Keith Caputo kommt mittlerweile schon mit seinem vierten Soloalbum um die Ecke. Viele dürften ihn noch als Frontmann von Life Of Agony auf dem Schirm haben. Diese Formation der teilweise härteren Gangart hat die 90er im Alternativbereich maßgeblich mitgeprägt. Viel wichtiger und zeitloser war allerdings das Solodebüt von Keith Caputo. „Died Laughing“ war ein Manifest an Emotionalität! Der kleine Mann lief hier zur Hochform auf. Bei Interviews sah man sich einem schüchternen, fast wortkargen Kerlchen gegenübersitzen. Auf der Bühne folgte dann regelrecht eine Verwandlung. Egal ob mit Akustikgitarre in einem kleinen Schuppen oder auf großer Bühne mit Band im Rücken, Keith Caputo und seine Songs rissen die Zuschauer an jeglichem Ort mit. Selten hat man einen Künstler erlebt, der mehr Charisma versprüht hat. Bei Kollegen wirkt dies allerdings nicht selten aufgesetzt, Caputo dagegen ist authentisch!
Nun kommt mit „A Fondness For Hometown Scars“ also der vierte Streich von diesem kleinen, großen Mann. Sein neues Album knüpft am ehesten an sein Debütalbum an, ohne allerdings ein billiger Abklatsch zu sein. Man kann jetzt schon mit Fug und Recht behaupten, dass Keith Caputo mit diesem Werk eines der emotionalsten und gefühlsvollsten Alben des Jahres 2008 gelungen ist!
Wer bei dieser Scheibe das sprichwörtliche Haar in der Suppe suchen möchte, der darf ausgerechnet die beiden Rockviecher „Troubles Down“ und „Devils Pride“ bemängeln. Ersterer geht gut ab und ist alles andere als schlecht. Die Nummer erinnert verdammt stark an die Stone Temple Pilots (stimmlich, wie auch musikalisch) und weiß durchaus zu überzeugen. Allerdings wirkt der Song auf dem Album etwas deplatziert und will nicht so recht ins Bild passen. „Devils Pride“ haut zwar auch ordentlich auf den Putz, ist im Grunde aber verzichtbar.
Die zehn übrigen Songs ergeben ein schlüssiges und stimmiges Bild, welches durch das wunderschöne Instrumetalstück „Society´s Deep Sleep“ beendet wird. Keith Caputo brennt hier ein Feuerwerk der großen und kleinen Gefühle ab und setzt die Meßlatte für seine Kollegen extrem hoch – für die meisten zu hoch. Schon der Opener „Crawling“ erzeugt beim Hörer eine dicke Gänsehaut und zeigt zudem eindrucksvoll, dass Herr Caputo auch stimmlich nicht nur einen hohen Widererkennungswert hat, sondern auch zu einem Ausnahmetalent gehört. Gute Sänger gibt es viele, aber nur ganz wenige vermögen mit ihrem Organ derart zu berühren. „In December“ knüpft daran nahtlos an, doch klingt der fast flüsternde Caputo eine Spur zuversichtlicher und hoffnungsvoller. Melancholie in ihrer reinsten musikalischen Form. „In This Life“ ist im Grunde wenig spektakulär. Spektakulär ist allerdings was der in Amsterdam lebende Caputo hieraus macht. Mit simplen musikalischen Mitteln zaubert er einen Song auf das Trapez, wie er schöner nicht sein könnte. „Nothing To Lose“ und „Sad Eyed Lady“ halten das Niveau (und die Gänsehaut) extrem hoch, bevor es mit „Silver Candy“ sogar noch eine Steigerung gibt. Melancholisch und verträumt trägt Keith Caputo mit eindringlicher Stimme sein „Silver Candy“ vor. Beeindruckend! Bei „Bleed For Something Beautiful“ darf Flea mit seiner Trompete mitwirken. Der Star allerdings ist und bleibt Keith Caputo. Die Pianoballade „Got Monsters“ und das schöne und mit rockigen Ansätzen versehene „Son Of A Gun“ machen die Platte so richtig schön rund.
Fazit: „A Fondness For Hometown Scars“ ist eine der schönsten Platten diesen Jahres. Keith Caputo ist damit das Kunststück gelungen, nach seinem Debütalbum ein weiteres kleines, zeitloses Meisterwerk aufzunehmen. Ein Album, welches das Herz berührt und die ganz großen Gefühle anspricht. Jedes hier durchlittene Wort nimmt man dem kleinen Mann übrigens unbesehen ab. Wo sich andere knietief im Pathos und Kitsch suhlen überzeugt Keith Caputo mit Emotionalität die authentisch ist! Auch wenn das Album in weiten Teilen eher melancholisch und nachdenklich ist wird einem doch warm um das Herz. Keith Caputo beweist eindrucksvoll, dass er auf diesem Gebiet einer der Größten ist!
Und bitte unbedingt den charismatischen Mann ive bewundern, hier die Daten:
30.04. - Köln, Underground
01.05. - Hamburg, Hafenklang
03.05. - Saarbrücken, Roxy
04.05. - Freiburg, Café Atlantik
05.05. - Stuttgart, Die Röhre
06.05. - Aschaffenburg, Colos Saal
07.05. - Bielefeld, Forum
09.05. - Berlin, Frannz Club
10.05. - Magdeburg, Sackfabrik
11.05. - Dresden, Tante Ju
12.05. - München, Ampere