header photo

Sound Base

Online Magazin

Holocaust: Die Geschichte der Familie Weiss
(Polyband & Toppic Video/WVG)


Autor: Katze / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

holocaustInhalt: Berlin, 1935 – Karl Weiss und Inga Helms feiern ihre Hochzeit. Beide sind deutsche Staatsbürger, aber Karl ist Sohn einer jüdischen Familie. Wenig später werden die Nürnberger Gesetze erlassen, die so genannte “Mischehen” als “Rassenschande” unter Strafe stellen. Dennoch bleibt die Familie Weiss in Deutschland. Noch ist der Schrecken, mit dem die Nazis ihre jüdischen Mitbürger überziehen werden, real nicht vorstellbar. Doch dann beginnt mit der Kristallnacht am 9. November 1938 die grausame Verfolgung der Juden…

Die im Jahre 1978 inszenierte fiktionale, vier Folgen umfassende, amerikanische Miniserie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ galt Anfang der 80er Jahre in Deutschland als streitbarer Meilenstein in der Auseinandersetzung mit einem der schwärzesten Kapitel Deutschlands. Bot sich vielen Deutschen und Österreichern hier einerseits die Möglichkeit, sich fernab von dokumentarischer Erziehung mit der Judenverfolgung in den Jahren 1935-1945 auseinander zu setzen, so wurde gerade diese Form der Kommerzialisierung bzw. Trivialisierung des jüdischen Leids vielerorts angeprangert.

Auch die stark konstruiert wirkende Handlungsabfolge bildete und bildet auch nach wie vor sicherlich Anlass zur Kritik, denn die vorgestellten Charaktere erleben in der Tat fast jedes wichtige Ereignis dieser Jahre persönlich mit. So erleben Mitglieder der Familie Weiss unter anderem den Aufstand im Warschauer Ghetto, die Massenexekution in Baby Yar, die Kämpfe der ukrainischen Widerstandsbewegung, die gezielte Tötung von geistig Behinderten in der NS-Tötungsanstalt Hadamar und das Leben in den Konzentrationslagern Theresienstadt, welches man als PR-Aktion der Deutschen gegenüber dem kritischen Ausland bezeichnen muss, da hier die humane Behandlung der Juden in einem Konzentrationslager durch die Deutschen vorgetäuscht wurde, und dem KZ Ausschwitz, das als Massenvernichtungslager zu traurigem Ruhm gelangte.

Aber trotz oben genannter Kritikpunkte halte ich persönlich diese Reihe, die für eine ganze Reihe heute namhafter Schauspieler – allen voran Meryl Streep und James Woods – den schauspielerischen Durchbruch bedeutete, alles in allem für sehr gelungen. Das liegt vor allem daran, dass diese Serie die Kriegsverbrechen zwar schonungslos aufzeigt, dabei aber ohne den drohend erhobenen Zeigefinger auskommt. Teilweise an Originalschauplätzen gedreht (z.B. Hadamar) oder zumindest an Orten, die den Originalszenerien sehr nahe kommen (die Szenen des KZ Ausschwitz-Birkenau wurden beispielsweise im österreichischen KZ Mauthausen abgedreht), wird hier eine zeitnahe, realitätsnahe und ergreifende Geschichte geboten.

Ebenfalls als positiv empfinde ich, dass man der Geschichte der jüdischen Familie Weiss als parallelen Handlungsstrang und Kontrapunkt das Leben des fiktiven Juristen Erik Dorf gegenüberstellt, der vom spießbürgerischen und unbedeutenden Arbeitslosen durch seine rechte Gesinnung, seine eiskalte Gewissenlosigkeit und vor allem durch den stechenden Ehrgeiz seiner Frau unter der schützenden Hand von Reinhard Heydrich, der als Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) von Hermann Göring im Jahr 1941 mit der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt wurde, zum Sturmbannführer aufsteigt und sich unter dieser Anleitung zum brutalen Massenmörder entwickelt.

Von der Geschichte her ist dies absolut packender Stoff, der definitiv auf eine DVD-Veröffentlichung gehört. Allerdings muss sich die hier zur Besprechung vorliegende DVD-Umsetzung auch einiges an Kritik gefallen lassen: so fehlt beispielsweise auf dem vier DVDs umfassenden Set jegliches Bonusmaterial, obwohl sich hier sicherlich einige Features angeboten hätten. Was mich persönlich aber vor allem stört ist die Tatsache, dass man dem geneigten Zuschauer wie einem unmündigen Kind in dieser Fassung eine Schlusssequenz von gut sieben Minuten vorenthält. Hier nämlich endet die Serie mit der Kollektivschuldanklage und dem Freitod des Erik Dorf endet, wohingegen das Original wesentlich positiver und hoffnungsvoller endet, mit einem Rudi Weiß, der erst seine Schwägerin Inga und den Sohn seines im KZ verstorbenen Bruders Karl trifft und sich im Weiteren um elternlose, jüdische Kinder kümmern wird. Zumindest dieses alternative Ende hätte man als Bonus gut anbieten können.

Fazit: „Holocaust: Die Geschichte der Familie Weiss“ ist auch 2009 gewiss immer noch sehenswert und kann helfen, auch den kommenden Generationen die große Schande der Judenverfolgung im deutschen Reich begreiflich zu machen, auch wenn hier sicherlich manches durch Hollywood ein wenig zu verwässert oder poliert erscheint. Abzüge gibt es in meinen Augen lediglich aus vorgenannten Gründen. Etwas Bonusmaterial bzw. zumindest das alternative Ende hätte dieser Veröffentlichung sicherlich gut getan. 9½ Punkte!

Leave a Reply

Aktuelle Artikel