Hat eigentlich noch einer den Überblick? Einen Überblick über die Flut an Veröffentlichungen die nach dem Tod von Johnny Cash auf den Markt geschmissen wurden? Man muss es leider so sagen, es war eine ganze Menge Mist dabei. Selbst für beinharte Fans dürfte es schwer (gewesen) sein die Sammlung da immer auf dem Laufenden zu halten. Ebenso wird sich aufgrund der zum Teil obskuren und lieblosen Zusammenstellungen bei dem ein oder anderen die Zornesröte im Gesicht breit gemacht haben. Der Name und die Marke Johnny Cash zählt halt wieder was und damit lässt sich natürlich auch einen schnellen Taler verdienen. Die Zusammenarbeit mit Rick Rubin konnte ja auch die Aufmerksamkeit eines jüngeren Publikums auf das Schaffen des „Man In Black“ lenken. Damit erschloss sich für die verschiedenen Labels auch eine ganz neue Zielgruppe, die es dann aber auch nicht leicht hat(te) nicht die „Katze im Sack“ zu kaufen. Einen guten Einstieg und Überblick verschaffte da sicher die Cash-Compilation „Ring Of Fire – The Legend Of Johnny Cash“. Die CD ging dann auch weg wie geschnitten Brot und verkaufte sich weltweit über drei Millionen Mal. Ebenso konnte sie Platz fünf der Billboard-Album-Charts entern.
Nun gibt es also mit Vol.II den Nachschlag dazu. Ausgewählt wurden dafür zwanzig Songs. Dies alleine stellt natürlich kein Qualitätsmerkmal dar. Es handelt sich hierbei aber trotzdem nicht um ein Album mit viel Masse, ohne Klasse. Im Gegenteil! Hier wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Cash war zu Lebzeiten ja bei insgesamt vier Plattenfirmen unter Vertrag (Sun, Columbia, Mercury und American). Labelübergreifend wurden hier die Tracks ausgewählt! So macht diese Geschichte natürlich absolut Sinn. Los geht der Reigen mit vier Songs die er für sun aufnahm. „There You Go“, „Home Of The Blues“, „Ballad Of A Teenage Queen“ und „The Ways Of A Woman In Love“ konnten seinerzeit allesamt die Spitze der damaligen Country-Charts erobern. Bereits 1959 war Cash bei Columbia unter Vertrag, wo z.B. „Don´t Take Your Guns To Town“ veröffentlicht wurde. Fast unnötig zu erwähnen, dass die Nummer ebenfalls ein Nummer eins Hit war. Später wurde dieser Song zu Ehren des „Man In Black“ noch mal von U2 aufgenommen.
Chronologisch geht es dann mit den 60ern weiter. Wer kennt das Duett mit June Carter „It Ain´t Me“ nicht? Ebenso ist die grandiose Zusammenarbeit „Girl From The North Country“ mit Bob Dylan enthalten, welches auf dessen Werk „Nashville Skyline“ erschien. Politische und kritische Töne werden mit „The Ballad Of Ira Hayes“ angeschlagen. Natürlich fehlt hier auch die Ära mit Rubin nicht. „Unchained“, „I Hung My Head“ oder „I Won´t Back Down“ sind Zeugnisse dieser wunderbaren Konstellation.
Fazit: Natürlich kann man jetzt den Vorwurf von Leichenfledderei wieder aus der Schublade holen. Auch lässt sich trefflich über Sinn und Unsinn einer solchen Zusammenstellung diskutieren. Wenn so eine Geschichte allerdings so liebevoll und Karriere umspannend geschieht, dann stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Gerade für Casheinsteiger ist so ein Album eine ganz wunderbare Geschichte um einzutauchen in den Kosmos von diesem großartigen Mann. Ring Of Fire: The Legend Of Johnny Cash Vol.II schließt wunderbar dort an, wo Vol.I aufgehört hat. Die Songauswahl ist zudem äußerst gelungen und passt in dieser Konstellation hervorragend zusammen. 9 Punkte
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