header photo

Sound Base

Online Magazin

Joy Division: Unknown Pleasures (Collector´s Edition) Tipp
(Rhino/Warner)


Autor: schlimm / Wertung: 12 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Joy Division Unknown Pleasures (Collector´s Edition)Was der Fotograf und Videoregisseur Anton Corbijn anpackt hat meist Hand und Fuß. Nun gibt er mit „Control“ auch noch sein Debüt als Filmemacher. Alle, die das Werk schon bewundern durften sind voll des Lobes. Das Biopic über Ian Curtis, den Sänger der englischen Post-Punk Band Joy Division kommt wohl genau zur richtigen Zeit. Nicht nur, dass ein derartiger Film längst fällig war, nein, die aktuelle, zum Teil hoch gelobte Musikszene ist oftmals ein Abklatsch von Joy Division im besten Fall sogar eine Hommage an die alten Helden.

Ian Curtis wurde bekanntlich nur 23 Jahre alt. Am Vorabend der ersten US-Tour seiner Band erhängte er sich im Mai 1980 in seiner Küche, nachdem ihn seine Freundin verlassen hatte. Der manisch depressive, von Epilepsie-Anfällen gezeichnete Mann hinterließ mit seiner Band trotzdem ein musikalisches Vermächtnis, welches für die Musikwelt von immenser Bedeutung war und ist. Von The Cure, über Bauhaus, U2, Nine Inch Nails hin zu Interpol oder den Editors reicht die Spannbreite derer, die sie beeinflusst haben. Auch kann man momentan im britischen Popzirkus allerorten den Einfluss von Joy Division heraushören. Die Relevanz dieser Formation ist somit auch heute noch ungebrochen und vielleicht sogar wichtiger denn je.

Was lag da also näher im Zuge des Films und der immensen Popularität eine Neuauflage der Studioalben auf den Markt zu schmeißen? Keine Angst, hierbei handelt es sich nicht um die übliche Abzocke, dafür ist die ganze Geschichte einfach zu liebvoll aufgemacht.

Was als erstes bei der Neuauflage von „Unknown Pleasures“ ins Auge fällt ist natürlich die Optik. Das schlichte, düstere Covermotiv dürfte natürlich hinlänglich bekannt sein. Die CDs befinden sich in einem aufklappbaren Digipack, welches von einem Schuber gehalten wird. Das Booklet selber besticht mit einer Menge Informationen rund um das Werk und natürlich den obligatorischen Fotos. Die Aufmachung und Gestaltung ist damit äußerst liebevoll umgesetzt worden, schon allein dies rechtfertigt nicht nur die Neuauflage, sondern auch den Kauf!

Die zehn Songs des Studioalbums dürften ja eigentlich hinlänglich bekannt sein. Auch heute noch ziehen einen die düsteren, depressiven Songs und Texte ganz tief in ihren Bann. Getragen werden die Tracks von einer tieftraurigen Stimmung. Neben Ian Curtis Organ fällt besonders Peter Hook mit seinen hohen Basstönen auf. Von „Disorder“ bis „I Remeber Nothing“ ist der Bandsound geprägt von Düsternis. Einen Sound den schon viele versucht haben zu kopieren, aber oftmals kläglich gescheitert sind. Lediglich „Interzone“ ist so was wie ein klassischer Rocksong, der Rest ist pure Melancholie bis hin zur Frustration. Nie wurde die dunkle Seite der Musik und des Lebens schöner vertont.

Als Schmankerl obendrauf gibt es mit CD2 ein Konzert vom 13.7.1979 aus Manchester. Was sich in der Studioversion schon bedrohlich anhört kommt live noch eine ganze Spur intensiver rüber. Auch wenn die Aufnahme natürlich nicht heutigen Livemitschnitten entspricht ist man von den knapp 45 Minuten von den ersten Klängen von „Dead Souls“ bis zu den letzten Tönen von „Transmission“ total gefangen. Du liebe Güte, wann bekommt man Musik und Gesang mit so viel Hingabe heute noch zu hören? Das hier ist nicht nur ein Zeitdokument, dass ist DIE Blaupause für vieles, was heute so gelobt wird.

Fazit: Die Collector´s Edition von „Unknown Pleasures“ trägt den Namen völlig zu recht. Von der Aufmachung bis hin zum Live-Konzert auf CD2 ist das Teil in dieser Neuauflage sehr gelungen. Ein erhabenes Werk – Höchstwertung!
Weiter geht es mit „Closer“…

Hinterlasse eine Antwort

Aktuelle Artikel