Jeder, der sich schon einmal mit der Band Letzte Instanz beschäftigt hat, wird wissen, dass sich die Herrschaften nicht nur musikalisch ausdrucksstark präsentieren, sondern auch textlich stets einiges zu bieten haben. Da liegt ein Sprung von der gesungenen Geschichte zum geschriebenen Wort gar nicht mal so fern, und genau diesen Sprung hat der Sänger der Truppe Holly Loose mit „Weiße Geschichten“ nun auch gewagt.
Allerdings hat er sich hierfür die Unterstützung seiner Fans geholt, denn „Weiße Geschichten“ präsentiert Gedanken und Kurzgeschichten, die eben jene Fans mit den Liedtexten der Truppe verbinden, und auch Holly steuert zwei kleine Geschichten zum Gesamtwerk bei. Neben der Möglichkeit, den Fans für ihre Gedanken zur Musik eine breite Plattform zu bieten, steht für Holly Loose ein karitativer Gedanke hinter diesem Projekt. Der Erlös dieser Zusammenstellung kommt nämlich dem Verein „Musiker ohne Grenzen“ zu gute, welcher derzeit in einem Projekt in Ecuador Kindern aus den Armenvierteln von Guasmo trotz ihrer schwierigen finanziellen Situation zu ermöglichen versucht, ein Instrument zu erlernen und musikalisch aktiv zu sein.
So ehrbar und kreativ die eigentliche Absicht hinter diesem Projekt war und ist, so ehrlich muss ich gestehen, dass ich das endgültige Ergebnis doch eher als sehr durchwachsen empfinde. Zwar finden sich unter den Kurzgeschichten durchaus mehrere kleine Perlen, allen voran die beiden Geschichten des Herausgebers, allerdings kommen die meisten Stories mächtig zähflüssig und klebrig herüber. Vielem in diesem Buch haftet eine schwere Patina pubertär verklärter Pseuderomantik an, vor allem wenn Themen wie Liebe und Tod laienhaft zusammengeschustert werden. Diese Klischeehafte Leichenromantik kann man sich vielleicht mit sechzehn geben, wenn man gerade von der ersten großen Liebe verlassen wurde. Mit fortgeschrittener Lebenserfahrung dagegen kann man an manchen Stellen dieses Werkes nur verwundert bis mitleidig den Kopf schütteln. Man fühlt sich manches Mal einfach zu alt für die hier ausgedrückten Gedanken.
Fazit: „Weiße Geschichten“ sind vor allem eines, nämlich eine schöne Idee. Eine schöne Idee, Kreativität zu fördern und sich zusätzlich damit auch noch sozial zu engagieren. Als solches lohnt sich eine Unterstützung dieses Projektes durch einen Buchkauf vielleicht schon, aber qualitativ bleibt vieles leider hinter den Erwartungen zurück. Schade eigentlich, 7 Punkte!