John Norum führt zwei Leben – eines mit Europe und eines ohne. Nach dem großen Erfolg der Schweden in der zweiten Hälfte der 80er wurde es ruhiger um die Formation. Norum stieg aus und auch der Erfolg kochte mittlerweile auf Sparflamme. Trotzdem war da immer noch eine sehr treue Fanbasis und somit gab es auch immer Abnehmer für die Soloausflüge von Norum. Mit „Play Yard Blues“ kommt nun schon das siebte Album von ihm in die Läden. Europe sind übrigens auch längst wieder in Originalbesetzung aktiv. Beides passiert mittlerweile unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein eingeweihter Kreis hält den Musikern allerdings immer noch die Stange.
Immerhin war John Norum so etwas wie das musikalische Gewissen von Europe, denn er hat die Band schließlich nicht ohne Grund verlassen. Hairspraymetal und Keyboards sind eben nicht so sehr sein Ding. Gut so! „Play Yard Blues“ bildet da auch keine Ausnahme. Hier gibt es handgemachte Musik. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Percussion reichen im Vordergrund völlig aus um seine Visionen umzusetzen. Der Albumtitel leitet allerdings etwas in die Irre, denn mit Blues hat die Scheibe nur ganz am Rande etwas zu tun. Das war aber auch nicht zu erwarten, da dies nicht unbedingt das Spiel von Norum ist.
Die zehn Songs machen trotzdem Spaß. Die musikalische Vergangenheit braucht der Gitarrist gar nicht erst leugnen – muss er aber auch nicht, denn alles andere wäre unecht. Man hört „Play Yard Blues“ jedenfalls an, dass es das ist, was der Mann mit Leib und Seele machen möchte. Die größte Überraschung ist zugleich auch der Opener „Let It Shine“. Norum überzeugt hier nämlich auch mit dem Gesang. Ein wunderbarer Stampfer, der zum Refrain hin gar Ohrwurmpotenzial entwickelt. „Red Light Green High“ hat mit viel Wohlwollen dann tatsächlich eine bluesige Ader. Trotzdem hat der Mann sein Gitarrenspiel über die Jahre derart kultiviert, dass man immer heraushört, wer die Axt bearbeitet. Ist aber auch gut so, denn austauschbare Musiker gibt es schon genug da draußen. „It´s Only Money“ ist dann wieder nah am Hardrock dran und die Gitarren dürfen wieder ordentlich jaulen. „Over And Done“ ist in dieser Hinsicht gar noch eine Spur klassischer geraten. Das erinnert teilweise sogar an Black Sabbath. Die Matte darf dann auch noch mal zu „Ditch Queen“ geschüttelt werden. Stellt sich nur die Frage, ob Norum-Fans überhaupt noch mit Haaren aufwarten können, denn mittlerweile dürften selbige auch schon den einen oder anderen Geburtstag gefeiert haben und so langsam aber sicher in den mittleren Jahren angekommen sein. Macht ja nichts, die gute alte Zeit kann man auch so wieder aufleben lassen. Ach ja, „Born Again“ setzt da sogar noch einen drauf. Wie war das doch gleich mit dem Blues? Lass rocken John!
Fazit: „Play Yard Blues“ ist ein Album, welches klingt wie aus einer anderen Zeit. Innovationen? Fehlanzeige! Zeitgeist? Bitte ganz schnell vergessen! John Norum hat ein Album nach seinem Gusto aufgenommen und das ist verdammt erdig, ehrlich und authentisch! Man muss dieses vom Hardrock infizierte Gitarrenspiel nicht mögen, aber man sollte dem Mann Respekt entgegenbringen, dass er auf sämtliche Trends pfeift und sein Ding durchzieht. Und das macht er gut!