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Horst Kurth (Hörfabrik)

Autor: DJ / Kommentare: Bisher keine

Bild von Horst Kurth (Hörfabrik)Sie haben den Vampir Vlad bluten lassen, sie ließen Zombies die Uni stürmen, den Hammer des MacGyrn kreisen, Ratten Rotterdam überfluten, Kugeln über den Highway fliegen, Psychopathen und Schnüffler ihren Trieben nachgehen. Das Hörspiellabel aus dem Ruhrpott lebt ihre persönlichen Vorlieben aus Film und Literatur in eigenproduzierten Hörspielen aus, die ihrem Charme vor allem aus dem eigenwilligen Humor und der teils trashigen Ausrichtung gewinnen. Neben der Serie A.D.F., mit der alles noch recht banal begann, hat man sich inzwischen mit der Serie Kurzarbeit auch erfolgreich dem Sektor der Lesungen zugewandt und konnte vor allem mit dem actionreichen Road Movie Road Bandits punkten. Wir haben bei der Hörfabrik nachgefragt: nach Vergangenem, Aktuellem und Zukünftigen. Rede und Antwort stand Initiator Horst Kurth.

Sound Base: Hörspiele hören tun viele, Hörspiele selber machen, wollen auch viele, und manche machen es sogar zuhause auf einem alten Kassettenrekorder. Wie hat sich das Hörspielengagement bei euch entwickelt, woher habt Ihr euch das nötige Know-How und das nötige Equipment besorgt? Und wann lässt sich die Geburtsstunde der Hörfabrik genau datieren?

Horst Kurth: Die Geburtsstunde war irgendwann 2001. Nachdem ich Jahre lang Videofilme gedreht hatte, kam mir nun die Idee mit dem Hörspiel. Mit mehr als 30 Jahren Hörspielerfahrung dachte ich mir, dass es realisierbar wäre. Wie man heute nach fast fünf Jahren sieht, hat es geklappt und es war bei weitem nicht immer einfach. Das Team rund um die Hörfabrik ist gewachsen und wir können auf mehr als 60 verschiedene Sprecher zurückblicken. Zu diesem Zeitpunkt glaube ich, dass sich der innere Kreis geschlossen hat und das Produktionsteam komplett ist, was natürlich nicht heißen soll, dass sich andere scheuen sollen, sich bei uns zu melden. Das Equipment und den dazu gehörigen Mann habe ich durch Zufall kennen gelernt und darüber bin ich sehr froh. Nils Jeners und seine musikalische Begabung, sowie sein technisches Verständnis, sind ein wahrer Glücksgriff.

Sound Base: Seid ihr am Anfang recht blauäugig und naiv an die Sache gegangen? Und welche Stolpersteine haben sich erst im Verlauf der ersten Produktion gezeigt? Mit welchen Schwierigkeiten habt Ihr nie gerechnet?

Horst Kurth: Nun ja, ich habe mir am Anfang die Sache vielleicht etwas leichter vorgestellt, doch wenn man selber keine Ahnung von einer Homepage oder den Aufnahmen eines Hörspiels hat, dann ist man schon etwas aufgeschmissen. Doch auch diese Stolpersteine sind ja mittlerweile aus dem Weg geschafft.

Sound Base: Das Horror-Genre ist inzwischen ein stark genutztes Szenario für Hörspiele. Ebenso wie die klassischen Kinderdetektivgeschichten. Warum habt Ihr dennoch mit eurer ersten Serie ADF auch mit Gruselhörspielen angefangen?

Horst Kurth: Das liegt sicherlich daran, dass ich in den Zeiten der Groschenromane aufgewachsen und von diesen auch geprägt worden bin. Ich hatte schon immer ein Faible für das Grusel-Genre. Und verschlang neben den Romanen auch alle Filme und Hörspiele, die mir vor die Nase kamen. Genauso liebe ich die alten Kommissar X Filme, Man from U.N.C.L.E, Tennis lieber als Kanonen und den ganzen anderen Agenten- und Buddy Trash der 60er und 70er Jahre, und da lag es für mich nah, eben solche Helden-Typen ins Leben zu rufen und sie in ein Grusel-Universum zu packen. Aus einer anfänglichen Grusel-Serie ist ja mittlerweile eine Action-Serie mit einem eigenen Humor und Grusel-Elementen geworden.

