Mit Lissie macht sich erneut eine dieser jungen und vielversprechenden Sängerinnen auf die Welt musikalisch zu erobern. Lissie wer? Einfach nur Lissie bitte. Geboren wurde sie in Rock Island, Illinois, einer der Quad Cities am Ufer des Mississippi. Schon früh interessierte sie sich nicht nur für Musik, sondern versuchte auch selber welche zu kreieren. Irgendwann schmiss sie dann alles andere hin und konzentrierte sich voll und ganz auf ihre Songs. Mit Band Of Horses-Bassist Bill Reynolds nahm sie im Schnellverfahren eine EP auf und fortan konnte man in den Gazetten von einem neuen Wundermädchen lesen.
Und dieses Wundermädchen ist mittlerweile auch bei uns gelandet. Der Name dürfte weitestgehend unbekannt sein, die Musik hingegen nicht. Genauer gesagt handelt es sich um eine Nummer, die doch recht häufig im Radio zu vernehmen ist. Wer nicht gerade unter einer Glasglocke lebt und in der letzten Zeit zumindest mal an einem Radio vorbeigekommen ist, der wird „When I´m Alone“ mit Sicherheit schon gehört haben. Dieser nette Popsong mit seiner sanften Melancholie und dieser eindringlichen Stimme bleibt hängen – und das nicht im negativen Sinne.
Und wer diesen Track ganz feste in sein Herz geschlossen hat, wird auch am gesamten Album seine helle Freunde haben. „Catching A Tiger“ ist Popmusik im besten Sinne. Dies ist Musik, die einen gewissen künstlerischen Anspruch stellt und sich vom dumpfen Rest der Popschublade abhebt. Lissie weiß zudem auch eine laute Gitarre zu schätzen. In ihrer Stimme schwingt zudem immer eine gewisse Sehnsucht und Melancholie mit und wenn diese dann diese Nachhaltigkeit wie bei „In Sleep“ an den Tag legt, ist es um den Zuhörer geschehen. Das Gitarrensolo zum Schluss der Nummer dürfte dann sogar noch den einen oder anderen Indiehörer links und rechts am Wegesrand einsammeln. Darauf folgt die sanfte Ballade „Bully“, die zwar süßlich und kitschig ist, aber eben auf eine bezaubernde Art und Weise. Und nach hinten raus dröhnen dann doch wieder ein paar Gitarren.
Lissie braucht sich stimmlich sowieso nicht hinter einem Brimborium aus Instrumenten zu verstecken. Man höre bitte den Folksong „Little Lovin´“ und staune – besonders was zum Schluss passiert. Willkommen am Lagerfeuer der Apachen! Da kommt der leichtfüßige Track „Stranger“ genau richtig. Manches erinnert an eine Sheryl Crow zu Beginn ihrer Karriere. „Cuckoo“ ist so ein Fall. Am besten ist Lissie immer dann, wenn ihre Stimme im Vordergrund steht und sich die Musik langsam von hinten anschleicht und dann zu einer Einheit verwoben wird. „Worried About“ wartet zudem mit einigen Taktwechseln auf und versprüht eine gewisse Rauheit. Bei „Look Away“ fühlt man sich wiederum glatt an Stevie Nicks erinnert – es gibt sicher schlechtere Referenzen. Die Klavierballade „Oh Mississippi“ ist eine Hommage und eine Verbeugung und dürfte die Landsleute von Lissie zu Tränen rühren. Für diesen Schmalz muss man aber in Stimmung sein, sonst zieht sich alles in einem zusammen.
Fazit: „Catching A Tiger“ von Lissie ist ein überzeugendes Pop-Album mit Folk- und Indieelementen. In den stillen Momenten zeigt sich zudem, dass man es mit einer tollen Sängerin zu tun hat. Da kann man mal wieder sehen, auch für das Radio gibt es Musik mit Anspruch. Man darf die weitere musikalische Entwicklung von Lissie mit Spannung beobachten. Einstweilen hat sie mit diesem Album ein überzeugendes Debüt abgeliefert!
