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LauschRausch: Das Lovecraft Label

Autor: DJ / Kommentare: Bisher keine

Das Label LauschRausch bringt nach Berge des Wahnsinns nun die zweite Lovecraft Vertonung auf den Markt. Und tritt mit ihrer Version des Charles Dexter Ward in direkte Konkurrenz zum etablierten Label Titania Medien, die nur kurze Zeit später in der Reihe Gruselkabinett H.P. Lovecrafts Zauberlehrling Versionen ebenfalls einen Platz einräumen. Da beide Interpretationen doch überraschend unterschiedlich ausfallen, lohnt sich für wahre Fans auch der zweifache Griff in die Geldbörse. Wieso, weshalb, warum und was es sonst noch Neues im Hause LauschRausch gibt und geben wird beantwortete Gerd Naumann.

Warum haben Sie sich gerade für die Erzählung ‚Der Fall Charles Dexter Ward’ entschieden und nicht für eine andere Erzählung von H.P. Lovecraft?

„Dexter Ward“ hat uns am meisten interessiert! Vor allem, weil man hier ganz bewusst mit den akkustischen Mitteln spielen konnte. Mit Featureelementen, Dialogen und gelesenen Passagen wollten wir den Aufbau der Erzählung in Hörspielform übertragen.

Welchen persönlichen Bezug haben Sie zu Lovecraft?

Ich habe die meisten seiner Geschichten gelesen und mich etwas näher mit seiner Biographie beschäftigt. Das Werk ist einzigartig. Ob er ein zufriedener Mensch war? Sicher bin ich mir da nicht. HPL war ein ziemlicher Einzelgänger, wofür ich aber Verständnis habe. Es wäre ihm zu wünschen gewesen, wenn er den jetzigen Ruhm noch zu Lebzeiten erlebt hätte.

Mit welchen Problemen sieht man sich konfrontiert, wenn man eine Geschichte von Lovecraft vertont? Die Originalerzählung ist recht dialogschwach ist und daher für ein Hörspiel doch eher ungeeignet. Außerdem fällt es bei Lovecraft natürlich schwer, seine Darstellung des Grauens zu vertonen, stellt er es ja immer als unbeschreiblich dar.

Das Grauen kommt bei HPL durch die Beschreibungen und ständigen Wiederholungen eigentlich banaler Dinge. Diesen Eindruck haben wir bei den BERGEN und auch bei DEXTER beizubehalten versucht, wenn sich auch beide Hörspiele unterscheiden. In den Dialogen ging es mir darum, zum einen den literarischen Charakter zu wahren und zum anderen den Kontext der Geschichten zu erweitern. So gibt es beispielsweise im DEXTER einige zusätzliche Informationen über Alchemie, die nicht in der Vorlage stehen. Die Dialoge müssen auch „Spielcharakter“ haben, also nicht nur erklären. Aus dem Trivialen muss sich Atmosphäre und Spannung ergeben. Diese „realen“ Dialoge in Einklang mit der absurden Geschichte zu bringen ist die Herausforderung.

Was mir sehr gut gefallen hat, war vor Allem die gelungene Umsetzung der Atmosphäre. Einen nicht unerheblichen Beitrag hat die musikalische Untermalung durch den Kontrabass dazu beigetragen. Ein zufälliger Glücksgriff?

Nein. Wir kennen uns schon ziemlich lange. Da lag es eigentlich nur nahe, etwas Gemeinsames zu machen. Musikalisch wussten wir schon vorher, was wir wollen!

In Ihrer Hörspielfassung spielt der Inspektor eine deutlich größere Rolle als im Original, wo er nur einmal in einem Zeitungsausschnitt beiläufig erwähnt wird. Warum haben Sie seine Rolle ausgebaut?

Der Inspektor war ein Zugang zum Stück, durch den ich mir die Zusammenhänge erst begreiflich machen konnte. Dieses forschende, abwägende und schließlich enthüllende ist ein Mittel, um den Hörer von Anfang an mit einzubeziehen. Der junge Dexter Ward und der Hexenmeister Curwen brauchten ein rationales Gegenstück, dass Ordnung in´s Geschehen bringt. Ausserdem bringt er an manchen Stellen eine gewisse Entspannung in die Geschichte.

Wie bereitet man die Sprecher auf ein solches Hörspiel vor?

Das ist gar nicht schwierig. Es wird etwas geprobt und dann sitzt es meistens!

