Im Jahre 2005 gab es eigentlich kein Entkommen. Jedenfalls nicht, was die Kaiser Chiefs betraf. Egal ob in der Disco, im Strandbad, auf einem Festival, bei einem U2 Konzert, Preisverleihungen oder an fast jedem anderen Ort, der mit Musik beschallt wurde, die Band war schon da. Es stellte sich natürlich auch die Frage, ob man dem Fünfer entkommen wollte. Die Antwort dürfte in den meisten Fällen mit einem klaren Nein beantwortet worden sein. Das Album „Employment“ mit seinen Krachersingles „I Predict A Riot“, „Oh My God“ und „Modern Way“ fand nicht nur über drei Millionen Käufer, sondern konnte Kritiker wie Konsumenten gleichermaßen nicht nur überzeugen, sondern begeistern. Eine Band, die endlich mal ein Album im Gepäck hatte, welches dem ganzen Hype auch vollends gerecht wurde. Nun legen die Jungs mit „Yours Truly, Angry Mob“ nach. Bei den Aufnahmesessions entstanden letztendlich 22 Tracks, 12 davon schafften es auf das Album.
Die vorliegende Scheibe dürfte es nun viel schwerer haben, da die Erwartungshaltung von Fans und Medien um ein Vielfaches größer sein dürfte als noch vor zwei Jahren. Man sieht die Kritiker nun schon förmlich aus ihren Löchern kommen. Ist ja immer wieder das selbe Spiel, gestern noch gelobt und als Rettung der Rockmusik gefeiert und morgen schon fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Und ja, die ersten nicht ganz so begeisterten Stimmen waren schon zu vernehmen. Unverständlich, denn der neueste Streich der „Chiefs“ ist nicht nur eine Weiterentwicklung, sondern klingt in seiner Gesamtheit reifer als der Vorgänger, ohne dabei auf bewährte Qualitäten zu verzichten.
Zur ersten Single „Ruby“ muss man sicher nicht mehr viel sagen. Der Song besticht im Refrain mit dieser Ohrwurmmelodie, die einem den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf geht. „The Angry Mob“ schließt sich dann nahtlos an. Einen kleinen Stilbruch gibt es dann schon bei „Heat Dies Down“ zu verzeichnen. Die Töne werden subtiler und den gesamten Song durchzieht eine melancholische Atmosphäre. Natürlich wurde hier auf die bekannte Kaiser Chiefs Eingängigkeit nicht verzichtet. Mit viel Krach und vielen „Uhuuuuhs“ im Refrain wartet dann das punkige „Highroyds“ auf. „Love´s Not A Competition (But I´M Waiting) ist eine faustdicke Überraschung. Sehr ruhige und auf den Punkt gebrachte Töne zu mehrstimmigem Gesang bestimmen hier das Klangbild. Vom Ansatz schlägt die Band hier fast schon Singer/Songwriter Gefilde ein. Sehr gelungen! Aber keine Angst, die Band weiß natürlich auch nach wie vor das Gaspedal durchzutreten und so klingt die erste Albumhälfte mit „Thank You Very Much“ doch recht schmissig aus.
Poppig geht es dann mit „I Can Do It Without You“ in die zweite Runde. Der „Lalala-Gesang“ im Refrain ist dann leider doch etwas platt und insgesamt ist der Track sicher kein Höhepunkt der Platte und ziemlich belanglos. Leider wird es mit „My Kind Of Guy“ danach nur unwesentlich besser. Davon bleibt auch nach dem 20 Durchlauf recht wenig hängen. Die kleine Durststrecke ist dann aber mit „Everything Is Average Nowadays“ überstanden. So was nennt man wohl einen Ohrwurm. Danach gibt es wieder eine faustdicke Überraschung. Eine spärlich instrumentierte Klavierballade. Eigentlich sollte hier „Learnt My Lesson Well“ kommen. Es handelt sich aber wohl um das als Bonus vorgesehene „Boxing Champ“. Egal ob Fehler in der Matrix oder nicht, dieses wunderschöne Stück passt hervorragend an diese Stelle. „Learnt My Lesson Well“ schließt sich dann an „Boxing Champ“ an und so wurde aus zwei Songs halt Track 10. Der eine ist ganz stark, der andere Durchschnittkost. „Try Your Best“ ist balladeske angehaucht, ohne kitschig zu wirken und überzeugt auf ganzer Linie. „Retirement“ nimmt als Albumabschluss dann wieder etwas mehr an Fahrt auf - überzeugend.
Fazit: Mit Yours Truly, Angry Mob ist den Kaiser Chiefs ein gutes Album gelungen. Eine deutliche Weiterentwicklung ist der Band anzuhören, Stillstand ist ja auch der künstlerische Tod. Hat man erstmal die kleine Durststrecke in der Mitte verarbeitet, dann wird man feststellen, dass die fünf Jungs immer noch genügend hervorragende Songs aus dem Ärmel geschleudert haben. Dies ergibt unter dem Strich 8,5 Punkte mit deutlicher Tendenz nach oben!