Inhalt: In Form eines Tagebuchs zeichnet Ich-Erzähler William Dyer den Verlauf einer Expedition in die Antarktis nach. Zunächst suchen er und sein Team nach außergewöhnlichen und mesozoischen Gesteinsarten, wie dem Kreide-Schiefer. Doch dann stoßen sie auf eine Höhle, in der sie Fossilien einer der Menschheit völlig unbekannten, halb pflanzlichen und halb tierischen Rasse entdecken. Bald stoßen sie auf urzeitliche Städte einer überlegenen Zivilisation und erkennen, dass die Urgeschichte der Erde eine ganz andere war, als die Wissenschaft annimmt. Kritik: Das Lesen von Berge des Wahnsinns war bei mir mit einer stark subjektiven Färbung der Erzählung verbunden, sicherlich ein Klammern am Strohhalm in der akribischen Forschungsgeschichte, die sich durch ihre Detailfreude streckte wie die in ihr beschriebene Landschaft. So hat man natürlich auch eine gewisse Erwartung an eine Vertonung der Erzählung – übrigens ein Unterfangen, dem ich recht skeptisch, aber dafür umso neugieriger gegenüberstand. Mir schienen gerade die vielen Einzelheiten, die geographischen Exkursionen und der wissenschaftliche Geist der Geschichte nicht umsetzbar bzw. nicht unterhaltsam aufführbar. Und es fällt mir schwer, endgültig zu entscheiden, ob Lausch Rausch überzeugende Arbeit abgeliefert haben. Denn ihre Berge des Wahnsinns sind nicht meine Berge des Wahnsinns. Die Diskrepanz besteht vor Allem in der etwas dürftigen Geräuschkulisse und dem unpassenden Score. Warum man Didgeridoospiel für eine Handlung in den eisigen Weiten der Antarktis gewählt hat, bleibt mir ein Rätsel. Und dass Geräusche und Sprecher (u.a. Christian Rode, David Nathan und Lutz Harder) nicht etwas mehr Dramatik in die lebensfeindliche Umgebung transportieren, stellt auch ein Manko dar. Die Umsetzung klingt mehr nach Radiohörspiel statt nach moderner CD-Produktion. Ingesamt vermisst man etwas die Atmosphäre, die sich beim Lesen der Erzählung zwangsläufig einstellt. Stark hingegen ist, dass man nah am Original bleibt. Man versucht nicht, Lovecraft ins 21 Jahrhundert zu zerren, sondern bleibt der ursprünglichen Fassung treu. Und wenn man die etwas zähe erste CD bewältigt hat, kann man sich auf der zweiten CD an einer stetig steigenden Spannungskurve erfreuen. Und so langsam stellt sich doch noch der lovecraftsche Horror ein. Ein weiteres Plus stellt das 20-seitige Booklet dar. Hier zeigt sich die Liebe zur eigenen Arbeit und zur Arbeit H.P. Lovecrafts. Sowohl der Autor als auch die am Hörspiel Mitwirkenden werden ausgiebig vorgestellt. Und auch das Artwork ist klasse! Dennoch reicht es nicht für eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Plus und Minus halten sich hier in etwas die Waage, weshalb neun Punkte vertretbar sind. Lovecraft Liebhaber werden sich aber trotz der Kritik gezwungen sehen, ein Ohr zu riskieren.
Rezensionen > Hörspiel
H.P. Lovecraft: Berge des Wahnsinns
(Lausch Rausch)
Autor: DJ / Wertung: 9.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
No Comments »
No comments yet.
RSS feed for comments on this post. TrackBack URI