Mit Los Campesinos! macht sich die nächste Band auf die Tanzflächen dieser Welt zu erobern. Dabei dürfte es sich aber um ganz spezielle Tanzflächen handeln. Die sieben jungen Waliser und ihre musikalischen Visionen sind nämlich alles andere als für die trendy Elektro-Zappelbude geeignet. Umso besser allerdings für die schnuffige Indiedisco von nebenan. Es bedarf sicher keiner besonderen Erwähnung, dass in UK mal wieder die komplette Journaille Kopf steht und die drei Mädels und vier Jungs über den grünen Klee gelobt werden. Ihre erste EP "Sticking Fingers Into Sockets" ist im Grunde noch gar nicht richtig angelaufen und taufrisch, da wird auch schon mit „Hold On Now, Youngster…“ das Debütalbum vorgelegt.
Was man da auf die Ohren bekommt raubt einem den Atem. Nein, Zeit zum durchatmen lassen einem Los Campesinos! wirklich nicht. Gaspedal durchgetreten und los geht es. Das Album kippt fast über vor lauter Energie. Hyperaktivität bekommt hier eine völlig neue Bedeutung. Manchmal hat man das Gefühl, die einzelnen Bandmitglieder wissen nicht wohin mit ihren ganzen Ideen und Emotionen. Was ist das hier? Lo-Fi? Pop? Rock? Wahlweise mit einem Brit davor? Von allem etwas und trotzdem lässt sich das Gehörte nicht klar einordnen.
Irgendwie hat man immer das Gefühl, die Band müsse schnell nach Hause, weil die Herdplatte oder die Kaffeemaschine noch eingeschaltet ist. Ein hektischeres Album hat man die letzte Zeit kaum gehört. Da bietet der vergleichsweise ruhige Auftakt von „Don´t Tell Me To Do The Math(s)“ eine Ausnahme, bevor in gewohnter Manier wieder durch den Song geprescht wird. Und die ganze Geschichte ist so mitreißend und charmant, dass man hier von schöner Hektik sprechen könnte. Kann Hektik überhaupt schön sein? Wenn nicht, dann haben ab jetzt Los Campesinos! ein Patent da drauf. Überall lauert ein tolle Idee, klingt ein Glöckchen, wechselt das Tempo von schnell zu noch schneller, wechselt sich der Gesang ab, sägen die Gitarren, scheppert das Schlagzeug und alles wird zusammengehalten von einem druckvollen Bassspiel. Und alles wird immer wieder verschönert mit einer zuckersüßen Melodie. Am ehesten hat man Assoziationen zu Art Brut. Allerdings, wenn dieser bezaubernde weibliche Gesang hinzukommt, dann ist man noch eine Spur verzückter. Dann scheint die Sonne doch glatt ein Stückchen heller. „Death To Los Campesinos!" ist eine Paradebeispiel dafür. Indiepopmusik in Perfektion! Ebenso „Broken Heartbeats Sound Like Breakbeats“. Ach, eigentlich könnte man alle Titel aufzählen. Einen der längsten und beklopptesten Songtitel haben sie mit „This Is How You Spell "HAHAHA, We Destroyed The Hopes And Dreams Of A Generation Of Faux-Romantics"“ auch noch im Gepäck. „Drop It Doe Eyes“, „You! Me! Dancing!“ (erinnert zum Teil sogar an The Velvet Underground), „Sweet Dreams, Sweet Cheeks“ - alles Indiepopnummern der schönsten Sorte.
Fazit: Auch wenn man in manchen Momenten den sieben Mitstreitern von Los Campesinos! zurufen möchte „Macht mal langsam“ ist es gerade diese scheinbar unkontrollierte, überbordende Hektik, die einen ganz besonderen und bezaubernden Charme an den Tag legt. „Hold On Now, Youngster…“ verschönert einem den Tag und wer schlechte Laune hat, legt dieses Album auf und am Gewitterhorizont verziehen sich die Wolken. Ob sich zu dieser Musik nur ein Sommer tanzen lässt, wird die Zeit zeigen, ebenso, ob sich das überhaupt ein zweites Mal wiederholen lässt und wie schnell sich die Scheibe abnutzt. Einstweilen macht das Dingen aber richtig Spaß! Eine Bitte hätte ich für die Zukunft doch noch: Liebe Los Campesinos! bitte, behaltet euch diese Unbekümmertheit bei und diese unorthodoxe Art schöne Melodien zu vertonen! Danke, ich verneige mich in Hochachtung!
Eine schöne Microseite inkl. Prelistening, Videos etc
http://v2digital.net/de/loscampesinos
Und Tourdaten:
27.02. Köln - Prime Club
28.02. Berlin - Lido
29.02. München - Atomic Café
01.03. Haldern - Indoor Festival