Rock´n Roll statt Gartenkralle
„Was, die gibt es auch noch?“ Jawohl!!
Lange ist es her, als Kim Wilde mit Hits wie „Cambodia“, „You keep me hanging on“ oder „Kids in America“ die Charts mit dominierte. Mitte der 90er stieg sie aus dem Musikgeschäft aus, studierte Landschaftsgärtnerei und hatte Anfang dieses Jahrzehnts großeErfolge mit ihrer eigenen Gartensendung in der BBC. Doch Mitte 2006 ist sie dann doch wieder zu ihrer alten Zunft zurückgekehrt und veröffentlichte, ähnlich wie Nena vor ein paar Jahren, ein Album mit Neueinspielungen alter eigener Hits und einigen neuen Songs. Produziert wurde die Platte vom Nena-Keyboarder Uwe Fahrenkrog-Petersen. Leider war das Album nicht annährend so erfolgreich wie das 2002er-Comeback von Nena und dementsprechend wurden für diese Tour auch nur mittelgroße Clubs anstatt der ganz großen Hallen gebucht.
We are Family
14 Jahre nach ihren letzten Konzerten in Deutschland feierte die mittlerweile 46jährige (und wie ich finde für ihr Alter noch wirklich gut aussehende) Londonerin an diesem Abend in Köln ein tolles Comeback mit einem Konzert, an dem man fast nichts zu meckern finden konnte. Auf der zweiten Station ihrer nur vier Städte umfassenden Minitour fanden sich doch einige Interessierte in einer gut gefüllten Live Music Hall ein (an einem Montag und im TV begann heute die 3. Staffel von „Stromberg“).
Um 20.20 Uhr ging es zum Glück ohne Vor-Band los und Frau Wilde setze ihre Ankündigung einer „lauten Rock-Show“ auch umgehend mit dem Opener „Chequered Love“ um. An der Seite ihrer sechsköpfigen Band inkl. ihrer Schwester Roxanne (Backgroundgesang) und ihres Bruders Ricky an der Gitarre fegte die im dezenten schwarz gekleidete Kim sehr agil über die Bühne. Leider brauchte es zwei Lieder bis sowohl ihre Stimme als auch das Publikum Betriebstemperatur erreicht hatten. Ab dem dritten Lied „View from a bridge“ war dann aber das Eis gebrochen und Kim Wilde wurde vom Publikum abgefeiert. Neue Lieder fügten sich prima ins Setlist und so wurden z.B. die aktuelle Single „Perfect Girl“ oder das leicht punkige „Game over“ fast genauso abgefeiert wie alte Klassiker vom Kaliber „Never trust a stranger“ oder „ Four letter word“. Ihre Stimme wurde von Lied zu Lied dynamischer und gipfelte zunächst in einer grandiosen Version von „You keep me hanging on“, was das Publikum mit extrem langem Applaus goutierte. Kim Wilde war sichtlich beeindruckt vom frenetischen Jubel und man konnte meinen, dass er ihr fast ein bisschen peinlich war.
Das zweischneidige Schwert der Coverversionen
Wenn man wie Kim Wilde einige Hits hatte und auf jede Menge Alben zurückgreifen kann, ist es für mich doch verwunderlich, warum sie gleich drei Coverversionen an diesem Abend spielte. Während das englische Nena –Cover „Anyplace, Anywhere, Anytime“ noch Sinn machte, da Kim den Titel vor ein paar Jahren bereits zusammen mit Nena gesungen hatte, ist mir völlig schleierhaft, warum ausgerechnet der aktuelle Snow Patrol-Hit „Chasing Cars“ von ihr dargeboten werden musste. Während ich das Original schon stinklangweilig finde, war die Version von Kim Wilde kaum besser. Außerdem outete sich die Sängerin als großer Depeche Mode-Fan und mit „Enjoy the silence“ präsentierte sie eine nett gemachte und sehr gitarrenorientierte Version des Klassikers. Vielleicht hatte die gute Kim vor der Tour Angst, dass man ihre Lieder nicht mehr kennen würde und hat mal auf Verdacht mit ihrer Band ein paar Coverversionen eingeübt. Wie man aber an den Reaktionen zu den Kim Wilde-Songs merkte, kannte das Publikum sehr wohl noch die alten Nummern und auch unbekannte Uraltnummern wie das mit einer herrlich kitschigen Keyboardmelodie ausgestattete „Tunning in tunning out“ oder auch „Birthday Song“ bewiesen, dass sich Kim Wilde durchaus auf ihr eigenes Material berufen kann. Natürlich durfte auch das wunderschöne „Cambodia“ nicht fehlen, was in einer etwas langsameren und sehr intensiven Version gespielt wurde.
Das Happy End
Als Zugabe gab es zunächst das von vielen Zwischenrufen geforderte „You came” , bevor das wohl unumgängliche „Kids in America” den furiosen Schlusspunkt eines insgesamt gesehen doch äußert stimmungsvollen und kurzweiligen Konzertes bildete. Nach 90 Minuten war Schluss und wer nicht so weit weg wohnte, konnte doch noch „Stromberg“ gucken.
Wer sich diesen Sommer auch einmal die sehr sympathisch wirkenden Kim Wilde auf der Bühne ansehen möchte, kann dies u.a. Anfang Juli im Rahmen des Bospop-Festivals im niederländischen Weert (ca. 45 Minuten von Mönchengladbach entfernt) machen.
Infos unter www.bospop.nl
Homepage Kim Wilde
Fanpage Wilde Life
Das Foto von Kim Wilde wurde mit freundlicher Genehmigung von Uwe Grund zur Verfügung gestellt.