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Johnny Cash: Johnny Cash´s America (CD/DVD) Legacy Edition Tipp
(Sony BMG)


Autor: schlimm / Wertung: 11 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Johnny Cash war der Patriot der etwas anderen Art. Wie kaum ein anderer verkörperte er den Geist des amerikanischen Gedanken und doch stand er stets für das andere Amerika. Johnny Cash scherte sich nie um Zugehörigkeiten. Er bewahrte sich immer seine Sicht der Dinge und Schubladendenken war ihm immer auch zuwider. Nein, sein Amerika war nicht rot, weiß oder blau, sein Amerika strahlte in allen Farben und Schattierungen. Cash war Mitstreiter und Wegbereiter und bezog zu vielen Dingen kontrovers Stellung: Krieg, Gefängnis-Reformen, Religion und den Rechten der Indianer.

Nun kommt mit „Johnny Cash´s America“ eine Zusammenstellung auf den Markt, die bei näherer Betrachtung längst überfällig war und sinnvoll erscheint. Das Paket enthält neben der CD mit neunzehn Songs auch eine DVD mit Dokumentationscharakter. Das Album selber fungiert dabei als Soundtrack zum Film. Fünf bisher unveröffentlichte Songs dürften auch die Fanherzen höher schlagen lassen.

Das bekannte, bis dato aber unveröffentlichte „Come Along And Ride This Train“ ist die passende Eröffnung des Songreigen. Züge und speziell Dampfloks hatten für Cash immer eine zentrale Bedeutung und von daher passt dies natürlich wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. „Five Feet High And Rising“ ist natürlich auch enthalten. Auf der beiliegenden Dokumentation erklärt Cash, wie der Song entstanden ist und wie es dazu kam. Die Liveversion von „Folsom Prison Blues“ hatte für den weiteren Karriereverlauf von Johnny Cash eine immense Bedeutung und seine Gefängnisauftritte sind nicht nur legendär, sondern auch von enormer Wichtigkeit – auch für das damalige Amerika. Was wäre eine derartige Zusammenstellung ohne die Nummer, der er seinen Beinamen zu verdanken hat? Eben! „Man In Black“ fehlt von daher ebenso wenig, wie das gesprochene „Ragged Old Flag“. „This Land Is Your Land“ und „I Am The Nation“ unterstreichen zum Schluss den Charakter des Albums.

Herzstück dieser wunderbaren Zusammenstellung ist allerdings die DVD. Fesselnd und kurzweilig wird hier über knapp 90 Minuten der Werdegang von Johnny Cash nachgezeichnet. Es ergibt sich so ein umfassender Einblick mit biografischem Charakter, der den Zuschauer tief berühren wird. Das Gezeigte ist zwar eine Lobeshymne auf Johnny Cash und ob seine singende Familie bei dem intimen Friedhofsbesuch am Grab seines Bruders gezeigt werden musste sei mal dahingestellt, aber grundsätzlich ist das Gezeigte doch erstaunlich frei von Pathos.

Viele Facetten des Lebens von Johnny Cash werden beleuchtet. Seine Kindheit kommt ebenso zur Sprache, wie auch seine ersten Erfolge als junger Sänger. Cash fungiert dabei teilweise als Erzähler. Neben seinen ehemaligen Bandmitgliedern tragen Weggefährten, Kollegen, Familienangehörige, Freunde und Produzenten zum umfassenden Einblick in das Leben von Johnny Cash bei. Unterschiedliche Kapitel seines Lebens und seiner Einstellung werden unter die Lupe genommen und beleuchtet. Erfreulich nimmt man zur Kenntnis, dass hier nicht nur oberflächlich durch die einzelnen Themen gehetzt wird, sondern sich auch in der Tiefe mit der Person Johnny Cash befasst wird.

Erhellend dazu sind auch die immer wieder eingespielten Interviewfrequenzen. Bob Dylan spricht respekt- und liebevoll von seinem alten Weggefährten. Ein erstes Zusammentreffen der beiden kommt dabei ebenso zur Sprache, wie auch Bilder der beiden. Ein junger Dylan trifft auf einen locker und gelösten Cash. Als Ergebnis darf man den beiden kurz beim gemeinsamen musizieren zusehen. Spätere gemeinsame Auftritte werden ebenso gezeigt. Unbezahlbar sind auch die Proben einer Highwaymen Session. Auch mit manchen Mythen räumt die Dokumentation auf. Cash hat sich zwar sehr für die Indianer und deren Belange interessiert und eingesetzt, aber indianisches Blut floss nicht in seinen Adern – auch wenn seine Schwester etwas anderes behauptet. Treffen mit den amerikanischen Präsidenten der einzelnen Epochen werden ebenso gezeigt, wie auch Ausschnitte der Johnny Cash Show. Die Songs der beiliegenden CD sind natürlich Bestandteil der Dokumentation, werden allerdings nur jeweils angespielt oder eben nicht ausgespielt. Auch die schweren Jahre für Cash werden thematisiert. Auftritte vor weniger als hundert Zuschauern dürfen dabei ebenso wenig fehlen wie sein „American Recordings Comebacks“. Rick Rubin gibt hier Einblicke in die Zusammenarbeit. Selbst den härtesten Zeitgenossen dürfte es nicht kalt lassen, wenn Rubin davon spricht, wie Cash nach dem Tod seiner geliebten June arbeiten wollte „Gib mir jeden Tag etwas zu tun, denn sonst sterbe ich“. Spätestens bei den Videoausschnitten von „Hurt“ hat man nicht nur eine Gänsehaut, sondern auch einen dicken Klos im Hals. Die Tochter von Cash schildert, wie sie erstmals das Video sah und geschockt war und zu ihrem Vater sagte „Dad, das sieht ja fast so aus, als wolltest Du Dich verabschieden“ Die Antwort von Cash fällt entsprechend aus – berührend!

Fazit: Dieses Doppelpaket darf in keiner, aber auch in wirklich keiner Johnny Cash Sammlung fehlen. Die CD ist klasse, die DVD das Sahnestück. Zu Wort kommen hier viele – Al Gore, Bob Dylan, Snoop Dogg, Sheryl Crow, Steve Earle, Kris Kristofferson, Loretta Lynn, Merle Haggard oder John Mellencamp. Sie alle verblassen aber zu kleinen Randfiguren im Schatten von Johnny Cash!

http://www.johnnycash.com

 

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