Inhalt: Dieses ist die schonungslose Lebensbeichte eines Mannes, der seine Untaten immer mit chirurgischer Präzision beging und sich in infamer Weise als Objekt der Begierde inszenierte. Ausgelöst durch sein Faible für schnelle Sportwagen verwirrte er die Damenwelt, brachte betuchte Witwen um ihr gesamtes Erbe, und auch junge Dinger waren vor ihm nie sicher. Bigamie war für ihn wenig, er war ein professioneller Septogamist (die Woche hat sieben Tage). Schuldgefühle kannte er nicht. Sein sagenhaftes Einfühlungsvermögen in die innere Welt seine rOpfer machte ihn zu einer herausragenden Koryphäe in der Welt des amourösen Non troppo. Bestechende Zeugnisse seiner Liebeskunst sind die zahlreichen Dankschreiben früherer Opfer, die bis heute seine geheimbriefkästen überall in der Welt füllen.
Rodriguez Faszanatas lebt heute glücklich verheiratet weit entfernt von den Fängen der Justiz in Sao Paulo und genießt seinen Lebensabend. Aus Geldnot hat er sich entschlossen, sein Leben aufzuschreiben.
Nachdem „Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas“ bislang nur in Buchform zum selber lesen erhältlich waren, bekommen nun die Lesefaulen die Möglichkeit, sich die fantastischen und äußerst skurrilen Abenteuer des abgedrehten Spaniers über die heimische Stereoanlage vorlesen zu lassen, noch dazu vom Autoren Helge Schneider selbst. Schon am Buch schieden sich die Geister der Leser, und da es sich hier 1:1 um eine ungekürzte Lesung des Buches auf insgesamt drei CDs handelt, wird diese Veröffentlichung auch bei den Hörern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dieselben Reaktionen hervorrufen. Helge Schneider und seinen abgedrehten, bisweilen leicht wirren Humor muss man wahscheinlich einfach zu einhundert Prozent mögen, um auch dieses Werk ansatzweise gut finden zu können. Wem der gebürtige Mühlheimer einfach gesagt zu albern ist, der wird diesen Release lieber im Kaminfeuer knistern hören als ihn in der Stereoanlage rotieren lassen. Aber es kann ja auch nicht der Ansatz eines Künstlers sein, allen gefallen zu wollen, und so wird Helge Schneider gut mit Kontroversen bzgl. seiner Arbeit leben können. Mir persönlich gefallen die Geschichten um den windigen Heiratsschwindler und vor allem gefällt mir auch die Art, wie sie vom Autor vorgetragen werden. Entgegen den Erwartungen, die wahrscheinlich die meisten an diesen Vortrag im Vorfeld haben werden, kommt Herr Schneider nämlich in seiner Lesung ziemlich seriös daher, auch wenn er natürlich doch die ein oder andere Stelle in leicht übertrieben scharf betont. Aber das wirkt beileibe nicht störend, sondern peppt den Erzählstil angenehm auf. Auf übertriebene Albernheiten lässt er sich dabei zu keiner Sekunde ein, was er auch nicht muss, denn die Geschichte an sich birgt schon einiges an Abstrusitäten, die man als Hörer so ganz ohne stimmliche Ablenkungen auch wesentlich besser wahrnimmt.
Fazit: Hassen oder Lieben, das ist hier die Frage. Wer Schneider hasst, der schlägt einen weiten Bogen um „Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas“ und wird wahrscheinlich damit nichts in seinem Leben vermissen. Wer den Helge dagegen liebt, der wird auch mit seinem neusten Werk sicherlich mehr als nur eine amüsante Stunde verbringen. 9½ Ehebrüche!
Homepage Helge Schneider