Sound Base: Die erste ADF-Folge war ja noch relativ humorfrei und auch recht steif. In den nächsten Folgen habt iohr erst angefangen, den für Euch inzwischen typischen Witz einzupflegen. War dies ein bewusster Schritt oder kamen die Späße auf einmal von selber?

Horst Kurth: Die Gags waren nicht bewusst geplant. Sie entwickelten sich beim Schreiben und das tun sie immer noch. Ash und Nick schenken sich nichts, wenn es darum geht, einen Spruch zu reißen. Das manche Sprüche auch sehr flach sind ist mir klar, aber genau das mögen die Fans. Es müssen nicht immer die knochentrockenen Helden sein, wenn man nicht alles so ernst nimmt, klappt’s auch mit der Nachbarin : )

Sound Base: Wer stand Pate für ADF? Sowohl in Bezug auf den Horror als auch den Humor? Und welche Rolle hat dabei Eure Ruhrpottmentalität gespielt?

Horst Kurth: Wer Pate stand hab ich ja oben schon gesagt. Unsere Ruhrpottmentalität? Gar keine, außer bei Harry Matschek, der ja der überzogenste Ruhrpottchaot ist seit Herbert Knebel. Matschek zieht alle Register und bedient sich jedes Klischees, das man hier im Pott findet oder welches seinen Besuchern immer nachgesagt wird. Harry Matschek ist ein Extrem, das man entweder mag oder zum Teufel wünscht.

Sound Base: In den ADF Hörspielen gibt es strahlende Helden, die beinahe Unmögliches vollbringen? Wie viel ‚Held’ steckt in den einzelnen Personen des ‚Hörfabrik’-Teams tatsächlich? Und warum zieht es den Hörer immer wieder zum Heroenhaften?

Horst Kurth:Jeder identifiziert sich doch gerne mit seinen Helden und jeder möchte einmal in Batmans Maske und Umhang schlüpfen, um dann dem Bösen Einhalt zu gebieten und gefeiert zu werden. Man flüchtet sich aus der Realität hinein in die Fantasie und wer dieses noch kann, der kann sich glücklich schätzen. Ash und Nick sind Comic-Helden, denen nichts zu dramatisch oder gefährlich erscheint. Wenn es der Sache dient oder es darum geht, Leben zu retten, dann ist ihnen kein Stunt schwer genug. Wenn ich Ashley Pitt spreche, bin ich Ashley Pitt. Würde ich aber wie er einen Dämon im Spurt verfolgen müssen, dann würde ich wahrscheinlich nach 100 Metern mit einem Herzriss zu Boden gehen. Ich denke außer Jackie Chan könnte im echten Leben niemand ein Held sein wie die A.D.F.- Agenten. Ich bin bestenfalls ein „Maulheld“.

Sound Base: Beruf und Familie dürfte doch schon recht ausfüllend sein. Wie viel Zeit bleibt dir eigentlich für die Hörfabrik und wie oft wächst dir das ‚Hobby’ über den Kopf?

Horst Kurth: Ich habe keine Zeit mehr. Der Job im Einzelhandel mit Arbeitszeiten bis 20 Uhr und das auch noch am Wochenende frisst dir die Lebenszeit unweigerlich auf. Familie und Kinder dürfen auch nicht allzu sehr vernachlässigt werden, denn sonst ist man sie über kurz oder lang los. Tja, man bemüht sich, aber alles was man realisieren oder produzieren möchte ist auf Grund der fehlenden Zeit nicht möglich. Das Hobby wächst einem mehr als nur einmal über den Kopf, doch es ist mittlerweile zu einer Sucht geworden, von der man sich nicht lösen kann.

Sound Base: Wie wichtig sind in solchen Momenten die Reaktionen des Hörers? Wie wichtig ist euch der Kontakt zum Hörer überhaupt?

Horst Kurth: Die Meinung der Hörer ist mir sehr wichtig und ich versuche auch die Kritikpunkte, die man mir schreibt, abzuarbeiten und wenn möglich, ganz zu streichen. Das Lob der Hörerschaft baut das Team auf und bringt es dazu, im nächsten Projekt noch einen Zahn zuzulegen. Ich spreche oder maile mit mehreren Hörern und freue mich natürlich auch, wenn sie mich einfach mal anrufen.

Sound Base: Wie sehr beeinflussen die Meinungen der Kritiker eure Produkte? Wann tun Kritiken weh, wann werden sie ärgerlich und wann kommen sie einem beschönigt vor?

