Ein Flugzeug rast in den Pariser Flughafen und mehrere hundert Menschen lassen dabei ihr Leben – allerdings waren sie schon vor dem Aufprall tot.
Währenddessen führt in Minsk eine Wissenschaftlerin Experimente an Menschen durch, die sämtlichen ethischen Grundsätzen widersprechen – jedoch nur an speziell ausgesuchten Menschen, die sie überall auf der Welt zusammen sucht.
Und in Leipzig wird Konstantin Korff, ein begnadeter Thanatologe, mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Eigentlich soll er nur die Leiche eines der Unfall-Opfer in Paris wieder herrichten, als er von seinen ehemaligen Kollegen beim britischen Geheimdienst hinzugezogen wird.
Schnell entwickeln sich die Ermittlungen in diesem Fall zu einer mörderisch gefährlichen Jagd rund um den Globus und einem Wettlauf gegen die Zeit – denn es gab einen Überlebenden in Paris und er trägt einen tödlichen Fluch in sich, der jederzeit ausbrechen kann…
„Oneiros – Tödlicher Fluch“ von Markus Heitz (Knaur) ist das neueste Werk des auf Fantasy-Romane spezialisierten Autors.
Dieser Mystery-Thriller hat ein großes Problem: Er ist nicht wirklich spannend! Die große Anzahl an für die Handlung wichtigen Personen und die dauernden Perspektiv- und Ortswechsel, die manchmal in ihrer Chronologie nicht logisch erscheinen, sorgen in diesem Roman nicht für eine mitreißende Spannung, sondern mit den regelmäßigen Abbrüchen in spannenden Momenten irgendwann für Unmut, weil Markus Heitz dieses Stilmittel überreizt. Erst nach gut 2/3 entwickelt sich ein gewisser Fluss, wobei einige Wendungen durchaus vorhersehbar sind und sich von den richtig schön blutig beschriebenen medizinischen Szenen bzw. den Kampfszenen mal abgesehen auch der Gruselfaktor einfach nicht einstellen will. Gut gelungen ist allerdings die Einbindung der klassischen Märchen und der Zitate zum Thema Tod, die die entsprechenden Entwicklungen des Romans unterstreichen.
Die Personen sind durchweg wenig greifbar bis hin zu richtig unsympathisch – allen voran Konstantin Korff, eine emotional unterentwickelte, dauer-erigierte Kampfmaschine. Man kann die Beweggründe der Charaktere zwar verstehen, allerdings entwickelt man wenig Gefühl für sie. Sie wirken nicht menschlich, obwohl Markus Heitz sie in ihren positiven und negativen Charakter-Eigenschaften beschreibt und darum fiebert man nicht mit ihnen mit. Zudem wirken manchen Handlungen einfach unglaubwürdig, Erfindungen und Lösungsvorschläge arg aufgesetzt – und warum man bei all den mystischen Geheimbünden etc. auch noch Guerillas, irische Terroristen und die russische Mafia ins Spiel bringen muss, ist ein Rätsel.
Fazit: James Bond trifft die Gebrüder Grimm – ein Mystery-Thriller, der erst nach gut 2/3 eine gewisse Spannung aufrecht halten kann und bei einem etwas chaotischen Aufbau und wenig sympathischen Figuren zumindest durch detailliert beschriebene Splatter-Szenen und ein paar tolle Märchen und Zitate zum Todes-Thema punkten kann. Schade um die außergewöhnliche Idee.