Joseph Parsons hat sich in der Vergangenheit ja gerne mal an soundtechnische Experimente gewagt. Beats, Loops, Synthesizer und sonstige elektronische Spielereien baute er gerne mal in seine Songs ein. Dem ein oder anderen Hörer, der ihn eben für den erdigen und warmen Klang schätzte, war dies zu viel. All diejenigen werden nun erleichtert aufatmen, denn „Heavens Above“ ist quasi ein Werk, welches zurück zu den Wurzeln geht. Dies ist allerdings kein Schritt zurück und auch kein Kalkül von Joseph Parsons, sondern schlicht und ergreifend eine Momentaufnahme seiner derzeitigen musikalischen Gemütsverfassung.
Und die scheint wieder zu Außerordentlichem fähig zu sein. Mit „Heavens Above“ ist Joseph Parsons ein melancholisches Kleinod gelungen. Zwölf Songs die nur so strotzen vor künstlerischer Inspiration. Die gesamte Scheibe durchzieht eine melancholische Grundstimmung, die von den Arrangements und der musikalischen Umsetzung in Szene gesetzt wird. Für die balladesk angehauchten Stücke kommt ein kleines Orchester zum Einsatz, welches für die nötigen Streicher- und Bläserparts sorgt. Joseph Parsons und Produzent Devin Greenwood ist dabei das große Kunststück gelungen, die einzelnen Songs und das Album in seiner Gesamtheit nie überfrachtet und überladen klingen zu lassen. Chapeau! Diese Kunst beherrschen nicht (mehr) viele!
Auch, wenn sich hier fast alles im Midtempo-Bereich bewegt, kommt keine Langeweile auf. Nach dem poppigen Beginn wird es bei „Shades Of Gray“ fast herzzerreißend. Textlich setzt sich Parsons hier mit dem Tod seine Vaters auseinander. Auf dem schnelleren Stück „Sitting On Top Of The World“ bekommt Parsons gesangliche Unterstützung von seinem Kollegen Elliott Murphy. Eine Verbindung die einfach passt.
Gerade die ruhigen Momente ragen heraus. „Children In The Sun“ ist eine weitere Ballade, die ganz, ganz toll arrangiert wurde. Gänsehautmomente! Und auch bei politischen Themen driftet Parsons nicht in die Peinlichkeit ab – wie so viele seiner Kollegen. Der Antikriegssong „Sky Boys“ kann sich sowohl textlich, wie auch musikalisch hören lassen. Spärlich und zu Tränen rührend schleicht sich mit „Falling“ im hinteren Drittel ein weiterer Höhepunkt in die Gehörgänge. Eindringlich, ohne laut zu sein, singt Joseph Parsons hier seinen Schmerz in die Welt hinaus. Die weibliche Harmoniestimme von Emiliana Zeitlyn veredelt die Nummer zusätzlich. Ganz groß! Wenn die letzten Töne der Scheibe und von „I Saw You“ verklungen sind, ist man als Zuhörer in eine ganz andere Welt eingetaucht. „Heavens Above“ schafft das immer seltener werdende Kunststück den Hörer in eine andere Welt zu entführen und auch wenn die Scheibe in den Grundfesten traurig und melancholisch ist und besser zum Herbst denn zum Sommer passt, ist dies doch wunderschöne Musik, ohne auch nur den Anflug eines kitschigen Moments. Davor kann man nur eine ganze Wagenladung Hüte ziehen!
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