Horst Kurth: Wenn eine Kritik gut geschrieben ist und der Kritiker seine Meinung auch belegen kann, dann ist das OK. Rezensionen, in denen jemand schreibt, ich habe nach 4 Minuten ausgemacht und kann nur die Meinung von XY unterstützen, sind für mich einfach nur sinnlos. Entweder man bildet sich seine eigene Meinung oder man lässt es. Jemandem nach dem Maul reden kann jeder. Das ist für mich ärgerlicher als ein Verriss, der zumindest aus der Sicht des Kritikers belegbar ist. Wenn man aber die Rezensionen der Hörfabrik verfolgt, dann kann man nur zufrieden sein.

Sound Base: Ändert sich eure Meinung zu den eigenen Produkten mit der Zeit? Wie siehst Du heute beispielsweise die erste ADF-Folge?

Horst Kurth: Folge 1 „Das Blut des Vlad“ sehe ich immer noch als eine klassische Groschenheftstory. Heute würde ich sicherlich einiges anders machen, doch im Großen und Ganzen kann man mit der Umsetzung des Erstlings zufrieden sein. Das aktuelle Hörspiel ist natürlich immer das Beste, doch das Ende der Qualitätslatte ist noch lange nicht erreicht. Es gibt immer etwas zu verbessern.

Sound Base: Als zweite Serie habt ihr nach ADF die ‚Kurzarbeit’ ins Rennen geschickt. War es damals nicht recht gewagt als ‚Amateurlabel’ ins Gebiet der Lesungen zu wechseln? Und gleichzeitig auch noch Geschichten zu vertonen, die von unbekannten Autoren sind?

Horst Kurth: Ist es nicht immer gewagt, Neuland zu betreten? Sicherlich, aber no risk no fun. Die Kurzarbeit gibt unbekannten Autoren die Gelegenheit ihre Werke zu präsentieren und unseren Sprechern die Möglichkeit, sich als „Vorleser“ zu versuchen. Die Arbeit als Erzähler ist für mich die schwierigste, die es im Hörspielbereich gibt. Doch bisher haben sich unsere Sprecher sehr gut geschlagen. Was die Storys angeht, da müssen es nicht immer Geschichten bekannter Autoren sein, die zu unterhalten wissen. Es gibt sicherlich genug junge Autoren und auch Sprecher, die nur gefunden werden müssen, um ihre Talente dem Volk zu präsentieren.

Sound Base: Besonders auffallend war bei ‚Kurzarbeit’, dass ihr mit Musik und Geräuschen den Lesungen etwas mehr Ausdruck verschafft habt. War dies ein Element, was dir bei Lesungen bisher gefehlt hat?

Horst Kurth:Nicht unbedingt. Aber Sounds und Musik hauchen einer Lesung noch etwas mehr Leben ein.

Sound Base: Wie kam der Kontakt zu den einzelnen Autoren zustande? Nach welchen Kriterien sind die Geschichten ausgewählt worden? Wie konnte man die Autoren für das Projekt gewinnen?

Horst Kurth: Bisher gab es immer einen Wettbewerb zu den einzelnen Themen. Die eingesandten Storys wurden von uns gelesen und nach so mancher Diskussion ausgewählt. Das ist eigentlich alles, was man dazu sagen kann.

Sound Base: Wie hat dir die Idee von Pandoras Play gefallen, bei ihrer Serie ‚Kassandras Kinder’ um die einzelnen Lesungen eine Rahmenhandlung zu weben? Ist das eine Idee, wo man sich ärgert, sie nicht selber gehabt zu haben?

Horst Kurth: Nein, warum sollte ich mich ärgern. Mir hat Kassandras Kinder gefallen und ich bin schon gespannt, wann es weitergeht, denn von mir kommt da auch noch eine Geschichte in der dritten Folge. Die Idee finde ich gut.

Sound Base: Höhepunkt eurer Arbeit war für mich bislang ‚Road Bandits’, das am professionellsten wirkende Hörspiel. Hattet ihr damals ein mulmiges Gefühl, euch an ein solches Nischen-Hörspiel zu setzen? Und gab es nicht die Befürchtung, dass das doch recht provokative Hörspiel für Kontroversen sorgen würde?

Horst Kurth: Nein. Road Bandits ist ein Action-Hörspiel im Stil von Bonnie und Clyde. Der Begriff Road Movie Hörspiel, den wir ins Leben gerufen haben, war da nicht so gelungen. Viele Hörer wissen nichts damit anzufangen und gehen dann auch darüber hinweg. Road Bandits bietet alles, was man sich wünschen kann. Tolle Sprecher, eine gute Story und einen hervorragenden Soundtrack.

