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Lucinda Williams: West

(Lost Highway/Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 10,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Lucinda Williams WestMit „West“ veröffentlicht Lucinda Williams endlich mal wieder ein neues Album. Nach vier Jahren ist die Zeit des Wartens somit vorbei. Qualität braucht halt Zeit. Und diese große Dame des Singer/Songwriter und des Alternative-Country Genre steht für Qualität, auch wenn dies in Deutschland die wenigsten bisher mitbekommen haben. Umso mehr wissen die Übrigen wohl ihre Musik zu schätzen.

So intim wie auf den vorliegenden dreizehn neuen Songs hat die 54jährige wohl noch nie geklungen. Sie hatte in den zurückliegenden vier Jahren ja auch eine Menge zu verarbeiten. Sie selber sieht diese Zeit „…als die schwierigste, aber auch die kreativste Zeit, was mein Schreiben anging“ an. So musste sie nicht nur den Tod ihrer Mutter verarbeiten, sondern hatte auch eine turbulente Beziehung hinter sich. Schicksalsschläge, die auch ihre Musik beeinflusst haben. Musik als Therapie? Scheint so. Musikalisch sind diese dreizehn Tracks jedenfalls nicht nur die mutigsten ihrer gesamten Karriere, sondern wahrscheinlich auch die besten. Auch textlich hat uns Frau Williams einiges mitzuteilen. Ihr Gesang strahlt dabei von Verletzlichkeit in „Where Is My Love?“ bis hin zur zügellosen Wut im an Neil Young angelehnten Track „Come On“ die gesamte Bandbreite der Emotionen aus. Mit Bill Frisell an der Gitarre, Bob Burger an den Tasten, Jenny Scheinman an der Geige und Gary Louris von den Jayhawks als Backgroundsänger hat sich die Frau dazu eine Band ins Boot geholt, die ihre Musik perfekt instrumentiert. Die Produktion von Hal Willner verleiht den Songs dazu noch eine unglaublich Intensität.

Auch wenn das große Thema von „West“ der Verlust eines geliebten Menschen behandelt („Mama You Sweet“, „Fancy Funeral“) oder von dem Ende einer Beziehung erzählt („Learning How to Live", „Everything Has Changed") so entlässt Lucinda Williams den Hörer nicht, ohne auch auf das Licht am Ende des Tunnels hinzuweisen („What If“). Weitere Höhepunkte sind sicher das mantrahafte „Wrap My Head Around That“, das wunderschöne Titelstück und das durch ambiente Klänge angehauchte „Rescue“. Obwohl, dies wird fast schon den übrigen Songs nicht gerecht, da jeder dieser dreizehn Kleinode ein Höhepunkt für sich darstellt.

Fazit: Mit „West“ ist Lucinda Williams ein kleines Meisterwerk gelungen. Dabei hat sie es sich nicht einfach gemacht und hat doch das ein oder andere überraschende Element hier eingebaut. Musik, die nicht einfach nur so nebenbei konsumiert werden kann, sondern die volle Aufmerksamkeit dem Zuhörer abverlangt. Verletzlich, zerbrechlich, wunderschön – jeder Ton ein Treffer. Solange die Frau solche Alben aufnimmt gönnen wir ihr gerne wieder eine vierjährige Pause. 10,5

www.lucindawilliams.com

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