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Kelis: The Hits

(Virgin)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Die Vita von Kelis könnte glatt aus der Feder eines Drehbuchschreibers der Traumfabrik stammen. Vermeintlich hat man das Gefühl, dass hier sämtliche Klischees erfüllt werden. Aufgewachsen ist sie in Harlem, New York. Selbstverständlich sang sie schon als Kind im Kirchenchor und war nebenbei auch noch im Harlemer Mädchenchor aktiv. Zudem lernte sie recht früh Klavier, Violine und Saxophone zu spielen. Tanzen anschließend natürlich auch noch. Da die Gute auch noch das entsprechende Talent mitbrachte, stand einer erfolgreichen Karriere nichts mehr im Wege.

Mittlerweile hat Kelis im Musikgeschäft fast ein Jahrzehnt auf dem Buckel. In der Zeit hat man schon viele kommen und wieder gehen sehen, ob es allerdings jetzt schon notwendig ist, eine Retrospektive auf den Markt zu schmeißen ist zumindest fragwürdig, aber daran wird sie selber vermutlich den kleinsten Anteil haben.

Auf die Scheibe haben es letztendlich vierzehn Songs geschafft. Löblich, dass man die ganze Geschichte nicht versucht hat aufzufüllen. So wirkt die Scheibe nämlich fast wie ein eigenständiges Album und nicht wie eine wild zusammengestellte Ansammlung von Hits. Und von Hits darf man hier in der Tat sprechen. Es ist doch erstaunlich, was die Dame der Welt schon an großartigen Songs beschert hat. Wer kennt „Caught Out There“ nicht? Mit diesem, von The Neptunes produzierten Übersong konnte sich Kelis nachhaltig in die Gedächtnisse dieser Welt schreien, auch wenn sie eigentlich einem ehemaligen Liebhaber verachtend entgegengebrüllt hat. Auch „Milkshake“ ist spannend und innovativ und im schnelllebigen Musikgeschäft immer noch aktuell. Über die Jahre hat sie aber auch immer wieder mit Genrekollegen gearbeitet wie bei „Got Your Money“ mit dem unvergleichlichen Ol´ Dirty Bastard. Großartige Nummer. Wer hier noch ruhig sitzen kann, ist vermutlich mit Sekundenkleber an den Stuhl gefesselt. „Trick Me“ und seinen stampfenden Beat dürften auch sämtliche Radiohörer dieser Welt kennen, die Nummer lief und läuft ja immer noch rauf und runter. Aber nicht nur schnelle, beatorientierte Songs lieferte sie ab, sondern zeigt mit „Lil Star“ auch eine luftigleichte Seite. Tracks, die wie am Reißbrett entworfen klingen, gibt es allerdings auch in ihrem Repertoire. „Get Along With You“ ist zwar nett, aber auch recht belanglos. Stampfer wie „Young, Fresh N´New“, „Truth Or Dare“ (grandios!) oder „Bossy“ stehen Kelis wesentlich besser zu Gesicht. Auch „Millionaire“ mit Andre 3000 ist recht spannend und bringt alles mit, was zeitgenössischer R & B heutzutage wohl bieten sollte. Hinten raus gibt es mit „Suspended“ noch mal einen Schmachtfetzen bevor „The Hits“ mit  "Good Stuff " amtlich ausgroovt.

Fazit: The Hits zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass Kelis ihr Handwerk nicht nur beherrscht, sondern auch eine Ausnahmekünstlerin ist. Von so einer Hitdichte, können andere Künstler diesen Genres nur träumen. Auch wenn man Kelis häufig im Radio hört, haben viele ihrer Songs doch genug Ecken und Kanten und sogar spannende und innovative Momente um mehr als nur ein weiterer Mainstreamradiosong zu sein. In dieser Konstellation macht diese Zusammenstellung sogar Sinn und wer jetzt erst Kelis für sich entdeckt, findet hier das perfekte Einsteigeralbum vor!

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