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Kent: Tillbaka Till Samtiden Tipp

(Red Ink/Sony BMG)

Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Kent Tillbaka Till SamtidenSo langsam kann man sich wieder auf den Winter einstellen. Die Heizung ist aufgedreht, es wird wieder früher dunkel und Väterchen Frost hat sich auch schon blicken lassen. Zeit also für etwas Melancholie. Zeit sich unter die Decke zu verkriechen und eine schöne Platte aufzulegen und den Gedanken nachzuhängen. Kent kommen da wie gerufen. Jawohl, nicht nur der Winter ist zurück, sondern auch die schwedische Band. Der Winter hat allerdings keine sieben Jahre Pause gemacht, Kent schon. Zumindest was unsere Breitengrade betrifft, das letzte Album, welches hier veröffentlich wurde, hat nämlich nun auch schon geschlagene sieben Jahre auf dem Buckel.

Nach dem englischsprachigen „Hagnesta Hill“ ist die Band nun (endlich - möchte man sagen) zur Muttersprache zurückgekehrt. Die elf Tracks auf „Tillbaka Till Samtiden“ entstanden aber nicht ausschließlich in der Heimat, sondern die Arbeiten führten sie auch nach Paris und nach New York. Unterstützung holten sie sich vom dänischen Produzenten Jon Schumann.

Man möchte bei nächster Gelegenheit die Jungs von Kent mal richtig herzen und drücken. Auf ihrem neuesten Werk gibt es nämlich kein Retro-Wave-Sound und auch kein Schrammel-Pop. Nach eigener Aussage waren sie davon nämlich arg gelangweilt und fanden auch mittlerweile Gitarren öde. Endlich mal wieder eine Band, die etwas wagt!

Wer denkt, „Tillbaka Till Samtiden“ scheitert aufgrund der Sprachbarriere, der irrt gewaltig. Eher das Gegenteil ist der Fall! Die Muttersprache von Kent ist erst das Salz in der Suppe. Die elf Songs strahlen eine ganz besondere Atmosphäre aus. Mit punktuell eingesetzten Elektronikspielereien wird hier allerfeinste Popmusik veredelt. Am ehesten erinnert die ganze Geschichte an die ebenfalls großartigen Sigur Rós. Feinste Melancholie wird hier in einem sehr warmherzigen Soundgewand präsentiert. Hinzu kommt der besonders schöne Nebeneffekt, dass die Scheibe mit jedem Durchlauf wächst und sich dem Hörer immer neue Facetten offenbaren. Hier und da wird sogar der ein oder andere Disco-Beat eingestreut, aber alles ganz dezent, ohne dass es in eine Stumpfheit abdriftet, New Order kommen einem da in den Sinn. Jeder einzelne Song besticht durch eine unglaublich Melodik und eine ganz besonders intime, wie auch intensive Atmosphäre. Hier gibt es fast eine eingebaute Gänsehautgarantie. „Elefanter“, „Ingenting“, „Sömnen“ oder das wunderschöne „Våga Vara Rädd“, welchen Track soll man nennen, wenn doch alles herausragt? Hinzu kommt, dass die Scheibe wie aus einem Guss ist und man da keinen einzelnen Track hervorheben sollte und kann!

Fazit: Mit „Tillbaka Till Samtiden“ haben Kent erneut eine ganz außergewöhnliche Scheibe abgeliefert, die aus dem Musikeinerlei herausragt. Wo sonst gibt es so tanzbare Melancholie, mit ganz viel Atmosphäre, die dem Zuhörer einen wohligen Schauer auf die Haut zaubert, trotzdem ganz große Kunst bietet ohne künstlich zu wirken? Eben, dürfte selten der Fall sein! Schön, dass Kent nun auch wieder bei uns präsent sind und wie man munkelt, steht auch bald eine Tour bei uns an! Sieben lange Jahre ist es ja nun auch schon her, dass die Band außerhalb von Skandinavien getourt ist. Bis dahin wird „Tillbaka Till Samtiden“ noch so manche Runde im CD-Spieler rotieren.

www.kentmusic.de

 

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