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Kenna: Make Sure They See My Face Tipp

(Interscope/Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Der aus Äthiopien stammende Kenna hat mit „Make Sure They See My Face“ nun ein beachtliches zweites Album aufgenommen. Der Mann, der in Virginia Beach und Cincinnati aufgewachsen ist, nennt als Einflüsse und erste Berührungspunkte mit Musik, die ihn nachhaltig beeindruckt haben, „The Joshua Tree“ von U2. Dazu gesellen sich Einflüsse von The Cure, The Cars über Depeche Mode, Stevie Wonder bis hin zu den Beatles. Eine große Bandbreite und Vielfalt also. In Deutschland ist der Name Kenna noch nicht ganz so geläufig, dies könnte und sollte sich nun nachhaltig ändern.

Wenn man sich das heutige HipHop und R&B Genre so anguckt, scheint es als Produzenten nur noch Timbaland und The Neptunes zu geben – zumindest was den amerikanischen Markt betrifft. Der Erfolg spricht natürlich dafür, allerdings ähneln sich viele Produktionen mittlerweile doch sehr stark. Die Individualität bleibt dabei etwas auf der Strecke und irgendwie scheinen alle lieber auf ein sicheres Pferd zu setzen. Oftmals darf sich auch noch Justin Timerlake irgendwie einbringen und fertig ist die Erfolgsformel. „Make Sure They See My Face“ ist da keine Ausnahme.

Ja, auch hier sind The Neptunes für die Produktion verantwortlich und bei „Phantom Always“ darf Justin Timberlake auch das ein oder andere Wort in gewohnter Manier vortragen. Und trotzdem ist „Make Sure They See My Face“ anders. Selbst eine Einordnung der Scheibe ist nicht ohne weiteres möglich. Natürlich kann man das in die große Schublade des R&B Umfeldes stecken. Damit wird man dem Album allerdings nicht gerecht. Hier versammelt sich ein Sammelsurium an Stilen und wird bunt gemischt und zusammengestellt. Großartige Popmelodien treffen auf HipHop-Elemente, die wiederum mit erstklassigen Beats unterlegt werden, angereichert mit einer Prise Soul und dann noch mit Indierockversatzstücken versehen ergeben musikalisch ein spannendes Gebräu. Die Stimme und Klangfarbe von Kenna nicht zu vergessen, die den Songs noch mal eine ganz eigene Note geben. Arrangements und Produktion können sich ebenfalls sehen lassen. So gut klangen The Neptunes schon lange nicht mehr.

Großartige Songs gibt es auf „Make Sure They See My Face“ wirklich viele. Bei „Daylight“ merkt man, dass Kenna „The Joshua Tree“ von U2 mag, die Nummer baut sich nämlich ähnlich langsam auf wie „Streets“ von den Iren. Was aber dann nach einer Minute folgt ist was komplett anderes. Druckvoll kommen die Beats aus den Boxen, im Hintergrund jubiliert ein Chor und über allem thront die Stimme von Kenna. Auch abseits und im Hintergrund passiert so viel, dass man auch nach dem zehnten Durchgang per Kopfhörer immer wieder neue Arrangements und Sounds hört. „Out Of Control“ zählt ebenso zu den absoluten Höhepunkten, kommt aber eine Spur dreckiger und weniger poppig daher. Der Song klingt im Refrain fast schon nach Bloc Party oder Maximo Park. Selbst Nummern wie „Loose Wires“ und „Say Goodbye To Love“, die nach zeitgemäßem Pop klingen, haben noch einige spannende Wendungen und überraschende Elemente zu bieten, die diese dann doch wieder aus dem Radioeinheitsbrei herausragen lassen. Ein weiterer Höhepunkt des Albums dürfte „Sun Red Sky Blue“ sein. Indiegitarren treffen auf eine schöne Popmelodie mit einem treibendem Groove. Kenna veredelt mit seinem außergewöhnlichen und melancholisch angehauchten Gesang den Track zusätzlich. „Baptized in Blacklight“ ist mit simplen Mitteln sehr effektiv umgesetzt. Mitreißender Gesang, dezentes Pianospiel, eine schöne Basslinie, druckvoller Groove, veredelt mit einem Gitarrenspiel, welches bisweilen an U2 erinnern lässt. Wer bisher die balladesken Momente vermisst hat, der wird bei „Static“ fündig. Insgesamt sicher nicht herausragend, aber stimmlich sehr schön in Szene gesetzt. Erstaunlich ist auch das hohe Niveau, welches hier durch die Bank gehalten wird. „For Better Life“ setzt z.B. auf der Zielgeraden erneut ein dickes Ausrufezeichen. „Be Still“ hat eine eingebaute Gänsehautgarantie zu bieten. Man kann es nicht oft genug wiederholen, denn auch hier zeigt Kenna, dass er stimmlich ein Ausnahmetalent ist und mit einer ganz tollen Klangfarbe punkten kann. „Wide Awake“ beendet die Scheibe dann mit ein paar nachdenklichen Tönen.

Fazit: „Make Sure They See My Face“ ist ein außergewöhnliche Platte, deren Einordnung nicht einfach fällt. Viele Stile und Richtungen werden hier eingeschlagen und miteinander vermischt. Die Stimme von Kenna ist ebenfalls außergewöhnlich. In der Summe ergibt dies ein Album, welches durchgängig gut ist und irgendwo zwischen Indiepop und zeitgemäßem R&B angesiedelt ist. Ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut vor der Zusammenarbeit von Kenna und The Neptunes – Großartiges Album!

http://www.kennakenna.com

 

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