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James Last: James Last In Los Angeles

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Die meisten Deutschen kennen James Last. Seit geraumer Zeit wird der Mann fast auf den Sockel einer Kultfigur erhoben. Das war nicht immer so, James Last und seine musikalischen Werke galten lange, lange Zeit als das ausgemachte Böse – zumindest wenn man die siebzig Jahre noch nicht überschritten hatte. Auch wer in den 70ern und 80ern aufgewachsen ist, sah sich immer wieder mit James Last konfrontiert und begann den Mann und seine Musik irgendwann regelrecht zu hassen. Dass da mittlerweile ein Umdenken stattfindet ist nicht zuletzt den zum Teil wirklich großartigen Arrangements und musikalischen Leistungen zu verdanken. Mittlerweile haben  Millionen Käufer weltweit ein Album von James Last in der heimischen Sammlung stehen.

Wie kam es nun zu dieser ungewöhnlichen Platte im Jahre 75. In der ganzen Welt füllte James Last seinerzeit Konzertsäle und verkaufte Platten ohne Ende. Nur in den USA ließ man ihn links liegen. Diesen Umstand wollte die Plattenfirma ändern und da traf es sich gut, dass Last ohnehin damit liebäugelte, einmal was ganz anderes zu tun als gewöhnlich. Die Aufnahmen hat Last zusammen mit dem Arrangeur und Produzenten Wes Farrell und amerikanischen Spitzenmusikern 1975 in den Record Plant Studios in L.A. eingespielt. Verkauft hat sich die Scheibe im Übrigen mehr schlecht als recht. In erster Linie dürfte dies an dem gänzlich anderen Sound liegen, den Last hier zu Tage fördert. Das Gebot der Stunde war und ist Jazz, gepaart mit einer Menge Soul.

Es ist gut, dass die acht Songs der Scheibe nun wieder veröffentlicht werden. Einige werden bei dem Namen James Last sicher immer noch die Nase rümpfen. Diesen Zeitgenossen dürfte spätestens dann der Zahn gezogen sein, wenn sie die ersten Töne von „Jubilation“ vernehmen werden. Die Nummer groovt nicht nur, sondern besticht durch ein feines Arrangement, welches eine ganz andere Seite von James Last zeigt. Auch „Summertime“ wird Jazzfans erfreuen. Hier blinzelt kurz der Last durch, den man kennt. Schön viele Streicher verbreiten kurzfristige Traumschiffatmosphäre. Aber wie gesagt nur kurz. Danach darf gerne die Schlaghose ausgepackt werden und ein Tänzchen gewagt werden. Mit „Can´t Move No Mountains“ und „Love For Sale“ schließen sich zwei Songs an, die sich auch in jedem Blaxploitation-Film gut machen würden. Nicht von ungefähr werden diese Arrangements heute noch von vielen DJs verwendet. „Bolero ´75“ funkt sich durch die etwas mehr als drei Minuten, dass es eine wahre Freude ist. Mit „Slaughter on 10th Avenue“ schließt sich eine entspannter Song an, der auch gut in die Hippie-Zeit gepasst hätte und dementsprechend auch so arrangiert wurde. Richtiggehend rockig wird es mit „Question“ im Hauptteil, bevor der Mittelteil auch wieder die Richtung der Hippie-Ära einschlägt. Entspannt klingt die Scheibe dann mit „Theme from Prisoner of Second Avenue“ aus.

Fazit: Wer aufgrund des Namens James Last gleich abwinkt, wird vermutlich nicht nur eine Gelegenheit verpassen einen Last zu hören, wie man es noch nie tat, sondern wird auch ein absolut hörenswertes Album irgendwo zwischen Jazz und Soul verpassen. Natürlich hatte auch Wes Farrell einen gehörigen Anteil daran, dass die Scheibe eben klingt, wie sie klingt und trotzdem sind die Arrangements von James Last hier alles überstrahlend. Überraschend und überraschend anders!

http://www.jameslast.com

 

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