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Leonard Cohen: Live In London (DVD) Tipp
(Sony BMG)


Autor: schlimm / Wertung: 12 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Leonard Cohen ist ein Naturereignis. Dies wird insbesondere durch die wunderbare DVD “Live In London” sichtbar. Selbst – man mag es kaum glauben, aber es soll sie irgendwo da draußen geben – wer mit der Lyrik des großen Poeten nichts anfangen kann, wem diese wundervollen Songs zu sperrig, düster und depressiv sind, wer die Lieder der Prägung Cohen eher dem Minnegesang zuordnet, denn der Moderne, ja selbst diese Menschen werden von dem vorliegenden Silberling beeindruckt sein und vom Inhalt gefesselt.

Die Bühne ist perfekt ausgeleuchtet, das Publikum lauscht andächtig, die Band ist perfekt aufeinander abgestimmt, die Backgroundsängerinnen überzeugend, die Muse Sharon Robinson bezaubernd, wie eh und je, aber unumstrittener Star und Mittelpunkt der knapp 2 ½ Stunden ist Leonard Cohen. Der Mann versprüht ein Charisma, dass man sprachlos auf der Couch sitzt. Auch mit über siebzig Jahren hat seine sonore Bassstimme nichts an Faszination verloren. Beeindruckend!

Fast demütig steht der große Dichter dort vor dem Publikum – vor seinem Publikum. Nach den einzelnen Songs nimmt er dann auch schon mal seinen Hut ab und verbeugt sich mit einem Lächeln. Ansonsten agiert er oftmals mit geschlossenen Augen und kleinen Gesten. Die kleinen Gesten sind es auch, die den Unterschied machen. Den Unterschied zu anderen Künstlern, die mit einer üppigen und aufwändigen Show versuchen von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Das Publikum wird so von Anfang an in den Bann des großen Singer und Songwriters gezogen.

Filmisch ist die DVD übrigens ein Genuss. Schnelle Schnitte braucht es auch nicht. Langsame Kamerafahrten fangen jedes noch so kleine Detail ein. Zum Schluss des Konzertes kennt man jede Furche im Gesicht von Cohen, ja gar jedes Staubkorn auf der Bühne. Selten genug wird ein Konzert derart intim von der Kamera eingefangen. Auch den Musikern und der Band wird genügend Raum zur Entfaltung gelassen. Cohen rückt dann zurück ins zweite Glied. Die Kamera verharrt dann auf den übrigen Musikern.

Überhaupt die Musiker: Ein Lautensolo zählt ja nicht unbedingt zum Standardrepertoire eines – im weitesten Sinne – Rockkonzerts. Hier schon! Auch eine Klarinette gehört zur Ausrüstung. Andere Blasinstrumente oder eine Orgel sind eigentlich unnötig zu erwähnen. Zwischen den einzelnen Songs spricht Cohen fast, als wenn er Gedichte vortragen würde. Den nötigen Biss und seine bekannte Ironie lässt er dabei natürlich nicht vermissen. An Songs gibt es einen Querschnitt durch seine gesamte Karriere zu hören. „Suzanne“, Tower Of Songs“, Hallelujah“ oder „Dance Me To The End Of Love“ gehen einfach zu Herzen und berühren den Zuhörer ganz, ganz tief im Inneren. Dies schaffen nicht viele Songs und Künstler!

Fazit: Songauswahl, Bandperformance, Schnitt, Kamera, Backingsängerinnen, Dramaturgie der Show, Bühnenbild und Leonard Cohen verdienen nur eine Wertung: die Höchstwertung. „Leonard Cohen: Live in London“ bekommt Hier und Jetzt das Prädikat besonders wertvoll!

http://www.leonardcohen.com

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