen, die sich auch mal einen Blick nach links und rechts erlauben. Man hört Kilger und seinen Geschichten einfach gerne zu, da man gewissen Situationen und Schilderungen nur allzu gut kennt. Er schafft es zudem auch immer die nötige Balance zwischen großen Gefühlen und einer gehörigen Portion Augenzwinkern zu wahren.

Musikalisch bewegt er sich weitestgehend im Popumfeld. Hin und wieder bricht er aber auch aus diesem Korsett aus. Bei „Blut geleckt“ lässt er beispielsweise die Rocksau der Marke Selig von der Leine – willkommen in den 90ern. „Unendlich frei“ erinnert sogar entfernt an die Fantastischen Vier und besticht mit einer lockeren und leichten Atmosphäre. Der Titeltrack hingegen darf gerne auch als moderner Schlager bezeichnet werden und schlägt eine Brücke von Udo Lindenberg zu Rio Reiser.

Man sollte allerdings nicht den Fehler machen und Martin Kilger in eine poppige und kitschige Schublade einordnen, denn er singt oftmals mit einer leicht kratzigen Stimme, als ginge es um sein Leben. „Windhauch“ ist dafür nur ein weiterer Beleg und auch da tun sich erneut Parallelen zu Selig auf. Vielfalt wird bei ihm auch ganz groß geschrieben, denn mit diesem fröhlichen Groove von „Ja Ja“ kriegt er sogar noch die Kurve in Richtung Tanzfläche. Gibt es eigentlich noch irgendeine deutschsprachige Platte an der Xavier Naidoo in letzter Zeit nicht mitgewirkt hat? Der Pseudorocker „Weinen“ hat ihn jedenfalls auch mit an Bord.

Fazit. Insgesamt hat Martin Kilger mit „Wofür ich steh“ eine sehr vielfältige deutschsprachige Platte aufgenommen, die alles zu vereinen scheint, was eben Musik aus unseren Breitengraden zu Zeit ausmacht. Und trotzdem zieht er sein ganz eigenes Ding durch und versucht nicht auf etwaige Hörerschichten abzuzielen. Zwar ist das Album um den einen oder anderen Titel zu lang geraten, aber so hat auch ein jeder die Möglichkeit, seine ganz persönliche musikalische Lieblingsseite von Martin Kilger zu entdecken.

http://www.martin-kilger.de

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