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Jan Böttcher: Vom anderen Ende des Flures

(Kook/Broken Silence)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Jan Böttcher, 1973 in Lüneburg geboren, lebt als freier Autor, Sänger und Musiker in Berlin. Er hat bis 2001 ‚Neuere deutsche Literatur’ und ‚Skandinavistik‘ in Berlin und Stockholm studiert. Von 1998-2006 war er Sänger und Texter der Berliner Band Herr Nilsson, nach 5 CD-Veröffentlichungen mit der Band erscheint nun seine erste Soloplatte „Vom anderen Ende des Flures“

Aufgenommen, getextet und vertont hat Jan Böttcher 13 Songs. Herausgekommen ist ein Album welches an eine Mischung aus Herr Nilsson (natürlich), Kettcar, Tomte (das ist neu) und Tocotronic (selbstverständlich) klingt. Schon bei Herr Nilsson hat man im Grunde ständig auf den großen nationalen Durchbruch gewartet, der sich dann doch nicht so ganz eingestellt hatte. Auch bei „Vom anderen Ende des Flures“ kann man erneut warten. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Warterei nicht sinnlos ist.

Dies liegt allerdings nicht an der Musik von Jan Böttcher, sondern am Hörer. „Vom anderen Ende des Flures“ ist nämlich ein Album im ursprünglichen Sinne. Ein Album mit einem roten Faden. Ein Album welches nicht nur als Konsumgut dient. Ein Album welches die volle Aufmerksamkeit dem Hörer abverlangt. Ein Album wie es sein sollte.

Die deutschen Texte sind vertrackt und lassen hier und da viel Spielraum für Interpretation. Böttcher lässt hier seiner lyrischen Ader freien Lauf. Man darf bei der vorliegenden Scheibe gerne auch mal von intelligentem Deutschpop sprechen. Dies ist alles zutiefst beeindruckend und dürfte beim Zuhörer die eigenen Synopsen so richtig in Gang setzen. Genau da liegt aber auch das kleine Problem. Man muss schon richtig, richtig Lust auf die Scheibe haben, denn sonst funktioniert das hier nicht. Entweder ganz oder gar nicht, denn sonst wird es monoton, langweilig und anstrengend. Aber wer bitteschön sagt, dass Kunst einfach sein soll?

Fazit: Mit „Vom anderen Ende des Flures“ ist Jan Böttcher ein ambitioniertes und beeindruckendes deutschsprachiges Album geglückt, welches nachhaltig unterstreicht, dass auch in deutscher Sprache beeindruckende Kunst möglich ist – wenn man sich drauf einlassen kann, nur dann, aber auch wirklich nur dann!

www.myspace.com/herrnilssonpop

 

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