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Ingrid Michaelson: 03.12.2008, Gebäude 9, Köln

Autor: schlimm / Kommentare: Bisher keine

Nach einem Interviewmarathon und vielen, vielen Promotionauftritten im Radio und TV konnte Ingrid Michaelson endlich wieder das tun, was sie am liebsten macht – Musik. Kurz vor dem Konzert standen allerdings noch weitere Termine an und die gute Ingrid wirkte auch dementsprechend müde. Trotzdem hat sie immer noch ein Lachen auf den Lippen und bezaubert mit ihrer charmanten Art.

Ingrid Michaelson konnte man ja schon im September im Vorprogramm von Jason Mraz bestaunen. Die Hallen waren da freilich noch größer. Nach dem erfolgreichen aktuellen Album von Herrn Mraz war das auch sicher zu erwarten. Ingrid Michaelson hat in Deutschland allerdings noch gar kein Album veröffentlicht, dies kommt nämlich erst am 05.12. auf den Markt. Das Gebäude 9 ist dementsprechend auch alles andere als ausverkauft. Diejenigen, die sich bei winterlichen Temperaturen auf den Weg gemacht haben um die neue Heldin am Indie-Himmel zu bewundern, kann man sicher als Fans bezeichnen. Ein Gang durch die Reihen zeigt zudem, dass sich Ingrid Michaelson  zu einer Art Stilikone gemacht hat. Viele Mädels kopieren mittlerweile ihren Kleidungsstil - angefangen bei Mütze und Brille bis hin zum Schuhwerk. Das Publikum ist trotzdem erstaunlich bunt gemischt und auch ältere Semester haben den Weg ins Gebäude 9 gefunden.

Um 21.15 Uhr war es dann endlich soweit und unter großem Jubel betrat Ingrid Michaelson die Bühne. Keyboard und ihre Stimme reichten völlig aus um den ganzen Raum auszufüllen. Charisma hat die Frau ebenso im Übermaß. Was sich die nächsten fast 1 ½ Stunden ereignen sollte, war schon beeindruckend. Der „Unplugged-Auftritt“ wurde oftmals nur mit spärlichem Gitarrenspiel instrumentiert. Schon lange hat man keine Künstlerin im Rockbereich mehr gehört, die mit einem derart beeindruckenden Gesang überzeugen konnte. Glasklar, die Töne werden gehalten und auch die höchsten und hohen Ansprüche meistert Ingrid Michaelson problemlos. Ihre Theaterausbildung kommt ihr mit Sicherheit dabei zugute.

Bei einigen Songs holt sie sich ihre Freundin Katie auf die Bühne, die sie gesanglich und an der Gitarre unterstützt. Neben den gesanglichen und musikalischen Qualitäten verfügt sie über noch eine ganz große Gabe: Sie ist die perfekte Alleinunterhalterin und Gastgeberin. Zwischen den Songs erzählt sie nicht nur eine Menge zu ihren Liedern, sondern auch den ein oder anderen Schwank aus ihrem Leben oder die ein oder andere Anekdote. Bei anderen ist dies ermüdend und langweilig, bei Ingrid Michaelson hängt das komplette Publikum an den Lippen. So viel gelacht auf einem Konzert haben bisher wohl die Wenigsten. Egal, ob es Erzählungen von Erlebnissen in Deutschland sind, vom verlorenen Gepäck ihrer Freundin Katie, dem Unterschied von deutschen, amerikanischen und schwedischen Fans, TV-Auftritten und und und. Alle, aber auch wirklich alle Anwesenden hängen an ihren Lippen.

Und die Songs? Sind so ziemlich das Beste, was man momentan im Indiefolkpop live erleben darf. Ganz großes Kino. Egal ob „Die Alone“, „Breakable“, dem bezaubernden „The Hat“, dem allseits bekannten „The Way I Am“ oder „Be Ok“, sie ist immer überzeugend – besonders stimmlich. „Somewhere Over The Rainbow“ hat dann fast schon eine eingebaute Gänsehautgarantie und kommt völlig unkitschig daher. Das Publikum singt einen Großteil der Songs schon mit. Beachtlich, wo die Platte ja noch gar nicht auf dem Markt ist. Ingrid Michaelson kommentiert dies mit einem Lachen und imitiert das Schreiben auf einer Tastatur – alles klar. Bei „Everybody“ erklärt sie kurz wo das Publikum beim Gesang einsetzen soll und schweift dann doch wieder ab und ist plötzlich bei den singenden deutschen und amerikanischen Männern, Lacher sind wieder garantiert. Selbst eine ausgelutschte Nummer wie „Can´t Help Falling Love“ wirkt bei ihr fast neu und frisch. Danach ist dann Ende. Nein ist es nicht, denn Ingrid Michaelson kehrt abermals auf die Bühne zurück und spielt spontan noch einige Songs, inklusive dem neuen „Soldier“, welches sie erst vor zwei Wochen geschrieben hat. Großartig!

Fazit: Liebe Leute, spart euch das Geld für alternde und satte Rockstars! Geht wieder in die Clubs, da kann man noch Musik mit Seele und viel Herz erleben, dies ist nicht nur billiger, sondern auch ehrlicher! Nächstes Jahr kommt Ingrid Michaelson vermutlich wieder auf Tour und dann ist das ein Pflichttermin! Gesanglich ist sie ein Ausnahmetalent und ihre Songs sind ebenso außergewöhnlich. Wenn sie sich ihre charmante und unbekümmerte Art beibehalten kann, dann wird man in Zukunft ganz sicher noch oft von ihr hören. Ich wiederhole mich gerne: Ausnahmetalent!

http://www.ingridmichaelson.com
www.ingridmichaelson.de

(Soundbase bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Isabel Sihler und Universal und natürlich bei Ingrid Michaelson!)

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