Bei den Sprechern setzen Sie auf eine Mischung aus alten Hasen / Profis und Laien / Semi-Professionelle. Dies fällt manchmal leider auch etwas negativ auf. Wäre es nicht einfacher und dem Hörspiel dienlicher, wenn man vielleicht bei dem Hörspiele auf die eine oder andere Stimme verzichtet und dafür nur Profis einsetzt?

Die Sprecherauswahl war ganz bewusst. Gerade weil schauspielerische Leistungen heute mehr denn je mit klinischer, technisch möglichst perfekter Aussprache gleichgesetzt werden, wollten wir in manchen kleinerer Rollen auch mal einen „naiveren“ Beitrag. Sozusagen als Kontrapunkt. Das haben wir bei zwei/drei sehr kleinen Rollen, mit jeweils nur wenigen Worten probiert. Es war ein Experiment! Hier war uns der Klangeindruck, auch im Wechsel der Stimmen, wichtig. Bei kommenden Hörspielen wird es solche „Experimente“ wohl eher nicht geben.

Mit ‚Der Fall Charles Dexter Ward’ vertont LauschRausch nun schon die zweite Lovecraft Erzählung. Welchen Autoren und Geschichten will sich das Label in Zukunft widmen?

Sicherlich gibt es einen weiteren Lovecraft. Ausserdem brüten wir über der Idee einer kleinen Hörspielreihe.

Beinahe zeitgleich zu Ihrem ‚Ward’ veröffentlicht das Label ‚Titania Medien’ ebenfalls eine Vertonung. Ist dies unglücklich, auch wenn sich beide Fassungen voneinander unterscheiden? Und kennen Sie die Titania Medien Vertonung?

Jede der Fassungen findet ihre Hörer, denn wir haben einen unterschiedlichen Ansatz. Die Titania-Version kenne ich noch nicht. Ich denke aber, dass sie den Standard der Gruselkabinett-Reihe haben wird.

Brian Lumley baut in seiner Vampir-Saga ‚Necroscope’ die neunte Folge ‚Wechselbalg’ auf die Geschichte ‚Charles Dexter Ward’ auf und beleuchtet dort die Geschehnisse im Schloß Ferenczy. Kennen Sie die Erzählung?

Leider noch nicht. Ich werde sie mir jetzt aber besorgen! Zu den Vorgängen im Schloss Ferenczy könnte man wirklich spannende Dinge erzählen…

Wäre ‚Der Fall Charles Dexter Ward’ verfilmbar?

Ja, wenn man Film abseits gängiger Erzählformen eine Chance gibt. Das Ergebnis würde dann wohl als „Arthouse“ bezeichnet werden. Der Film würde dann sicherlich wie eine Mischung aus Argentos „Inferno“, Georg Tressler „Sukkubus“ und Arrabals „Viva La Muerte“ wirken.

In der Geschichte erweckt Joseph Curven die Toten, um Ihnen Ihre Geheimnisse zu entlocken? Welchen Toten würden Sie gerne einmal zu einem Plausch erwecken?

Meine beiden Großväter! Beide hätte ich gerne näher kennen gelernt, aber sie sind leider zu früh verstorben.

LauschRausch hat bisher bei seinen Hörspielen auch immer auf eine besonders aufgeprägte und kongeniale Verpackung geachtet. Ist dies Ihr Rezept, um derMP3 Piraterie entgegenzuwirken?

Wir sind überzeugt, dass man als Käufer auch „was in der Hand halten“ muss. Die graphische Gestaltung und das Booklet sind uns wichtig. Das ist eine Wertschätzung dem Kunden gegenüber.

Wird man sich zukünftig auch weiterhin ausschließlich auf das Genre Grusel und phantastische Literatur konzentrieren?

Im weitesten Sinne ja. Da die Grenzen der Phantastik immer offen für Neues sind, wird es auch artverwandtes geben.

Zum Abschluss: Welches Hörspiel / Hörbuch haben Sie zuletzt gehört und welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Zuletzt gelesen habe ich die Herbert-Fux-Biographie „Wiederkehr und Abschied“. Ein sehr empfehlenswertes Buch von einem unbequemen Künstler und Politiker, der leider schon verstorben ist. Gehört habe ich unter anderem die neue Gabriel Burns-Folge, die wieder eine dichte Atmosphäre hatte. Ausserdem wieder mal die Sherlock Holmes-Hörspiele mit Peter Pasetti – immer wieder ein Genuss. Phantastische Sprecher, schöne Musik und viel Ironie!

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