Den Bildband von Ross Halfin über Metallica haben wir hier ja schon abgefeiert. Nun gibt es mit „Iron Maiden“ den weltweit ersten Bildband über diese Metal-Institution. War der Metallica Bildband für die Fans und das Genre schon ein Meilenstein, so dürfte das neuerliche Werk des berühmten Fotografen der heilige Gral sein. Iron Maiden sollte wohl jedem Musikbegeisterten ein Begriff sein. Die Band dürfte selbst im entferntesten Winkel der Welt bekannt sein, wie der sprichwörtlich bunte Hund. Massen von Fans pilgerten schon zu den zum Teil legendären Touren und Konzerten. Den Bandhöhepunkt gab es sicherlich in den 80ern. Im folgenden Jahrzehnt ebbte die Begeisterung für das Metalgenre mit Beginn der Alternativära etwas ab und als dann auch noch Sänger Bruce Dickinson ausstieg, interessierte sich bisweilen nur noch der Hardcorefan für die Truppe. Erst als Dickinson 1999 wieder in den Schoss der Band zurückkehrte wuchs auch das Interesse an Iron Maiden erneut und mittlerweile genießt die Formation Kultstatus.
Ross Halfin ist einer dieser Hardcorefans und begleitete die Band schon zu Beginn ihrer Karriere, sprich den späten Siebzigern. Der Mann war immer dabei, wenn es rund um Iron Maiden was zu erleben gab. Kein anderer durfte die Band häufiger ablichten als er. Sämtliche Hochs und Tiefs hat er miterlebt und nicht selten auch durchlebt. Halfin hat und hatte also Einblicke in die ganzen Hintergründe und nicht nur in die öffentliche Geschichte von Iron Maiden. Als stiller Beobachter mit der Kamera hat er dies alles festgehalten und nun darf man auf 256 Seiten und ca. 500(!!!) Schwarzweiß- und Farbabbildungen daran teilhaben.
Wer eine Biografie lesen möchte ist bei diesem Prachtwerk sicher falsch, denn mehr als ein paar kurze einleitende Worte von Halfin, Geoff Barton, Rod Smallwood und Steve Harris gibt es nicht. Und unter uns, das ist auch verdammt gut so! Hier soll absolut nichts von diesen intensiven Fotografien ablenken. Die Bandgeschichte bekommt man hier trotzdem auf dem Silbertablett serviert. Tausend Worte können nicht beschreiben, was ein einziges Foto ausdrücken kann und dafür kann man Halfin nicht genug danken.
Der Bilderreigen beginnt mit einem Soundcheck in Zagreb. Danach gibt es ganz frühe Bilder der Band zu sehen. Dokumentiert ist ein Auftritt vom 1. April 1980 im Rainbow Theatre in London, bevor man die Jungs im Hammersmith Odeon im Vorprogramm von Judas Preist oder im Vorprogramm von Kiss erleben darf. Eine ganz besondere Intensität wird mittels der schwarzweiß Aufnahmen erzeugt. Selbstverständlich sind auch die ersten Gehversuche als Headliner zu sehen. Auch diese Frühphase ist mir reichlich Backstagebildern ausreichend vertreten. Fast schon ungewohnt nicht Bruce Dickinson zu sehen, sondern Paul Di´Anno.
Neben reichlich privaten Bildern und Promofotos, die sicher auch die ein oder andere Band dieses Genres zu mancher Peinlichkeit inspiriert haben dürfte, macht diese Frühphase schon ziemlich deutlich, dass Heavy Metalbands schon ziemlich schmerzfrei bei der Wahl der Kleidung und der Frisuren waren und es wurde noch besser…bzw. schlimmer. Auch die ersten Bilder zusammen mit Bruce Dickinson sind Zeitzeuge davon. Zu allem Überfluss trägt der gute Mann auch noch ein T-Shirt seiner eigenen Band – herrlich. Dass Metal selbstverständlich eine schweißtreibende Angelegenheit ist, zeigen die Backstagefotos der durchgeschwitzten, halbnackten Männer nach ihren Konzerten.
Aber auch die intimen Momente kommen natürlich nicht zu kurz, so kann man die einzelnen Bandmitglieder auch bei der konzentrierten Vorbereitung auf die Konzerte beobachten. Die Konzertfotos verdeutlichen ganz besonders, dass den Showelementen bei Iron Maiden immer eine ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Bandmaskottchen „Eddie“ ist natürlich in allen Varianten vertreten, jede Menge Pyrotechnik wurde aufgefahren und die Band selber agierte in grellen Outfits, die an Peinlichkeit nie wieder zu übertreffen sind. Dies alles hat Ross Halfin kongenial festgehalten und eingefangen, nie war man der Band näher. Bei dieser Vielzahl von Bildern fällt dem Betrachter besonders ins Auge, was für sympathische Typen Iron Maiden sind. Selten sieht man die Jungs bierernst, zumeist regiert großer Spaß – sofern sie nicht schlafen. Bilder bei Albumaufnahmen und bei der Studioarbeit sind übrigens auch reichlich zu bewundern. Ebenso wird die Zeit nach dem Ausstieg von Bruce Dickinson dokumentiert, wie auch nach seinem Widereinstieg. Fanherz, was willst Du mehr?
Die besten Bilder nützen natürlich nichts, wenn die Aufmachung und die Umsetzung eines Bildbands nix taugt. Dies ist hier selbstredend nicht der Fall und die ganze Geschichte wurde mit der entsprechenden liebevollen Gestaltung umgesetzt. Der dicke Wälzer kommt im Premium-Hardcover im Großformat. Fadengeheftete und Bilderdruckpapier (durchgehend vierfarbig gedruckt) runden das positive Gesamtbild ab und für 49,90 EUR ist das fast geschenkt.
Fazit: Darauf haben sich Genrefreunde sicher schon seit Jahren gefreut. So nah war man dem Metal und Iron Maiden im Speziellen noch nie. Was für Musiker die Instrumente sind, stellt für Ross Halfin die Kamera dar. Er schafft es auf faszinierende Art und Weise eine wundervolle Geschichte zu erzählen – nämlich die von Iron Maiden. Ich verneige mich in tiefer Demut!