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Kain: Leben im Schrank

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 7.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Kain: Leben im SchrankEs tut sich musikalisch wieder was in deutschen Landen. Immer mehr deutsche und besonders deutschsprachige Bands finden den Weg in die hiesigen Plattenregale. Trend? Oder doch eher Zufall? Linos von Kain sieht dies dann eher pragmatisch: „Man kann ins seiner Muttersprache einfach ganz anders mit Worten spielen oder neue Wörter erfinden, von daher war das klar“. Recht hat er. Allerdings müssen dann die Inhalte natürlich auch dementsprechend sein, da sich der geneigte Zuhörer und Muttersprachler dann doch auch mit den Texten auseinandersetzen wird und muss, was z.B. bei der englischen Sprache ja nicht immer der Fall ist. Auf der anderen Seite kann man als Band davon ausgehen, dass einem Album auch das nötige Maß an Aufmerksamkeit zu Teil wird. „Leben im Schrank“ von Kain schlägt nun genau diese Richtung ein.

Die Band selber gibt es im Grunde nun auch schon seit zehn Jahren bzw. fand man sich seinerzeit im Proberaum wieder um der, nach eigener Auskunft, Tristesse des Teenager-Alltags zu entkommen. Nun liegt es also vor, das Debütalbum. Aufgenommen wurde die Scheibe in vier Monaten intensiver Arbeit mit dem Berliner- Produzent Oliver Pinelli.

Es geht mit „Pack Dich“ gleich in die Vollen. Textlich haben wir es dann hier nicht gerade mit einem Liebeslied zu tun – nein, das Gegenteil ist der Fall. Musikalisch kann man das in die Schublade solider Deutsch-Punk/Rock einordnen. Der Track erinnert schon verdammt viel an Die Toten Hosen wobei der Gesang auch sehr nahe an Campino kommt. „Liebes Tagebuch“ beginnt mit einem Gitarrenthema, welches wiederum von Nirvana entliehen wurde, bevor es im Refrain wieder gen o.g. Richtung geht. Auch hier regiert nicht der Frohsinn, sondern eher trübe Gedanken(gänge) schälen sich da aus den Boxen. „Irgendwann“ beginnt ruhig, wird zum Refrain hin aber die große Stadionhymne. „Irgendwann gehen wir alle drauf, irgendwann gehen die Lichter aus“ stellt die Band messerscharf fest. Scheißegal ist auch alles. Puh, schon wieder alles sehr negativ und mit Verlaub, langsam wird es auch ein bisschen platt. Wenn man wenigstens da irgendwo Ironie hören würde, aber es bleibt zu befürchten, dass dies alles schrecklich ernst gemeint ist. Herausragend wird es aber danach. „Kaffee Zum Mitnehmen“ ist musikalisch etwas subtiler geraten und jenseits jeglichen Muckertums. Auch wenn das Thema des Songs alles andere als gute Laune verbreitet, ist die nachdenkliche und ruhige Herangehensweise doch sehr gelungen. Erinnert insgesamt stark an Kettcar. Sehr guter Song! Das anschließende „Bastard“ verfolgt diese Richtung nicht weiter und kommt eher als Mischung aus Die Toten Hosen und Die Ärzte daher. Passt aber hervorragend zusammen und an diese Albumstelle. „Wo geh ich hin“ stellt, richtig, die Fragen aller Fragen. Positive Ansätze gibt es nicht zu vermelden, die Welt scheint für Kain grds. kein schöner Ort zu sein. Aber gut, das haut bei dem Bandnamen so auch schon hin, sie heißt ja schließlich nicht Abel und so erklären sich dann auch Aussagen wie „Das Böse interessiert einfach mehr, man nimmt es klarer auf“

„Leben im Schrank“ verfolgt diese Richtung, selbstverständlich, konsequent weiter. Ist aber sehr ruhig instrumentiert und textlich wieder etwas hintergründiger ausgefallen. So macht ein Leben im Schrank Spaß. „Es geht mir gut“ rockt schön derbe, so soll es sein. „Vogelfrei“ kommt dann schon fast atmosphärisch um die Ecke. Besten Deutschrock (im positiven Sinne) bietet dann „Zaubern“. „Qualität“ kommt langsam und bedrohlich daher. „Ich hoffe, ich sterbe früh in Seeligkeit“? Nun ja. Immerhin gibt es einen roten Faden, was die „lyrische Seite“ der Platte betrifft, dem schließt sich auch „Unsterblich“ an. „Überfliegerpilot“ beendet dann luftig und leicht das Debütalbum.
Fazit: „Leben im Schrank“ ist von der Produktion und der musikalischen Umsetzung sehr gelungen. Jedenfalls was den Sound betrifft, auch wenn man hier jede einzelne Note schon mal woanders genauso gehört hat. Die Texte sind zum Teil dann doch etwas platt ausgefallen und immer nur alles negativ darzustellen ist auf Dauer ermüdend und langweilig. Unter dem Strich gibt es den ein oder anderen sehr guten Moment zu vermelden, was in der Summe 7,5 Punkte ergibt.

www.kain.fm

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