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Klaus Taubert: Generation Fußnote (Bekenntnisse eines Opportunisten) Tipp

(Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

Autor: schlimm / Wertung: 11 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Mittlerweile wird die Welle der Ostalgie fast schon zu einer kleinen Sturmflut. Die ehemalige DDR hat sich zu einem veritablen Produkt entwickelt. Eine Kuh, die gerne gemolken wird. Die Kinos und das Fernsehen wird mit recht vielen Filmen, die dieses Thema behandeln, nicht selten mit einem komödiantischen Ansatz, regelrecht überschwemmt. Bei bekannten Auktionshäusern verkaufen sich Ostprodukte wie geschnitten Brot und Nostalgiker singen schon wieder das hohe Lied auf den ehemaligen Arbeiter und Bauern Staat. Bisweilen mutet das schon alles sehr befremdlich an, da mittlerweile auch die Generation mitmischt, die dieses Kapitel deutscher Geschichte nur noch vom Hörensagen kennt. Klaus Taubert hat dieses Kapitel nicht nur hautnah miterlebt, sondern als Journalist ein kleines Stückchen auch mitgestaltet, zumindest was die Nachrichtenverbreitung betrifft. In der DDR Journalist zu sein hieß, im Sinne von Staat und Partei zu berichten. Manch ein Kulturschaffender glaubte bis zum Schluss selbst an die hehren Ziele, die in Wahrheit nichts mehr mit der Realität gemein hatten, viele andere bedienten opportun die Anforderungen der Partei, um in den Genuss von Privilegien zu gelangen, die anderswo wie selbstverständlich zum Alltag gehörten.

Geboren wurde Klaus Taubert 1940 in der Nähe von Erfurt. Mit 16 Jahren konnte er sich schon als Facharbeiter für organische Grundstoffchemie auszeichnen. Es folgten Anstellungen als Zugfunksprecher, Betriebsfunk- und Betriebszeitungsredakteur und schließlich mit 22 Jahren jüngster Chefredakteur einer Kreiszeitung. Eine Bilderbuchkarriere, die dann ihren Höhepunkt beim Allgemein Deutschen Nachrichtendienst (ADN), der staatlichen Nachrichtenagentur der DDR, fand. Er wurde dort zum Nachrichtenchef, stellvertretenden Chefredakteur und war ganz nah dran, an Honecker und dessen Hofstaat. Der Mann weiß also wovon er spricht respektive schreibt. Derzeit arbeitet er übrigens an heiteren und satirischen Erzählungen und Geschichten für Kinder und Erwachsene.

Diese Tätigkeiten merkt man auch „Generation Fußnote“ an. Taubert bereitet die ganze Geschichte mit einer großen Portion Humor auf. Oftmals hat man als Leser das Gefühl, dass er eine fiktive Geschichte satirisch erzählt. Er bedient sich dabei eines zynischen bis hin zum sarkastischen Untertons. Vermeintliche Lacher sind dabei garantiert. Bis man ein ums andere Mal wieder merkt, dass hier ist ja alles wirklich passiert. Manche Dinge und Erzählungen muten so unwirklich an, dass man sie kaum glauben kann und mag und eben als Satire verbucht. Tja, Willkommen in der Vergangenheit von Klaus Taubert. Dort waren diese Erlebnisse bittere Realität.

„Generation Fußnote“ ist im Grunde eine Art Biografie. Diese beschränkt sich allerdings auf die Arbeitswelt von Klaus Taubert. Die Dinge, die er in seinem Berufsalltag erlebt hat und die er hier zum Teil niederschreibt muten wie die Erzählungen eines Abenteuerromans an. Diese beginnen beim Schulalltag und enden mit dem Fall der Mauer. Der Journalist erzählt hier seinen Aufstieg und wie er als Bindeglied zwischen Partei und Volk fungierte und am gewünschten Bild des sogenannten real existierenden Sozialismus mitstrickte. Opportunismus bestimmte seinen Alltag. Er beschönigt hier nichts und beschreibt seine Rolle, die er als Rädchen in diesem System spielte schonungslos. Der ironische Unterton ist dabei immer präsent.

Taubert war wohl weniger als Journalist anzusehen, sondern vielmehr als Redenschreiber und Hellseher. Die Berichte über vermeintliche noch ausstehende Ereignisse waren vorher schon immer längst geschrieben und von der Partei abgesegnet worden. Freilich, gewusst hat man das schon immer, bisher hat dies allerdings noch keiner mit einer solchen Eloquenz geschildert. Daneben kommt Taubert aber auch immer wieder auf alltägliche Dinge der ehemaligen DDR zu sprechen – vom Autokauf bis hin zum Versandhandel. Diese zahlreichen Anekdoten bereichern das Buch zusätzlich. Zum Schluss rundet eine kurze Chronik der DDR in Zeittafeln das Werk ab.

Fazit: Auch wenn sich „Generation Fußnote“ mit Bürokratie beschäftigt, ist das Buch alles andere als dröge und trocken. Das Thema ist für Nichteingeweihte sowieso ein gefundenes Fressen und ein Blick hinter die Kulissen. Die Schilderungen von Taubert beschönigen nichts. Er schont dabei weder sich selber noch sein, wie er es nennt, vorletztes Vaterland. Hier wird ein kleiner Teil deutscher Geschichte großartig aufbereitet und erzählt. Der Sprachstil und das Einflechten ironischer, zynischer und sarkastischer Elemente, ohne dabei lächerlich zu wirken, ist schon eine ganz große Schreibkunst, die Taubert anscheinend aus dem Effeff beherrscht und dem Leser so viele, viele schöne Stunden bereitet. Das Gesamtwerk darf somit gerne als eine Sternstunde deutscher Sachliteratur angesehen werden. Spannend zu sehen,  wer nun alles aus den Löchern gekrochen kommt und dabei mit dem Finger auf Taubert zeigt. Geschenkt! Was dieses Buch betrifft braucht sich der Autor jedenfalls nichts vorwerfen zu lassen. Klaus Taubert bietet in seiner Offenheit einen Blick hinter die Kulissen eines Systems, den wir so bisher noch nicht kannten. Im Grunde ein unverzichtbares und wichtiges, wie auch streitbares Werk über ein Stück deutsche Geschichte, welches im keinem Haushalt fehlen sollte.

www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

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