Sound Base: Als einen deutlichen Schritt zurück habe ich ja ‚Mark Tate’ empfunden, zeichnet sich die Produktion doch vor allem durch eine recht wirre Handlung und wenig überzeugende Präsentation aus. Kann man eine Erklärung vielleicht beim Original suchen? Und warum musste es gerade eine recht unbekannte, aber dafür umso klischeehaftere Groschenromanserie sein?

Horst Kurth: Mark Tate ist die meist wiederaufgelegteste Romanserie in Deutschland. Tate trat in vielen Unterserien auf. Der Kontakt zu W.A.Hary, dem Autor, ist sehr gut und mir persönlich gefällt die Serie sehr. Der Einstieg war vielleicht etwas unglücklich, da wir mit Folge 21 der Heftserie starten mussten. Heute ist das alles Klischee, vor 30 Jahren war es aber noch neu. Wir versuchen Tate auch in den 70’ern spielen zu lassen, deshalb auch der Score der die Szenen untermalt und an die Edgar Wallace und Cotton Filme erinnert. Mehrere Hörer hatten Probleme damit, die Hauptcharactere auseinander zu halten, doch mit etwas mehr Konzentration beim Hören klappt das schon. Bei Folge 2 wird sich einiges geändert haben.

Sound Base: Für die Serie gab es dann auch von einigen Stellen scharfe Kritik? Wie hoch ist danach die Motivation, die Serie überhaupt noch fortzusetzen? Und wie wirkt sich die Kritik gerade hier auf die nächste Folge aus?

Horst Kurth: Doppelt so hoch. Wir haben es beherzigt und einen Erzähler eingebaut. Fans von Oliver Theile werden hier auf ihre Kosten kommen. Die Sprecherin der May Harris wurde durch Annika Weitershagen ersetzt. Die Story an sich wird etwas ruhiger sein und ich denke damit wird jeder Kritiker zurechtkommen können.

Sound Base: Wo siehst du selber noch Schwächen bei euch, die Ihr gerne beheben würdet? Und sind es teils auch Schwächen, die ihr selbst mit großem Engagement nicht lösen könnt, weil Euch einfach die Finanzen fehlen?

Horst Kurth: Ich hätte gern einen größeren Pool an weiblichen und älteren Stimmen. Wie ich schon sagte, es gibt bestimmt genügend Talente, man muss sie nur finden, doch manchmal fragt man sich, wo soll ich suchen. Mit einem großen Budget oder einem großen Kredit ist natürlich alles machbar, doch es muss auch anders gehen und daran arbeiten wir.

Horst Kurth: Was würdest eu gerne einmal als Hörspiel oder Hörbuch umsetzen, weißt aber nicht, wie du es machen sollst?

Sound Base: Da gibt es viele Geschichten. Das größte Problem daran ist sicherlich die Rechtevergabe an diesen Stücken. Es würde den Rahmen sprengen, hier alle aufzuzählen.

Sound Base: Welche Themen interessieren Dich überhaupt nicht, d.h. welche Themen würdest Du nicht für Eure Produkte berücksichtigen?

Horst Kurth: Sozialkritische. Politische. Sexualstraftäter (Kinderschänder)

Sound Base: Wo siehst du persönlich den Vorteil von Hörspielen gegenüber den Medien Film und Buch? Und welche Elemente eines Films lassen sich nur schwer in einem Hörspiel umsetzen?

Horst Kurth: Man kann sie beim Auto fahren genießen : ) Natürlich die Visuellen. Es wäre sehr schwer eine Raumschlacht im Stil von Star Wars umzusetzen. Es gibt Dinge, dafür braucht man unweigerlich das Auge, da das Ohr nicht alles so umsetzen kann.

Sound Base: Welchen Rat würdest du angehenden Hörspielmachern mit auf den Weg geben?

Horst Kurth: Tut es einfach. Überlegt euch ein Konzept, eine Story und sucht nach frischen Sprechern und dann zieht es einfach durch. Doch ihr solltet den Überblick bewahren und euch nicht in einen Berg von Schulden verrennen. Macht es so wie Erik Albrodt von Nuebbelita`Productions. Er hat den richtigen Weg gefunden. Danke für das Interview sagt Horst“Ash“Kurth.

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