Am 21. Juli 2007 traten Keane im Zuge ihrer 18-monatigen Welttournee in der Londoner 02 Arena auf. Von den kleinen Clubs bis zum Auftritt vor 17.000 Fans war es allerdings ein hartes Stück Arbeit und im August 2006 war sogar fraglich, ob und wie es mit der Band überhaupt weitergehen wird. Sänger Tom Chaplin hatte wohl ein ernstes Alkohol- und Drogenproblem und sich selber in die Londoner Klinik für Suchtkranke „The Priory“ begeben. Die Meldung kam insofern überraschend, da Keane nicht gerade die Prototypen für ein ausschweifendes Rock and Rollerleben zu sein schienen. Aufgewachsen sind Keane in einer kleinen Stadt namens Battle in Süd-England. Außer Fußballspielen und Musik gab es nicht viel, womit man sich beschäftigen konnte. Anfangs machte man mit Dominic Scott als Gitarristen die ersten Gehversuche als Band. Letztendlich wurde aus diesen ersten Schritten Keane geboren – allerdings in der bekannten Dreier Besetzung. Gitarren? Werden und wurden nicht benötigt. Das Ergebnis ist bekannt, Keane konnten weltweit mit „Hopes And Fears“ und „Under The Iron Sea“ großen Erfolg feiern und Millionen von Alben gingen über die Ladentheken dieser Welt. Ein weiterer Höhepunkt dürfte für die drei Jungs nun der Auftritt in der O2 Arena gewesen sein. Und dieser liegt nun auf der „Live“ DVD vor.
Ich für meinen Teil muss gestehen, dass mir Keane auf Albumlänge meist zu langweilig sind. Gut, hin und wieder kann man sich mal ein Liedchen anhören, aber über die Distanz einer gesamten Langrille? Für meine Begriffe wird da oftmals zu viel in seichten Gewässern gejammert und es gibt mittlerweile auch zu viele Mitstreiter, die in ähnlichen Gewässern fischen - Travis, Coldplay, Snow Patrol und wie sie alle heißen. Dafür musste ich Keane schon 2 x als Vorband von U2 ertragen. Korrekterweise muss es allerdings heißen: durfte ich schon 2 x Keane als Vorband von U2 bewundern. Was die drei Jungs da live abgefeuert haben war in dieser Intensität nicht nur total verblüffend für mich, sondern konnte mich sogar begeistern und wie Keane das Stadion Nou Camp in Barcelona zum kochen gebracht haben war schon in Manier einer ganz großen Band. Entsprechend gespannt war ich natürlich auf das Ergebnis der „Live“ DVD. Und was soll ich sagen, die Band enttäuscht hier nicht!
Was Tom Chaplin, Tim Rice-Oxley und Richard Hughes hier wieder an magischen Momenten abliefern und wie sie die 17.000 Fans begeistern und im Griff haben ist schon ganz großes Kino. Der Ton kann in Dolby Stereo & Dolby 5.1 Surround Sound genossen werden und bietet bei entsprechender Anlage auch ein amtliches Konzerterlebnis. Als Format liegt selbstverständlich 16:9 vor und auch die üblichen Untertitel fehlen nicht. Somit bekommt man hier die komplette Vollbedienung einer zeitgenössischer DVD-Produktion geboten. Trotzdem hat man es hier ab und an mit der Kameraführung etwas übertrieben. Gerade bei den schnelleren Stücken wurde versucht in möglichst geringen Abständen so viel verschiedene Kameraperspektiven in kurzer Reihenfolge aneinanderzuzimmern, dass es schon fast körperlich weht tut. Sollte hier versucht werden, der Show eine Dynamik zu verleihen, die eventuell nicht vorhanden war? Auf der anderen Seite muss man natürlich eingestehen, dass sich diese hektischen Schnitte momentan auch äußerst großer Beliebtheit erfreuen. Leider bleibt man als Zuschauer dabei etwas auf der Strecke und Songs wie „Bend And Break“ oder „Can´t Stop Now“ leiden unter dem Schnitt. Die stärksten filmischen Momente sind so eindeutig bei den ruhigen Songs gegeben, da die Atmosphäre mit ruhigen Kamerafahrten so entsprechend eingefangen wurde und sich so auch zu Hause auf der heimischen Couch eine dicke Gänsehaut einstellt.
Die Band selber macht freilich alles richtig. Ein anscheinend gesunder Tom Chaplin hat die Menge im Stile eines großen Frontmanns erstaunlich gut im Griff. Was Tim Rice-Oxley am Klavier und Bass und Richard Hughes am Schlagzeug abliefern steht dem in nichts nach. Auch gesanglich unterstützen die beiden ihren Frontmann. Bei der Zusammenstellung der Setliste haben die Drei auch einen schönen Spannungsbogen aufgebaut und so steht die Halle von „Everybody´s Changing“ bis zu „Bedshaped“ wahlweise Kopf oder lauscht bei den ruhigen Stücken andächtig und mit dem ein oder anderen Tränchen im Knopfloch. Mittlerweile streuen Keane auch eine Art Akustikset auf einer Zusatzbühne in der Hallenmitte ein. Hier greift Mr. Chaplin auch selber zur Akustikgitarre und schafft es so noch mal eine ganz besonders intime Atmosphäre herzustellen. Jeder der 17.000 Fans vor Ort dürfte den Eindruck gehabt haben, er befände sich in einem ganz kleinen Club und Keane würde nur für ihn spielen. Magisch könnte man dies auch nennen. Dass mit Neil Hannon von The Divine Comedy an dem Abend auch noch ein ganz Großer seiner Zunft die Bühne betrat fällt da gar nicht weiter ins Gewicht, da Keane zumindest in ihrer Heimat diesen Status auch längst erreicht haben!
Die DVD ist auch noch mit jeder Menge Zusatzmaterial ausgestatte. So hat man als Zuschauer noch die Möglichkeit das Konzert aus einer anderen Kameraperspektive zu bewundern, dem Aufbau für das Konzert beizuwohnen, dem Soundcheck von „Is It Any Wonder“ zu lauschen und die Live Visuals einzeln anzuwählen. Da hat man sich wirklich nicht lumpen lassen und dem Fan noch jede Menge feine Schmankerl auf den Silberling gepackt. Übrigens kann sich die Aufmachung im schicken Digipack durchaus sehen lassen.
Fazit: Für Fans ist diese „Live“ DVD von Keane sowieso ein absolutes Muss. Auch ansonsten kann dieses schöne Teil durchaus überzeugen und auch Nicht-Beinhartfans sollten hier mal reingucken. Schade, dass durch den ein oder anderen hektischen Schnitt das Dingen ein wenig vermasselt wurde. Über die gesamte Länge kann die DVD aber schon glänzen und man bekommt einen guten Eindruck davon, was für eine hervorragende Live-Band Keane ist!