header photo

Sound Base

Online Magazin

Kid Kopphausen: I Tipp!
(Trocadero / Indigo)


Autor: Kerstin Karger / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Wer oder was verbirgt sich eigentlich hinter „Kid Kopphausen“? Namensgeber für die Band sind Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch. Ihr gemeinsames erstes „Baby“ trägt rätselhaft den puristischen Namen „I“ und erscheint am 24. August unter dem Label Trocadero. Ansonsten noch nicht viel Neues, haben sich Musiker gleichen Formats in der Vergangenheit doch schon öfters zusammen getan um gemeinsame Sache zu machen.

Zur Vorgeschichte ist zu sagen, dass Gisbert ursprünglich aus dem Rheingau stammt und es ihn mit seiner Gitarre über Nimwegen (Holland) vor sechs Jahren nach Hamburg verschlug. Nils Koppruch hatte da bereits sein erstes Soloalbum am Start, wurde auf den Neuankömmling aufmerksam und lud ihn in sein Vorprogramm ein. Da beginnt auch die Geschichte der Beiden zu wachsen, kurz: introvertierter Gefühlsdichter meets Großstadtcowboy. Gisbert veröffentlicht zunächst zwei Soloalben, Nils sein Album „Caruso“ und malt nebenbei unter dem Namen SAM Bilder, die ebenso mysteriös und voller Witz sind, wie seine Musik. Knyphausen und Koppruch gingen zusammen auf Tour und entschieden sich für eine erste gemeinsame Single „Die Aussicht / Knochen und Fleisch“. Bald darauf war die Idee für das Quintett geboren und beide Namen flugs auf „Kid Kopphausen“ eingekürzt. Unterstützt wird die Band von Alexander Jezdinsky (Schlagzeug), Felix Weigt (Bass, Klavier) und Marcus Schneider (Gitarre). Als Produzenten haben sie sich Swen Meyer dazu geholt.

13 Songs hat die Band gemeinsam geschrieben und aufgenommen. Interessant ist, dass dabei nicht feststand, wer die Songs einsingt, das wurde quasi ausgelost und manchmal singen auch alle zusammen. So sparsam, wie der Albumtitel ist auch das Cover gehalten, zurückgenommenes Understatement halt. Doch die Texte, die die Fünf zu Papier gebracht haben, sind alles andere als puristisch. Da tut sich geradezu ein kleiner Kosmos auf, eingerahmt in eine harmonisch soundtechnische Textur. Glockenspiel, Banjo und Perkussion kommen ebenso zum Einsatz und an manchen Stellen wird die Band auch von einem Chor unterstützt. Kid Kopphausen in eine Schublade zu stecken ist nahezu unmöglich, irgendwie schwer einzuordnen das Ganze, voller Leben und Fragen und dabei herrlich retro. Schließlich gibt es auch in dieser Welt vieles, über das es sich zu schreiben lohnt, gar irritiert oder uns aus dem Gleichgewicht zu bringen versucht. Die Texte hinterlassen keine eindeutige Spur, wandern von Innen nach Außen, malen Skizzen, erzählen Geschichten. Es sprüht nur so vor schönen sprachlichen Bildern und Metaphern in diesem Werk: „Das Labyrinth in dem ich mich versteckt hab, ist mit den Jahren so hoch gewachsen, dass es meine Sicht verdeckt hat“ oder „In einem Haus voller Lerchen bin ich der schwarze Papagei“ .

Laut geht es auch gleich los mit dem ersten Titel „Hier bin ich“. Ja, da ist er, dieser kleine Kid Kopphausen Kosmos! Er lebt, atmet, überrascht und verwirrt gleichermaßen, verstärkt durch die unterschiedlichen Klangfarben und Stimmen zu den einzelnen Songs. Mal rockt es und die Gitarrenriffs werden stärker, dann wird es wieder leiser („Haus voller Lerchen“) und erzählt mit sanften Melodien eine Geschichte, um sich bald darauf wirbelnd aufzubäumen ( „Schon so lang“).

Produzent Swen Meyer über Kid Kopphausen: „Gelegentlich packt den Menschen der Drang, ein ganz Anderer zu werden. Kid Kopphausen ist eine Gruppe reisender Fährtensucher, Jäger und Fallensteller, die sich aufgemacht haben diese Welt zu erkunden.“ Ein kleiner musikalischer Leckerbissen. Ob nach „I“ auch „II“ folgt, bleibt vorerst offen.

Homepage www.kidkopphausen.de
Facebook: www.facebook.com/KidKopphausen

Hinterlasse eine Antwort

Aktuelle Artikel