Jamie Scott hat wieder einen Plattenvertrag in der Tasche. Jamie wer? Keine Sorge, wer mit dem Namen erstmal nichts anfangen kann, wird in der Zukunft noch reichlich Gelegenheit haben den musikalischen Ergüssen von Herrn Scott zu lauschen, aber dazu später mehr. Mit neunzehn hatte er den ersten Vertrag eines Labels in der Tasche, er war frisch verliebt – das Leben konnte keinen besseren Verlauf nehmen. Es kam dann allerdings alles ganz anders. Die Beziehung ging in die Brüche und die beiden Jungs, die ihn gesigned hatten, verließen das Label und plötzlich stand er wieder ohne Vertrag da. Zum Glück für Jamie Scott hat sich doch noch alles zum Positiven gewendet. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit werden nun auf der Parkbank aufgearbeitet.
Allerdings sollte Jamie Scott nicht dem Irrglauben unterliegen, dass er aufgrund seiner Ausnahmetalente ein neues Label gefunden hat. Wenn man sich die zwölf Songs auf „Park Bench Theories“ zu Gemüte führt dürfte ziemlich schnell klar werden, was hier der ausschlaggebende Punkt war. Der gute Jamie hört sich an wie so viele gerade angesagte Solokünstler. In seinen besten Momenten kommen da glatt Erinnerungen an Jack Johnson (eher selten der Fall) und in seinen schlimmsten leider auch an das musikalisch ausgemachte Böse in Form der absolut furchtbaren Heulboje James Blunt in den Sinn. Zum Glück erinnert die ganze Geschichte hier bisweilen auch an Maroon 5.
Geholfen hat Jamie Scott auch direkt eine ganze Armada an etablierten Künstlern. So ist hier die halbe Mannschaft von Travis vertreten und Linda Perry griff ihm auch beim Songwriting unter die Arme. Wobei eine solche Massenauftragsarbeit, für die Frau Perry ja bekannt ist, auch mit Vorsicht zu genießen ist.
Die Scheibe startet mit dem ruhigen und melancholischen „Runaway Train“, welches so auch ohne Probleme auf einem Album des besagten James Blunt versteckt sein könnte. „When Will I See Your Face Again“ fängt von der Stimmung auch eher depressiv an (der Titel lässt es auch schon vermuten), hat aber auch etwas sehr hoffnungsvolles zu bieten und ist im Refrain eine 1a Maroon 5 Nummer. „London Town“ hat Radiohitpotenzial und kommt sogar recht schmissig aus der Hüfte. „Changes“ wird wieder von einer melancholischen Note durchzogen, recht schöne Nummer, die bisweilen sogar an Rod Stewart erinnert (musikalisch wie auch stimmlich). Recht belanglos, langweilig und Bluntmäßig folgen dann „Standing In The Rain“ und „Love Songs To Remember“.
Die zweite Albumhälfte läutet dann das fast gehauchte und sehr schöne „Love Song To Remember“ ein. „Weeping Willow“ kommt anschließend etwas mehr aus den Puschen. Ja, so ist es gut Jamie, mach´ uns den Ryan Adams! Oder doch eher Jeff Buckley! Schöne Nummer, die nichtsdestotrotz meilenweit vom Rock entfernt ist und im Folk anzusiedeln ist. „Two Men“ nervt und dümpelt in ruhigem Fahrwasser so vor sich hin. „Rise Up“ ist da schon gefälliger und schält sich sehr gediegen aus den Boxen. „Hey You“ steigert dies sogar noch und weiß mit seinen Popanleihen recht gut zu gefallen. „Lady West“ beendet die Scheibe als Westersong dann sehr gelungen und entlässt den Hörer mit einem positiven Gefühl.
Fazit: Jamie Scott wird mit diesem Album sicher Erfolg haben, da er im selben Gewässer wie Blunt fischt. Dieses Gewässer ist so groß und die beiden sind so sensible Frauenversteher, dass da genug Platz für beide ist. Jammern können sie jedenfalls genug. Allerdings hat Jamie Scott hier und da auch recht nette musikalische Einfälle und eine größere Palette an Variationen zu bieten. Sein Handwerk versteht er zweifelsohne und so hat „Park Bench Theories“ doch auch recht schöne Momente zu bieten! Mit dieser Musik wird er sicher die ein oder andere Hörerin erfreuen und das ist doch auch schon was.
Hier gibt es, passend zum Albumtitel, eine Parkpank Ritz Aktion inkl. Prelistening http://artists.universal-music.de/_aktionen/jamiescott/parkbench/