
2009 ist es soweit – 30 Jahre Marillion. Kurz davor kommt die Band noch mit einem amtlichen Album um die Ecke. Einem Doppelalbum wohlgemerkt! Rund 110 Minuten Musik verteilen sich auf die beiden Silberlinge und 20 Songs. Die Entwicklung der Band in den knapp drei Jahrzehnten ist sowieso sehr bemerkenswert. Angefangen haben sie als Progressiv-Rockband und fanden zum Ende der 80er immer mehr den Weg ins Radio und die Stadien dieser Welt. Man hatte sich dann fast schon zu einer fürchterlichen Bombastrockband entwickelt. Eine Änderung gab es dann abermals Dank des neuen Sängers Steve Hogarth zu Beginn der 90er. Sein Vorgänger hörte auf den Namen Fish.
Mit „Happiness Is The Road“ schlägt die Band abermals eine neue Richtung ein. Zu Promotionzwecken wurde hier natürlich wieder auf das Internet gesetzt. Was die Nutzung neuer Medien betrifft waren Marillion aber sowieso immer ganz vorne dabei und sie setzten in dieser Hinsicht sicherlich nicht nur eine Duftmarke, sondern auch den ein oder anderen Maßstab. Das Album wird selbstverständlich wieder über die eigenen Homepage vertrieben und konnte vorab schon im Internet über ein Netzwerk runtergeladen werden – wer wollte auch kostenlos.
Musikalisch zeigt sich die Gruppe so frisch wie lange nicht mehr. Zudem legen sie eine schier unglaubliche Experimentierfreude an den Tag. Die beiden CDs haben im Grunde auch nichts gemeinsam. Während die eine Seite („The Hard Shoulder“) eine lose Ansammlung an Songs ist, besticht die andere mit einem Konzept. „Essence“ behandelt die große Frage des Lebens und sucht den Sinn. Wie sie dabei den Bogen vom verhaltenen Auftakt „Dreamy Street“ über das melancholische „Wrapped Up In Time“ bis hin zu „Happiness Is The Road“ spannen ist nicht nur kunstvoll, sondern auch musikalisch sehr schön in Szene gesetzt worden. Marillion schaffen es hier mittels Musik ganze Welten im Kopf des Zuhörers entstehen zu lassen.
Nach einem derartigen Brocken muss man erstmal durchatmen. Da kommt die lose Songsammlung von „The Hard Shoulder“ genau richtig. Der rockige Beginn von „Thunder Fly“ macht da durchaus Lust auf mehr. „The Man From The Planet Marzipan“ kann die daraus resultierenden hohen Erwartungen leider nicht erfüllen und auch „Asylum Satellite # 1“ ist nur unwesentlich besser. Das anschließende „Older Than Me“ weiß dafür umso mehr zu überzeugen. Der ruhige Aufbau, der im Hintergrund mit vielen Klanglandschaften aufwartet ist nicht nur beeindruckend, sondern verursacht eine dicke Gänsehaut. Unbedingt per Kopfhörer genießen! Fast soulig setzt „Half The World“ zu einem weiteren Höhepunkt an. Marillion grooven! Wer die Band unter anderem für diese feingliedrigen Gitarrenaufbauten schätzt, wird mit „Especially True“ mehr als gut bedient und mit „Real Tears For Sale“ schaffen sie es sogar zum Schluss noch ein dickes Ausrufezeichen zu setzen.
Zur musikalischen Umsetzung haben Marillion hier nicht nur auf die klassischen Instrumente einer Rockband zurückgegriffen, sondern mit Glockenspiel, Zither, Harmonium und sogar Elementen aus Dub und Elektronik im allgemeinen einen ganz neuen Cocktail angerührt. Als Einfluss nennen sie selber Pink Floyd, Interpol, Beach Boys, Marvin Gaye, The Doors oder David Bowie. Man sieht, die Palette ist groß, aber letztlich machen Marillion sowieso ihr eigenes Ding.
Fazit: Mit „Happiness Is The Road“ ist Marillion ein Doppelalbum gelungen, welches zwar unverkennbar Marillion ist, aber trotzdem neue Elemente präsentiert. Die beiden Alben sind eine wahre Fundgrube für die Fans und dürften noch lange, lange nachhallen, da man hier auf eine schier unendliche Entdeckungsreise gehen kann.