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Lil Wayne: Tha Carter III

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 8 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Das sechste Album von Dwayne Michael Carter schlägt jetzt schon alles. Die erste Single daraus ist schon seit Wochen unangefochten die Nr. 1 der US Billboardcharts. „Lollipop“ hat nebenbei zudem noch den ein oder anderen Rekord gebrochen und aufgestellt. Die Nummer ist die meistgespielte HipHop-Single im Radio und konnte schon mehr als 1.000.000 Downloads verkaufen. Das Album zieht mit den Superlativen natürlich nach. Schon vor der Veröffentlichung ist „Tha Carter III“ das meistverkaufte HipHop-Album des Jahres. 1,5 Millionen Vorbestellungen sprechen eine deutliche Sprache. Willkommen also in der Welt des unangefochtenen HipHop-Königs! Willkommen in der Welt von Lil Wayne!

Man muss ja kein großer Prophet sein, dass sich „Tha Carter III“ wie geschnitten Brot verkaufen wird und sämtliche (Verkaufs-)Rekorde in ungeahnte Höhen schwingen wird. Im Vorbeigehen wird der 25-jährige Lil Wayne ganz sicher auch den ein oder anderen Preis abräumen. Und schon jetzt dreht die HipHop-Gemeinde kollektiv am Rad und spricht bei „Tha Carter III“ abermals von einem Meisterwerk und wegweisendem Album. Der Vater des Bling-Bling ist also in jeglicher Hinsicht unantastbar?!

Nein, ist er nicht! Und „Tha Carter III“ hat auch seine Schwächen. Zudem hat das Album einige Längen und ist mit fast annähernd 80 Minuten und 16 Tracks deutlich zu üppig geraten. Das „Problem“ ist bei diesem Genre allerdings auch hinlänglich bekannt. Aber selbstverständlich zeigt Lil Wayne auch auf diesem Album warum er in seiner ganz eigenen Liga spielt. Für den hektischen Opener „3 Peat“ würden andere vermutlich ihre Mutter und Oma gleich zusammen verkaufen. Hi-Hats und Synthies werden auf den Punkt genau eingesetzt und bilden so einen perfekten Gegenpol zur kratzigen Stimme von Lil Wayne. Ausnahmetalent! Ausnahmesong! Mit „A Milli“ findet sich ein weiterer Höhepunkt direkt im ersten Drittel der Scheibe. Spärliche Beats bereiten den Klangteppich für die Stimme von Lil Wayne aus. Im Hintergrund wird dazu per Sample monoton immerzu A Milli wiederholt und fertig ist ein Stück feinster HipHop-Kunst. Dagegen wirken Songs vom Schlage „Got Money“ zusammen mit T-Pain fast etwas zu gewöhnlich und wie am Reißbrett für erfolgreichen Formatradio-HipHop entworfen. „Comfortable“ mit Babyface geht sogar noch eine Spur weiter und ist fast schon etwas schmalzig, passt aber hervorragend ins Konzept der US-Radiostationen. Majestätsbeleidigung? Nein, denn zu was Lil Wayne abseits sämtlicher Konventionen in der Lage ist, stellt er erneut eindrucksvoll bei „Dr. Carter“ unter Beweis. Hier wird der HipHop wieder zurück ins Leben geholt. Genial! Ebenfalls herausragend ist „Tie My Hands“ geraten. Dezentes Gitarrenspiel wird von einer elegischen Orgel aufgebrochen und mit einer schönen Gesanglinie veredelt. Als krasser Gegenpol dazu stehen die Raps von Lil Wayne, die der Nummer die richtige Würze verleihen.

Wo die Gitarre gerade umgeschnallt war, darf sie auch gleich bei „Mrs. Officer“ mitmischen. Schön, dass dem Album auch in der zweiten Hälfte die Luft nicht ausgeht. „Shoot Me Down“ dürfte so ziemlich zu den besten HipHop Tracks des Jahres zählen. Lil Wayne zeigt sich hier in absoluter Höchstform. Die Kickdrum rumpelt in schönster Manier und die geliebte Gitarre darf Lil Wayne ebenfalls bedienen. „Lollipop“ ist zwar immens erfolgreich, aber nicht unbedingt wie für das Radio geschaffen, hat die Nummer doch auch einige sperrige Momente und Ecken und Kanten zu bieten. „LaLa“ mit Brisco und Busta Rhymes schlägt ebenfalls in diese Kerbe, bevor „Playing With Fire“ selbst Rockfans begeistern wird. „Dontgetit“ schmalzt zum Albumschluss etwas außergewöhnlich die Boxen zu – die Nummer kennt so ähnlich allerdings jeder, von daher dürfte das eine sichere Bank sein.

Fazit: „Tha Carter III“ ist das meisterwartete HipHop-Album des Jahres und dürfte (fast) keinen enttäuschen. Lil Wayne spielt mit seinen 25 Jahren schon jetzt in einer ganz eigenen Liga. Die Scheibe lässt Genrekollegen zum Teil ganz alt aussehen, weil diese eben doch sehr sperrig und kantig ist und sich somit ganz deutlich aus der Masse abhebt. Wäre das Teil um vier bis fünf Songs kürzer ausgefallen, könnte man sogar von einem Meisterwerk sprechen. Es sei an dieser Stelle übrigens die Deluxe Edition empfohlen, die noch die beeindruckende „Leak EP“ mit seinen fünf Songs beinhaltet.

http://www.musicane.com/splash/main/Lil+Wayne/Tha+Carter+III

 

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