Der große Vorteil der Arbeit eines Musikredakteurs ist es, dass man immer wieder mit Musik in Berührung kommt, die man sonst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie kennen gelernt hätte. Von einer philosophischen Betrachtungsweise her mag man jetzt sagen, man wird ja kaum etwas vermissen, das man nie gekannt hat, was sicherlich richtig ist. Aber dennoch sind diese unerwarteten Begegnungen oft die zusätzliche Würze im Leben, die den Unterscheid macht.
Warum mir gerade jetzt diese Gedanken kommen? Weil ich gerade gebannt und voller Bewunderung dem dritten Werk der kanadischen Folk-Formation Le Vent du Nord lausche. Mit „Dans les Airs“ trifft das Quartett aus Quebec genau meinen musikalischen Nerv und erfreut mich schon den ganzen Nachmittag mit purer Lebensfreude. Sogar die süßen melancholischen Momente der Platte erfüllen einen immer noch mit einem warmen Gefühl der Geborgenheit. Die Interpretationen kanadischer Traditionals und auch die Eigenkompositionen sind durch die Bank in sich stimmig und brillieren durch das gekonnte Zusammenspiel zwischen Violine, Hurdy-Gurdy und mehrstimmigem Gesang, der ausschließlich in französischer Sprache vorgetragen wird, was dem Ganzen einen zusätzlichen Exotenbonus bringt, da man in unseren Breitengraden in der Musik ja überwiegend mit englischer Sprache konfrontiert wird.
Fazit: Schade, dass ich offensichtlich schon zwei Platten von Le Vent du Nord verpasst habe, was mir aber in Zukunft nach so einem starken und gefühlvollen Album wie „Dans les Airs“ nicht mehr passieren wird. Mögen günstige Winde meine hierfür vergebenen 10 Punkte über den großen Teich nach Kanada tragen!
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