Rezensionen

Kurzarbeit: Schnüffler (2)

(Hörfabrik)

Autor: DJ / Wertung: 8.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Kurzarbeit - Schnüffler (2)Dies ist kein Hörbuch über Unterwäsche-Fanatiker, sondern behandelt in drei Episoden die zum metaphorisch gebrauchten Schnüffeln Berufenen: Hobby-Kriminologen und Auftragsdetektive. In drei kurzen Geschichten wird dabei ein ereignisreicher Tag der Spürnasen beschrieben. Mal mit geglücktem Ausgang, mal mit schicksalhaftem Ende.

Den Anfang macht die Geschichte Der Streuner. In der Tradition einer Rita Mae Brown oder eines Akif Pirincci lässt Autor Ulrich Hellenbrand vier Pfoten und eine feuchte Nase einen Mord aufklären. So pfiffig wie seine Katzenkollegen ist der Streuner zwar nicht, aber die aus der Perspektive eines Straßenköters geschilderte Erzählung weiß nicht zuletzt dank der tierischen Performance von Oliver Theile gut zu unterhalten. Dauerregen, Donnern und Grollen tragen ihr übriges zu einer atmosphärischen Lesung bei. Auch wenn die Geschichte unrealistisch ist: Es weiß doch jeder, dass Hunde zu dumm sind, um selber kacken zu gehen!

Die zweite Geschichte Matschek – Castrop sehen und vielleicht sterben ist ein Spin-Off der A.D.F. Serie und verleiht der Nebenfigur Matschek Beine. Regiert wird die Erzählung dabei von der Ruhrpottschnauze seines Protagonisten und Zoten am Fließband. Vor lauter Dauerkalauer in Gaby Köster-Manier verpennt der Hörer aber leicht die tatsächliche Erzählung. Dort wird allerdings auch nicht viel geboten. Graf Bobby, eine Werbeikone ist verschwunden, Graf Bobby wird gesucht und Graf Bobby wird gefunden. Ähnlich aufregend wie die neusten Drei ???-Folgen. Teil amüsant, teils nervenaufreibend. Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber Erzähler Markus Fliedner muss man schon Tribut zollen, dass er soviel dummes Zeug ohne bleibende Schäden von sich geben konnte.

Bei der letzten Darbietung hatte Thorsten Pahlke sicherlich einen verdammt schlechten Tag – sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen. So sehr ich den werten Kollegen auch schätze, die Erzählung kann zu keiner Zeit überzeugen. Hier wird ein Klischee nach dem anderen bedient, Anfang und Ende wollen so gar nicht zusammen passen und der Schluss ist schlicht platt. Wirkt auf mich eher wie eine Kurgeschichte, die der Autor irgendwann einmal geschrieben und dann schnell in eine Kiste fallen gelassen hat. Und mit dem Bewusstsein der schwachen Qualität wird das überraschungsarme Script auch gelesen: schnell und unbetont.

Der Gesamteindruck der zweiten Kurzarbeit-CD ist etwas durchwachsen, Resultat der schwankenden Qualität der Geschichten. Dafür gefällt mir das Engagement, mit dem an die Sache herangegangen wird. Wo die großen Label kneifen, packt die Hörfabrik die Kuh beim Euter. Eine Lesung wird nicht einfach nur heruntergebetet, sondern man bedient sich auch dem einen oder anderen stimmungserzeugenden Effekt. Das ist sicherlich der Pluspunkt, der bei der Bewertung den Daumen in die erfreuliche Richtung dreht. Beim nächsten Mal sollte man aber schauen, dass die Geschichten ein kompaktes Bild abgeben.

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