Klappentext: Die Perle und Der Walzahn bestechen durch ihre spannende Darstellung des menschlichen Kampfes gegen die Naturgewalten und die Gegenüberstellung von Eingeborenen und weißem Mann. Beiden bleibt das Verhalten des jeweils anderen rätselhaft und dabei sind sie sich doch viel ähnlicher, als sie ahnen.
Kritik: Früher gehörte es zum ‚guten Ton’, Kindern Geschichten über Seefahrer, Piraten, die Weite der Meere und exotische Inseln zu Weihnachten zu schenken. So durfte auch ich mich in Kinderjahren über Die Schatzinsel und Die Juweleninsel freuen. Und wenn man Biographien und Erzählungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert liest, wird man häufig von Kindern lesen, deren Ideal sich in Robinson Crusoe findet.
Zu den populären Autoren von Abenteuer- und Reisegeschichten gehört zweifelsfrei auch Jack London. 1876 in San Francisco geboren lebte Jack London seine Geschichten vor. Mit 15 Jahren begab er sich als Matrose auf Reisen, mit 18 Jahren trampte er als Habenichts durch die USA und absolvierte später in Rekordzeit die Hochschulreife. Inspiriert durch seine Erlebnisse schrieb er zahlreiche Abenteuergeschichten und Aufsätze. Dazu gehören auch die bekannten Südseegeschichten.
Das Label Stimmbuch gibt davon aber nur zwei wieder: Die Perle und Der Walzahn. Die Perle erlangt dabei brutale Authentizität durch ihre Beschreibung eines vernichtenden Sturms, der Mensch und Natur mit sich reißt und verheerend an den Tsunami vor einem Jahr erinnert. Dabei handelt die Geschichte eigentlich vom Verkauf einer Perle, der aber durch die Einigung auf die Währung scheitert und so zu einer skurrilen Reise der Perle führt. Rituale und Mentalität der Eingeborenen und die Versuche ihrer Bekehrung durch christliche Missionare sind Thema der zweiten Erzählung Der Walzahn. Bis auf das aphoristische Ende wird die Geschichte vor allem durch eine humorvolle, augenzwinkernde Schilderung der Ereignisse getragen. Jack London richtet sein Augenmerk dabei vor allem auf das fremde Wesen der Fidschi-Eingeborenen, deren kannibalistische Vorliebe so manchen Gast auf statt an den Tisch bringt.
Es überrascht vielleicht, aber die Geschichten vom Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts funktionieren auch heute noch. Die Sprache von Jack London ist klar, verzichtet auf Weitschweifigkeit, aber verleiht Orten und Figuren dennoch farbige Lebendigkeit. Leichtes Spiel für Regisseurin Daniela Wakonigg, die aber zusammen mit Erzähler Mathias Haase und Musik-/Sounddesigner Peter Harrsch das Letzte aus der Erzählung kitzelt. Eine kleine biographische Note im Booklet rundet das erfreuliche Gesamtbild des Hörbuchs ab, ein Hörbuch, von dem ich nicht viel erwartet habe, was aber wahrscheinlich daher einen noch stärkeren Eindruck hinterlassen hat. Nach Charles Dickens Das Spukhaus ein erneuter Volltreffer…