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Juli Kapelle: Materie

(t&tt)

Autor: DJ / Wertung: 8.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher 1 Kommentar

Bild von Juli Kapelle - MaterieImmer wieder erfreulich, dass es doch so viele Bands gibt, die nicht davon träumen, berühmt und geliebt zu werden, sondern ihre eigen Vision von Musik konsequent ausleben, selbst wenn sie sich dabei zwischen alle Stühle setzen und einem bei Beschreibungsversuchen den Schweiß auf die Stirn treiben. Juli Kapelle erfreuen denn offenen Lauscher mit einem schweren Brocken musikalischer Gespaltenheit. Assoziiert man beim Namen erst einmal eine sehr erfolgreiche Deutsch Rock Band mit Sängerin, die von einer Geilen Zeit berichten, überrascht einen das Wechselbad auf Materie schon sehr. Um sich selber irgendwie zu definieren, gibt man Einflüsse wie Tom Liwa, Spliff, Can, Will Oldham, Tricky, Tom Waits, Godspeed You…, Die Erde, Motorpsycho, Kyuss und Talk Talk an. Viel Spaß beim Suchen! Einfacher tut man sich, wenn man Juli Kapelle einfach als deutschsprachige Rock Gruppe nimmt, die eine stark avantgardistische Prägungen verbindet mit frühen progressiven Klängen und modernen Einflüssen. Auf der einen Seite könnte man sich so durchaus eine Existenz der Gruppe vor einigen Jahrzehnten vorstellen, auf der anderen Seite taucht ein Anstrich auf, der nur von gegenwärtigen Stilrichtungen stammen kann. So verbindet maschine u.a. Type O-Schwere mit Wüstenrockanstrich. Flotter und offener geht es mit der himmel zwischen uns los, nachdem es bei sender ziemlich psychedelisch wurde. Mit Walgesängen auf elektronischen Flächen versucht man es hingegen bei stärke 7, bevor man das düstere 3schritte mit dem Morsecode des Rush Instrumentalklassikers XYZ einleitet. Geprägt wird dabei jeder einzelne Nummer durch die intellektuellen, tiefsinnigen Texte, die sich nicht hinter einem Filter aus englischer Sprache zu verstecken brauchen. Allerdings raubt dies materie auch Leichtigkeit, macht die Platte recht kopflastig. Damit dürften sich viele Leute schwer tun, zumal – wie erwähnt – der musikalische Lauf auch nicht sonderlich eingängig ist. Persönlich habe ich damit nur bedingt ein Problem, allerdings empfinde ich materie insgesamt als sehr deprimierende, farblose Angelegenheit. Die Atmosphäre ist recht bedrückend, was nicht zuletzt Resultat des dunklen Sprechgesang von Bandkopf Achim Sauer ist. Wem man materie ans Herzen legen kann, lässt sich auch nur schwer beantworten. Manche Nummern dürften Wave-Fans ebenso ansprechen wie Krautrock-Freunde und Wüstensöhne. Viele Nummer liegen aber zwischen diesen Extremen. So bleibt materie eine gute und interessante Platte, weiß aber nicht wirklich als Gesamtwerk betrachtet zu überzeugen.

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    Pingback by Juli Kapelle : Schallgrenzen | Festival — January 31, 2008 @ 2:08 pm

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