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Klaus Lage: Beste Lage Tipp

(EMI)

Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Klaus Lage ist im deutschen Rock- und Popgeschäft eine Institution und als selbige einfach nicht wegzudenken. Er steht zwar nicht mehr ganz so im Fokus der breiten Öffentlichkeit, wie es noch in den immens erfolgreichen 80ern der Fall war, aber das macht nix. Ihm selber kommt das vermutlich sehr gelegen, kann er sich doch so voll und ganz auf die wesentlichen Dinge konzentrieren – die Musik. Klaus Lage war immer einer, der die Dinge auch gerne aus der Distanz mit einem Augenzwinkern betrachtet hat und dem jeglicher Anflug von Starallüren fern scheint. Kollegen, die mit ihm in den deutschen Musikolymp aufgestiegen sind, haben längst die Bodenhaftung verloren. Lage erscheint immer sehr geerdet und ist eben nicht der Prototyp eines Stars, sondern gibt ein authentisches, bisweilen hemdsärmliges Bild ab. Lage ist eben erfrischend anders und muss mit 58 Jahren und fast 30 Jahren im Musikzirkus nichts mehr beweisen.

Wie viele Alben es unter dem Banner Klaus Lage gibt, weiß er vermutlich nicht mal selber. Halblegale und legale Zusammenstellungen gibt es jedenfalls viele. Mit „Beste Lage“ folgt nun die nächste Werkschau. Braucht man die? Man braucht! Der gelernte Kaufmann, Erzieher und Sozialarbeiter hat die Doppel-CD nämlich selber zusammengestellt, wie er im Vorwort des Booklets noch mal verdeutlicht. Wo wir gerade dabei sind. Das hätte ruhig noch etwas informativer ausfallen dürfen und ein paar mehr Bilder der einzelnen Karriereabschnitte hätten auch nicht geschadet. Schade, da hätte diese gute Zusammenstellung besseres verdient gehabt!

Musikalisch überzeugt die ganze Kiste dafür umso mehr. Insgesamt verteilen sich 38 Songs auf die beiden CDs! Und egal welcher Karriereabschnitt abgehandelt wird, der Mann, seine Musik und seine Texte sind auch heute noch relevant. Auch wenn man einzelne Nummern ihrem Entstehungsjahrzehnt zuordnen kann, klingt das Gehörte doch nicht nach den furchtbaren 80ern, sondern nach dem guten Teil dieses eher zweifelhaften Jahrzehnts. Letztendlich erscheint Klaus Lage und seine Musik zeitlos.

Eröffnet wird der Songreigen mit einem seiner ganz großen Hits. Erschreckend, dass „Monopoli“ aus der Feder von Wolf Maahn auch heute noch so aktuell ist. Inhaltlich erscheint der Song relevanter denn je. Musikalisch hat er auch nach 24 Jahren nichts an seiner Stahlkraft verloren. „1000 und 1 Nacht“ steht dem sicher in nichts nach und wird auch heute noch auf vielen Partys zu später Stunde ausgepackt. Trotzdem ist das nicht ein stumpfer und letztlich dummer Partykracher, sondern musikalisch und textlich viel sensibler. Ein weiterer Held in den 80ern war zweifelsohne der Ruhrpottbulle Schimanski. Die Verbindung Lage und Schimanski passt sowieso perfekt und so wurde „Faust Auf Faust“ auch der Titelsong zum ersten Kinofilm und lies Lage noch erfolgreicher werden.

Was bei Lage aufgrund seiner hemdsärmligen Rockerattitüde gerne vergessen wird ist seine sensible Seite. Der Mann hat auch immer die großen und kleinen Dinge des Alltags und zwischenmenschlicher Beziehungen vertont und aufgenommen. Klaus Lage erwies sich dabei oftmals als der stille Beobachter des menschlichen Alltags. Musikalisch schlug er dazu ruhigere Töne an. „Die Liebe bleibt“, „Mit Meinen Augen“ oder „Komm Halt Mich Fest“ wirken verkitsch, sind aber alles andere als das. Ein anrührendes Stück „Nie Wieder Kind“ trifft im Grunde den Nagel auf den Kopf und vielleicht sollte sich manch ein Erwachsener die Nummer öfters anhören.

Übrigens wird bei „Beste Lage“ nicht chronologisch vorgegangen, sondern darauf geachtet, dass sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. So findet sich auch auf CD2 eine bunte Mischung seines Schaffens wieder. Darunter befinden sich mit „Lila Kuh“ und „Krempel“ auch zwei neue Songs. Ersterer klingt fast wie eine Pianobarnummer. Bluesig geht es dafür bei dem zweiten neuen Stück zu. Die musikalische Umsetzung ist ebenso gelungen, wie die inhaltliche. Lage erweist sich hier erneut als feiner Alltagsbeobachter. Das Spätwerk kann sowieso überzeugen. „50“, eine Mischung aus Blues und Jazz ist einfach nur großartig umgesetzt. Aber auch so eine schlagereske Schnulze aus den 90ern, wie das Duett mit Irene Grandi „Weil Du Anders Bist“ funktioniert in der richtigen Stimmung hervorragend. Für Klaus Lage muss man aber sowieso in Stimmung sein, von daher passt das schon. Zudem folgt darauf der musikalische Hochgenuss „Wie Ein Stein“.

Dass Klaus Lage ein formidabler Sänger ist, beweisen gerade die hier enthaltenen Livestücke. Bei „Halt Aus“ hat man Pipi in den Augen und die Acapella-Version von „Mercedes Benz“ (die Janis Joplin Nummer dürfte ja bekannt sein) zeigt ebenfalls die gesangliche Extraklasse. Mit „Bukowski“ und „Fang Neu An“ ist auch das Frühwerk der 80er auf Scheibe zwei enthalten.

Fazit: „Beste Lage“ lässt von der Songauswahl wohl keine Wünsche offen. Natürlich sind hier alle großen Hits versammelt. Die heimlichen Höhepunkte sind aber genau die Songs, die nicht so bekannt sind. Außerdem zeigt diese Doppel-CD auf beeindruckende Art und Weise, dass Klaus Lage zu jeder Zeit seiner Karriere feinste Musikkost aufgenommen und dem geneigten Zuhörer serviert hat. Wer die Karriere von Lage bis heute verfolgt hat, dem habe ich sicher nicht Neues erzählt, alle anderen sollten jetzt eintauchen in die Welt des Klaus Lage. Umfassender kann man eine „Best Of“ wohl nicht gestalten! Dies kann man nur mit 10 Punkte bewerten, das Booklet fällt dabei wohlweislich unter den Tisch, denn dies ist mehr als dürftig!

http://www.klauslage.de

 

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