Keane konnten von den bisherigen beiden Alben „Hopes And Fears“ und „Under The Iron Sea“ zwar acht Millionen Einheiten absetzen, mussten in der ganzen Mühle des Stardaseins allerdings auch einiges an Federn lassen. Tom Chaplin zog nach einer akuten Erschöpfung und einem Suchtproblem die Notbremse und ging in eine Entzugsklinik. Auch sonst war es nicht gerade gut um die Band bestellt und heute verkünden alle drei Mitglieder, dass die ganze Geschichte kurz vor der Auflösung stand. Irgendwie haben sie allerdings dann doch noch die Kurve gekriegt und so liegt mit „Perfect Symmetry“ nun der dritte Streich des Dreiers vor.
Aufgenommen und geschrieben wurden die Songs in Paris, London und Berlin. Produziert haben Keane ihr neues Album zum Teil selber. Unterstützung erhielten sie allerdings von Stuart Price und Jon Brion. Gerade der Einfluss von Brion bewertet Chaplin als enorm wichtig. Ob es Keane allerdings musikalisch weitergebracht hat, sei mal dahingestellt. Zumindest haben sie mit „Perfect Symmetry“ einen etwas anderen Weg eingeschlagen, der sich allerdings hin und wieder als Sackgasse entpuppt.
„Spiralling“ dürfte den geneigten Hörer erstmal verschrecken. Was? Das sollen Keane sein? Ein Blick auf den Kalender bestätigt dann doch, dass der Albtraum 80er Jahre nicht wieder auferstanden ist – bei Keane allerdings schon. Die Nummer klingt dann auch folgerichtig als wäre sie diesem bunten Jahrzehnt entsprungen. Wham? Duran Duran? Tears For Fears? Wie man dem beigelegten Text entnehmen kann, bemüht man sich auch schnellstens darum, dass man hier eben nicht von einem billigen Abklatsch und Retro-Sound reden kann. Nein? Warum nicht? Genauso hört es sich nämlich an! Man kann das ganze ja noch als Spaß durchgehen lassen und nach mehreren Durchläufen verfehlt der Song dann seine Wirkung auch nicht – ja wenn „The Lovers Are Losing“ nicht genau daran anknüpfen würde. Allerdings ragt der Refrain deutlich raus und beweist, dass Keane durchaus ein feines Händchen für großartige Melodien haben.
„Better Than This“ ist spätestens jetzt nur noch ein Abklatsch. Die Nummer hat nämlich sehr viele Elemente von „Ashes To Ashes“ von David Bowie zu bieten. Mit diesem Track und dem dazugehörigen Album „Scary Monsters“ begann für den großen Innovator eine neues Jahrzehnt – die 80er. Für Keane geht es so allerdings nicht auf zu neuen Ufern, sondern der Song erweist sich als Weg in die Einbahnstrasse. Bei „You Haven´t Told Me Anything“ zieht es einem jetzt endgültig die Schuhe aus. Gut, auf der Scheibe entdecken Keane die Gitarren für sich (Tom Chaplin und Tim Rice-Oxley). Jetzt darf aber jeder Hörer mal raten wo er das hier Dargebotene genauso schon in letzter Zeit auf die Ohren bekommen hat. Ist eigentlich ganz leicht.
Mit dem Titelsong „Perfect Symmetry“ sind dann die „alten“ Keane zurück. Dieses Intro hat man zwar schon öfters von ihnen gehört, aber in dem Song zeigen die Drei endlich, wo sie ihre Stärken haben. Eine melancholische und traurige Melodie wird zu großem Bombast im Refrain aufgeblasen – sie können es also doch noch! „You Don´t See Me“ ist recht unspektakulär, bevor „Again And Again“ den Weg aufzeigt, wie die Kiste 80er Jahre und große Keane-Melodien doch hätte funktionieren können – schön arrangiert, toll umgesetzt, Daumen hoch! „Playing Along“ schwankt zwischen Pathos und dezenter Instrumentierung und ist somit weder Fisch noch Fleisch. „Pretend That You´re Alone“ überzeugt mit einem musikalischen Grundgerüst, welches sich nur auf das Wesentliche beschränkt und mit einer groovigen und positiven Grundatmosphäre recht gefällig aus den Boxen kommt – vielleicht sogar die beste Nummer der Scheibe! Leider endet die ganze Geschichte mit „Black Burning Heart“ und „Love Is The End“ recht langweilig. Schade!
Fazit: Man kann Keane jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie nicht mutig und offen für Neuerungen wären. Wir fordern ja alle immer wieder die große Weiterentwicklung und Innovation von den musikalischen Künstlern ein. Keane haben mit „Perfect Symmetry“ nun ein weiteres Bandkapitel aufgeschlagen und sie wagen sich auch auf neue musikalische Pfade. Leider haben sie sich auf diesen auch oftmals verlaufen. Unter dem Strich ergibt dies dann ein eher schwaches Album mit starken Momenten!