Mando Diao sind zwar erst vor gut und gerne fünf Jahren auf der musikalischen Landkarte erschienen, haben aber schon derart viele Hits in den Orbit geschossen, dass einem schwindelig werden kann. Die Band selber ist dementsprechend auch mit einem großen Selbstbewusstsein ausgestattet. Völlig in Ordnung so! Wer was auf der Pfanne hat, der darf dies auch gerne kundtun. Natürlich wirft man den Schweden gerne mal vor, dass sie ja nichts Neues machen würden. Erstens sagen sie völlig zurecht, dass es aber eben für Mando Diao neu wäre und zweitens hat Inspiration schon immer dazu geführt etwas Großartiges entstehen zu lassen. Natürlich gibt es auch die Stimmen, die Mando Diao gerne als reine Teenieband abtun.
Psst, unter uns: „Give Me Fire“ ist ein verdammt gutes Album und das kann man auch jenseits der Dreißig hören! Mit dieser Scheibe sind Mando Diao jetzt tatsächlich erwachsen geworden. Man könnte hier gar einen Klassiker vermuten – einen Bandklassiker sowieso. Umso interessanter, dass Gustaf Norén das Werk selber nicht als das Beste der Band ansieht. Er meint, dass „Never Seen The Light Of Day“ perfekt sei und dies nicht mehr zu erreichen wäre. Man will dem Künstler ja nur ungern widersprechen und er wird schon wissen, wie die eigene Musik einzuordnen ist, aber „Give Me Fire“ ist zumindest für mich ein Quantensprung im Gesamtkontext von Mando Diao.
Wo soll man bei diesem Album voller wunderbarer Melodien und Einfälle nur anfangen? Man könnte jetzt erzählen, dass Mando Diao die Disco für sich entdeckt haben und einen Schritt in Richtung Gloria Gaynor gemacht haben. Man kann auch erzählen, dass „Give Me Fire“ zum Teil wie ein Soundtrack für einen Tarantino Film klingt oder dass Mando Diao plötzlich wie eine verdammte Mariachi-Band klingen und Calexico nicht unähnlich sind. Von den vielen tollen Arrangements kann man selbstverständlich auch berichten, ebenso von dieser unglaublich dichten Atmosphäre – trotz aller Stile und Richtungen. Ja, man kann hier eine ganze Menge erzählen, so toll ist „Give Me Fire“.
Aber warum nicht da anfangen, wo diese unglaubliche Reise startet? Am Anfang?! „Blue Lining White Trenchcoat“ dürfte alle Fans vollauf begeistern und die neue Hörerschaft neugierig machen. Unglaublich druckvoll wird die Nummer vorangetrieben und entpuppt sich als der perfekte Einstieg. Mit „Dance With Somebody“ folgt dann die Übersingle, die momentan im Radio in Dauerschleife zu laufen scheint – völlig zurecht. Allerdings ist die Albumversion noch ein wenig ausgefeilter und der Song baut sich erst ganz langsam auf. Puristen und Nörgler bitte wieder ins zweite Glied treten. Man kann es drehen und wenden wie mal will, dieser simple Track ist einer der besten Singles der letzten Jahre. Punkt! Obwohl, vielleicht wird das noch von „Gloria“ überboten? Jetzt begrüßen Mando Diao den Hörer endgültig zum heißen Tanz in der Disco. Mit welcher nonchalanten Art sie das allerdings bewerkstelligen ist schon sehr hörenswert. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein kleiner Hauch von Kitsch die Szenerie durchweht, aber letztlich schafft es dieser mitreißende Gesangsvortrag dann doch noch, dass hier alles in trockenen Tüchern ist. Toller Song!
„High Heels“ begrüßt den Hörer anschließend in Mexiko. Der Bass stampft, die Trompete jubiliert und den Gesang darf man gerne als sexy und cool bezeichnen. So einfach ist das bei Mando Diao im Jahre 2009. Hat Quentin Tarantino eigentlich noch musikalischen Bedarf für seinen nächsten Film? Genau hier dürfte er fündig werden. Danach haut die Band mit „Mean Street“ mal eben so zwischen Tür und Angel einen weiteren Kracher raus. Was hier so locker und lässig klingt ist einfach tolle Songwriterkunst. Zudem klingen Mando Diao als würden sie abermals um ihr Leben spielen und hätten verdammt viel Spaß dabei. Auch mit „Maybe Just Sad“ gibt es nach ruhigem Beginn ein weiteres Stück schönster Pop and Roll Kunst. Mittlerweile beherrscht die Band aber auch die ruhigen Töne – nachzuhören bei dem Instrumental „A Decent Life“. Genau richtig vor dem mitreißenden Rocker „Give Me Fire“. „Crystal“ ist schönster Folkpop, inklusive Vogelgezwitscher im Hintergrund. Selbst bei dem Song passt alles perfekt zusammen. Mit „Come On Come On“ gibt es dafür anschließend erneut eine Uptempo-Nummer. Übrigens erinnert der Anfang und der Mittelteil an die Titelmelodie von Wickie. „Got Out Tonight“ lebt von einer wunderschönen Melodie und abermals vom Gesang. „You Got Nothing On Me“ dürfte bei dem ein oder anderen älteren Semester abermals Erinnerungen wachrufen. Der Einstieg ist doch stark an „War Pigs“ von Black Sabbath angelehnt. Was Mando Diao allerdings hieraus machen ist schon wieder eine Kunst für sich und sämtliche Plagiatsvorwürfe erübrigen sich. Zum Schluss gibt es dann erneut großartige Songwriterkunst im Stile eines Ennio Morricone zu hören. Tipp: danach den Player nicht abstellen.
Fazit: „Give Me Fire“ ist jetzt schon ein heißer Anwärter für das Album des Jahres 2009. Ausfälle? Sucht man hier vergeblich. Mando Diao sind erwachsen geworden und dürften mit dem Album sogar eine ältere Zuhörerschaft erschließen und zwar ohne, dass die Jungen enttäuscht werden. Ja, das Rad erfinden sie nicht neu, aber wie sie hier die verschiedenen Einflüsse und Stile durch den Fleischwolf drehen ist eine Kunst für sich und unter uns: Mando Diao haben ein so feines Händchen für tolle Melodien, dass man fast auf die Idee kommen könnte, sie mit den ganz Großen zu vergleichen. Gut, wollen wir mal nicht übertreiben, aber ohne Zweifel zählen sie zur Zeit zu den besten Bands auf dem Planeten und nicht weil sie so angesagt sind, sondern weil sie so gut sind!