Lost A.D. aus Hamburg machen auf sich aufmerksam, indem sie ein fünf Song Muster mit Liedern aus ihrer bisherigen Schaffensphase verschicken. So ganz weiß der Rezensent nicht, was er davon halten soll. Die schönen Momente des Indie-Rocks des Trios sind nicht von der Hand zu weisen, allerdings hat man auch das Gefühl, die Band musiziert eher verträumt nur für sich anstatt sich direkt an ein Publikum zu wenden. Anbiedern klingt anders. Und so ist es ein Rätsel, wie es die Band ins Vorprogramm von Topsellern wie Silbermond und Revolverheld gebracht hat. Wer steckt also hinter Lost A.D.?
Sonja: Gesang - schon immer
Thorben: Gitarre - 16 Jahre – durch Plastikgitarre aus dem Supermarkt und Jugendzentrum
Torsten: Drums - 20 Jahre - Anfang machten Ariel Trommeln
M-J: Bass - 9 Jahren -unerfülltes Geltungsbedürfnis, das sich als Brillenschlange in vielen pubertären Jahren manifestiert ☺
Was könnt Ihr als Einflüsse nennen?
Sonja: Tori Amos,Reimzig,Skin(Skunk Anansie )
Thorben: Slayer, Iron Maiden, Placebo
Torsten: Joy Division, Smashing Pumpkins, and also the trees, Chameleons
M-J: Trio, Extrabreit, The Cure, Radiohead, My Vitriol, Pink Floyd, A perfect circle, Garish, The Smith, The Sundays
In Eurem Bandinfo heißt es ‚Die Band […] schafft es immer wieder, aus den Schubladen auszubrechen, in die sie sich selber steckt.’ Das hört sich interessant an, aber in welche Schublade steckt Ihr Euch und warum brecht Ihr daraus aus? Denn Eure Musik ist eigentlich Indie-Rock und ich konnte auf der vorliegenden Promo keinen Ausbruch aus diesem Genre sehen.
Das ist schön, den selber sind wir nicht immer mit Indie Rock sicher, aber irgendeinem Musikstil möchte (muss) man ja schreiben…
Ist es vielleicht eine unglückliche Entscheidung, an die Presse mit einer Promo zu treten, die anscheinend fünf Songs enthält, die einen Querschnitt Eurer Musik bis heute enthält. Wären nicht fünf frische Songs besser gewesen, die Euren status quo repräsentieren?
Eigentlich nicht; die Promo gibt die Bandbreite wieder, die sich in unserer Musik findet: Anfangs wurde unsere Musik noch von Produzenten als Filmpop bezeichnet. Das haben wir nun eine ganze Weile nicht mehr gehört. Die Musik ist (wie das Leben) härter und stärker geworden; trotzdem gibt es neuere Stücke wie `NEVER` die an diese Tradition anknüpfen. Das sehen wir nicht als Gegensatz, sondern ein Zeichen dafür, dass wir unsere Wurzeln immer noch in uns tragen
Wenn Ihr schreibt ‚Lost A.D. passt nicht in das Schema X der Verlage und Labels – und das ist gut so’, klingt dies so, als würdet Ihr gar nicht anstreben, entdeckt und unter Vertrag genommen zu werden. Die Musik also als reiner Selbstzweck?
Nein, reiner Selbstzweck wäre sicherlich nicht richtig und würde die Absicht verfälschen. Anfängliche Gründe gibt es viele(s.o.), in weiteren Jahren kristallisiert sich dann aber schon ein gemeinsamer Nenner heraus, der kongruent sein muss:
Die Liebe zu einem bestimmten Sound, der Vorliebe für gemeinsames `Herantasten` an Klängen und Ausdruckmöglichkeiten. Und da sind wir schon beim Zwiespalt zum Gedanken von Labels oder Verlagen: Dies sind mehr oder weniger (und somit kürzer) kommerziell ausgerichtete Wirtschaftbetriebe, die halt nur mit der `Ware` Musik handeln. Das ist soweit nicht verwerflich, aber es beinhaltet schon gewisse Konflikte. Auf der einen Seite `marktgerecht` zu produzierten, ohne offensichtlich nur zu duplizieren (was wiederum gerne und zu oft geschieht ) . Kurzum, haben wir nichts gegen Rückenwind seitens dieser Firmen, wollen es aber nicht um jeden Preis. Bis Dato haben wir uns noch um kein Label bemüht.
Wenn Ihr – wie ebenfalls im Bandinfo – erwähnt, TV- und Radioauftritte hattet, warum werbt Ihr damit nicht auf Euer Bandpage. Es wäre doch ein Einfaches, Mitschnitte als Download oder Stream anzubieten.
Auf die Idee sind wir noch gar nicht gekommen….Thanks
Wie seid Ihr damals eigentlich an die Supportrolle für Bands wie Silbermond, Revolverheld und Extrabreit gekommen? Und wie waren die Reaktionen? Ihr scheint mir nicht unbedingt zu diesen Bands und deren Publikum zu passen.
Kommissar Zufall mit ein wenig Glück und Veranstaltern, die nicht nur auf Nummer sicher gehen, bescheren einem doch hin und wieder solche Möglichkeiten.
Das ist klasse, um weitab des Indie Publikums Reaktionen zu bekommen. Lustigerweise ist das Feedback recht interessant und zeigt doch das es auch `Mainstream Hörer` gibt, die noch offen für Neues sind ohne das eine Marketingmaschine es Ihnen zwanghaft eingetrichtert hat.
Im Internet findet man nicht besonders viel über Euch, die verschiedenen Online Magazine scheinen bisher nicht auf Euch aufmerksam geworden zu sein. Verschickt Ihr diesmal zum ersten Mal Promos?
An Online Magazine sind recht wenig gegangen, das stimmt…beginnt jetzt so langsam.
Welche Ziele strebt Ihr musikalisch aber auch in anderen Bereichen zukünftig an?
Unser zweites Album wird Ende des Jahres im Fokus stehen, so dass wir hoffentlich 2008 wieder eine Tour mit 2 Alben im Gepäck machen.
Dann haben wir innerhalb der Band noch ein akustisches Trio mit dem Namen SIDEWAYS, das kostet auch ein wenig Zeit & Anstregung. Naja, und privat sind wir Vier mit Studium, Kinderaufzucht, Schule nachholen und solche unbedeutenden Sachen wie Geldverdienen, um den Motor am laufen zu halten, beschäftigt
Schlechte Kritik bedeutet für Euch…
Heulen bis die Saiten rosten; nein im Ernst, Musik ist immer etwas Subjektives und wird auch entsprechend beurteilt. Da ist schlechte Kritik ok (die Gästeliste wird dann kürzer)
… und gute Kritik bedeutet…
…verstanden fühlen, der Ansporn weiter zu machen, weil man weiß, es gibt da Draußen jemand: für die Welt bist du ein Niemand, aber für jemand ein Teil der Welt (oder so)