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Hooverphonic: The President of the LSD Golf Club Tipp

(PIAS/EMI)

Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Hooverphonic werden immer wieder in einem Atemzug mit Portishead oder Massive Attack genannt. Sicher nicht falsch, aber im Grunde völlig unnötig, denn die Band hat sich längst emanzipiert und mehr als eine eigene Duftmarke gesetzt. Mittlerweile bringen sie nun schon das achte Album auf den Markt. Längst sind sie über die belgischen Landesgrenzen hinaus erfolgreich. Auch wenn „2Wicky“ auch schon zwölf Jahre auf dem Buckel hat, hängt diese Nummer vom Soundtrack „Stealing Beauty“ der Band immer noch nach und wird im Grunde ständig hervorgekramt – was wir somit hiermit auch erledigt hätten.

Fernsehwerbung, Bandumbesetzungen, kreative Pausen und und und haben der Band nicht schaden können. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Nein, Stagnation gab es nie und dies schlug und schlägt sich auch eindeutig im Bandsound nieder. „The President of the LSD Golf Club“ tritt erneut den Beweis an, dass Belgien auch auf der musikalischen Landkarte ein Wörtchen mitzureden hat.

Zehn Kleinode verteilen sich auf eine Spielzeit von knapp 40 Minuten. Ein feines Händchen haben Hooverphonic bei der Trackauswahl und Zusammenstellung bewiesen, da die Scheibe so genau die richtige Länge aufweist und qualitativ vom ersten bis zum letzten Ton ein sehr hohes Niveau an den Tag legt. Ausreißer gibt es zwar auch, aber nur nach oben, nicht nach unten. Es wird wieder Zeitgenossen geben, denen das alles zu langweilig ist, aber wer richtig hinhört, der wird auf eine wunderschöne Entdeckungsreise mitgenommen. Alle anderen: In den Staub mit euch!

Wer eine Weiterführung der letzten musikalischen Lebenszeichen erwartet, der wird Augen und Ohren machen. Nein, die süßlichen Melodien sucht man eher vergebens, weniger Popkitsch, dafür wieder mehr organisch und erdigen Sound. Die Elektronik ist eher in den Hintergrund gerückt, im Zentrum stehen Gitarre, Bass und Schlagzeug. Veredelt wird die ganze Kiste mit einem Einschlag der 60er. Mellotron und Cembalo finden also auch wieder Verwendung und fügen sich hervorragend in den Bandsound ein. Geike Arnaerts verzaubert den Zuhörer wieder mit ihrer Stimme, mal dunkel und von einer morbiden Schönheit umgeben wie beim atmosphärisch dunkel angehauchten „50 Watt“ und dann fast wieder kindlich naiv, nachzuhören bei „Expedition Impossible“. Bei „Circles“ blitzt sogar Björk an allen Ecken und Enden durch, allerdings ohne den manchmal anstrengenden und durchgeknallten Einschlag. Musik kann manchmal so einfach sein, wie das eher unspektakuläre „Gentle Storm“ nachhaltig unter Beweis stellt. Diese tieftraurige und melancholische Nummer berührt einfach das Herz des Zuhörers, ebenso wie das großartige „Black Marble Tiles“. Dem Album wird es im Grunde aber nicht gerecht, wenn man hier einzelne Nummern herausreißt. Die Scheibe ist ein Gesamtkunstwerk und sollte als gesamtes Ganzes gehört werden.

Fazit: „The President of the LSD Golf Club“ ist eine wunderschöne Platte, die sicherlich nicht alle begeistern wird. Wenn man sich allerdings die Zeit nimmt, in das Werk einzutauchen, dann kann man sich nicht nur ganz schnell darin verlieren, sondern auch verlieben. Es ist halt schwer in der heutigen Musiklandschaft Musik nicht nur als Konsumgut für die Hintergrundberieselung zu sehen, sondern als das, was es eigentlich ist – Kunst! Hooverphonic haben ein weiteres Mal großartige Kunst geschaffen und das ohne künstlich zu wirken!

www.hooverphonic.com

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