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Kaizers Orchestra: Violeta Violeta (Vol. 1)
(Petroleum Records/Rough Trade)


Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Da liegt das neue Album der Kaizers Orchestra gerade frisch vor einem und dann weiß man schon, wann die nächsten beiden erscheinen werden. Das ist in dieser Form sicher nicht alltäglich. Das freut doch das Fanherz und das würde man sich doch auch gerne von anderen Bands wünschen. „Violeta Violeta“ ist eben ein ehrgeiziges Projekt und das vorliegende Album trägt ja nicht ohne Grund den Zusatz Vol. 1. Nummer 2 erscheint übrigens im Januar 2012 und die dritte Runde im November 2012.

Kaizers Orchestra waren nach zehn Jahren Banderfahrung nun bereit diese Trilogie anzugehen. Die Norweger wussten bisher aber schon immer zu überraschen. Hört man sich die zehn Songs an, dann ist abermals verwunderlich, wie schnell man selbige verinnerlicht hat. Kaizers Orchestra singen ja immer noch auf norwegisch. Wer erstmals mit dieser wunderbaren Band in Berührung kommt, dem wird das vielleicht gar nicht direkt auffallen.

„Violeta Violeta“ geht mit „Philemon Arthur & The Drug“ auch gleich gut los. Zwischen Barpiano und Westernrock kommt das Stück mit einem treibenden Schlagzeugspiel um die Ecke. Selbst vor Streichern wird nicht Halt gemacht. Was für ein Auftakt! Zeit zum Verschnaufen gibt es aber nicht, denn mit „Diamant til kull“ schließt sich eine Indiehymne an, die sogar vor HipHop-Anleihen nicht zurückschreckt. Das Album gleicht einer Wundertüte. Mit dem verschrobenen und kaputten „Femtakt filosofi“ geht es auf in Tom Waits Gefilde. Zwischen Jahrmarkt- und Zirkusnummer verwirren einen die Norweger nun vollends. Im Hintergrund jubilieren allerdings Melodien, die sämtliche Beatlesherzen erwärmen dürften. Man ist jetzt schon sprachlos.

„Din Kjole lukter bensin mor“ zieht die Schraube aber noch weiter an. Jetzt ist man endgültig dem Wahnsinn verfallen. Oder ist das aus „Alice Im Wunderland“? Nein? Könnte es aber! „En for orgelet, en for meg“ fasst die vorherigen Tracks in einem einzigen zusammen und ist die Quintessenz der ersten Albumhälfte.

Mit Filmmusik geht es dann mit „Tumor i ditt hjerta“ in die zweite Runde. Immer dann, wenn man meint, dass es in geordnete Bahnen und Songstrukturen geht, dann kommt unter Garantie ein Stilbruch. Etwas dick tragen sie allerdings bei „Hjertknuser“ auf. Auch vor den ausschweifenden Gesten haben Kaizers Orchestra also keine Angst. Aber keine Sorge, mit „Psyco under min hatt“ geht es zurück auf das Indieparkett. Falls noch ein Song für den nächsten James Bond Streifen gesucht wird, bitte sehr, hier ist er: „Svarte katter & flosshatter“ – zumindest teilweise. Der Rest klingt als hätte man die White Stripes in die norwegischen Berge gestellt. Der letzte Song haut noch mal alles raus, was die Kaizers Orchestra ausmacht.

Fazit: „Violeta Violeta (Vol. 1)“ ist der vertonte Wahnsinn zwischen Spelunke, Jahrmarkt und Western. Dazu wird eine Prise Indiepoprock gereicht und fertig ist ein Gebräu, welches vorzüglich mundet. Man darf schon jetzt auf die zweite und dritte Ausgabe gespannt sein. Das musikalische Jahr 2011 beginnt ausgesprochen gut!

http://www.kaizers.no/

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