Die Manic Street Preachers sind schon so was wie eine Britpop-Institution. Das Debütalbum der Band aus Blackwood in Wales erschien bereits 1992. Seitdem ist nicht nur eine Menge Wasser den Vater Rhein runter geflossen, nein, die Manics hatten auch neben großem Erfolg die ein oder andere Klippe zu umschiffen. Mittlerweile hat die nächste (Band-) Generation das Zepter in die Hand genommen. Nachdem die letzten Platten der Jungs um James Dean Bradfield eher, freundlich ausgedrückt, etwas mau waren, machen sie sich nun wieder daran die Welt mit reichlich Wut im Bauch zu erobern.
Reichlich Wut im Bauch? Als größter Einfluss werden jedenfalls die Sex Pistols und The Clash genannt. Zudem erzählt Nicky Wire momentan gerne, dass die Manic Street Preachers einen Prozess durchlaufen haben, der alles zerstört hat, was sie je waren oder sind. Aha. Das wichtigste Faustpfand ist aber nach eigener Aussage immer die Freundschaft zwischen den drei Bandmitgliedern gewesen und Ausgangspunkt für jede Veröffentlichung. Eine Trennung kommt da wohl nie in Betracht, lediglich könnte es sein, dass die Band im Sande verläuft oder eine zeitlang nicht mehr aktiv ist.
Letztendlich haben die drei Jungs die Auswahl aus 30 Songs gehabt. 10 davon haben nun den Weg auf das Album gefunden. Die Spielzeit von knapp 38 Minuten dürfte hier sicher den ein oder anderen überraschen, war die Band doch bisher nicht unbedingt dafür bekannt, schnell auf den Punkt zu kommen. Gerne wurden einzelne Tracks auch mal episch angelegt. Die Platte startet mit einer schicken Kirchenorgel, dezentem Gitarrenspiel und dann geht es los. „Send Away The Tigers“ gibt die Richtung vor, die auch die anschließenden neun Songs (fast) nicht mehr verlassen werden. Das Dingen rockt. Eine unwiderstehliche Gitarrenmelodie fräßt sich ins Gehirn, dazu dieser Hymnencharakter, wie ihn nur die Manic Street Preachers beherrschen. Auch „Underdogs“ knüpft daran nahtlos an. „This One´s Is For The Freaks“ singt Bradfield da. Stimmt nicht. Auch wenn das Teil oberflächlich betrachtet ordentlich auf die sprichwörtliche Kacke haut, bringt es doch alles mit, was einen Hit ausmacht. Mit großen Melodien geht es auch im folgenden „Your Love Alone Is Not Enough“ weiter. Nina Persson von den Cardigans ist hier mit von der Partie. Schöne erste Single, würde auch auf ein Album der Schweden passen.
Ein Händchen für Melodien hat diese Band jedenfalls. Egal ob im fast kitschigen „Indian Summer“, dem melancholisch angehauchten „The Second Great Depression“ oder dem rockigen „Rendition“, stets gibt es diese unwiderstehlichen und unverkennbaren Zutaten eines (guten) Manics-Songs. „Autumnsong“ lässt den Zuhörer fast erschrecken. Spielt da Slash? „Paradise City“? „Sweet Child O´Mine“? Tja, so hören sich die Manic Street Preachers bisweilen im Jahre 2007 auch mal an. Und ehrlich, das passt und ist alles andere als schlecht. Auch die letzten drei Songs „I´M Just A Patsy“, „Imperial Bodybags“ und „Winterlovers“ haben keinen Niveauabfall zu verzeichnen. Danach gibt es mit „Working Class Hero“ als Hidden Track noch ein John Lennon Stück als Coverversion.
Fazit: An „Send Away The Tigers“ werden sich sicher die Geister scheiden. Letztendlich handelt es sie hier um ein Werk, welches ohne Umschweife auf den Punkt kommt, den Pathos etwas zurückgeschraubt hat, Spaß macht und rockt. Die Manic Street Preachers melden sich eindrucksvoll zurück und können damit so Langweiler wie die Kollegen von Travis ganz locker auf die Plätze verweisen. Daumen hoch!